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Prew – Priapos
welche die außerordentliche Polizeijustiz in den Provinzen mit summarischem Verfahren handhabten. An ihrer Spitze standen die Prévôts des maréchaux. Sie wachten über den Landfrieden und pflogen über Landstreicher, Räuber, Zigeuner und in Fällen öffentlicher Ruhestörung eine schnelle Justiz. Adlige und die meisten Staatsbeamten waren ihrer Gerichtsbarkeit nicht unterworfen. Die Revolution machte den Prévôtalhöfen ein Ende, Napoleon Ⅰ. stellte sie jedoch als Specialgerichtshöfe wieder her. Nach der ersten Restauration wurden sie aufgehoben, traten aber nochmals durch Gesetz vom 20. Dez. 1815 zur Verfolgung polit. Verbrecher auf drei Jahre wieder ins Leben. – Vgl. Frey, Frankreichs Civil- und Kriminalverfassung (Mannh. 1842); Laferrière, Essai sur l’histoire du droit français (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1859).
Prew, Georg, Maler, s. Breu.
Preyer, Joh. Wilh., Stilllebenmaler, geb. 19. Juli 1803 zu Rheydt bei Düsseldorf, war seit 1822 Schüler an der Düsseldorfer Akademie, bildete sich weiter 1835 in Holland und 1837 in München durch das Studium der alten Niederländer. Nach längerm Aufenthalt in Berlin nahm er seinen ständigen Wohnsitz in Düsseldorf, wo er 20. Febr. 1889 starb. P. wandte sich ausschließlich der Darstellung von Blumen- und Fruchtstücken zu. Von seinen überaus sorgfältig ausgeführten Werken besitzen die Nationalgalerie und die Galerie Ravené in Berlin wie die Neue Pinakothek in München Hauptstücke.
Sein Sohn, Paul P., Stillleben- und Genremaler, geb. 24. März 1847 zu Düsseldorf und Schüler der dortigen Akademie, insbesondere von W. Sohn, bewegt sich in seinen Genrebildern vorzugsweise im 17. und im Anfang des 19. Jahrh. Der Künstler lebt in Düsseldorf.
Preyer, Wilhelm Thierry, Physiolog, geb. 4. Juli 1841 in Moss Side bei Manchester, studierte in Bonn, Berlin, Heidelberg, Wien und Paris Naturwissenschaften und Medizin, habilitierte sich 1865 in Bonn für Zoochemie und Zoophysik in der philosophischen, 1867 für Physiologie auch in der mediz. Fakultät und wurde 1869 ord. Professor der Physiologie in Jena. 1888 habilitierte er sich als Privatdocent in Berlin und lebt seit 1893 in Wiesbaden. P. verwirklichte zuerst die quantitative Spektralanalyse (1866), bestimmte die Grenzen der Tonwahrnehmung, wandte die Grundsätze der Graßmannschen Ausdehnungslehre auf die Empfindungen an in den «Elementen der reinen Empfindungslehre» (Jena 1877) und stellte eine neue Theorie des Schlafs auf (1876). Eine mit F. Zirkel unternommene «Reise nach Island» wurde von beiden beschrieben (Lpz. 1862). Von größeren Werken veröffentlichte P.: «Die Blausäure» (2 Tle., Bonn 1868‒70), «Die Blutkrystalle» (Jena 1871), «Das genetische System der chem. Elemente» (Berl. 1893) und «Elemente der allgemeinen Physiologie» (Lpz. 1883), sowie namentlich «Die Seele des Kindes» (3. Aufl., ebd. 1890), «Die geistige Entwicklung der ersten Kindheit» (Stuttg. 1893), «Physiologie des Schreibens» (Hamb. 1894) und «Specielle Physiologie des Embryo» (Lpz. 1885). Von seinen populären Vorträgen erschienen 3 Bände: «Naturwissenschaftliche Thatsachen und Probleme» (Berl. 1880), «Aus Natur- und Menschenleben» (ebd. 1885) und «Biologische Zeitfragen» (2. Aug., ebd. 1889). Auch veröffentlichte P. seit 1862 viele Originaluntersuchungen über die Atmung, das Blut, den Hypnotismus, die Farben- und Tonempfindungen in wissenschaftlichen Zeitschriften und erklärte das sog. Gedankenlesen in natürlicher Weise (1885). Seit 1887 («Naturforschung und Schule», Stuttgart) hat sich P. die Reform des höhern Schulwesens auf physiol. Grundlage zur Aufgabe gemacht und für eine Umgestaltung des humanistischen Gymnasiums gewirkt. ^[Spaltenwechsel]
Preyssl., hinter wissenschaftlichen Tiernamen Abkürzung für Joh. Daniel Preyßler, einen österr. Naturforscher. Von ihm u. a.: «Verzeichnis böhm. Insekten» (Prag 1790), «Naturhistor. Beobachtungen auf einer Reise durch den Böhmerwald» (Dresd. 1793).
Priāmel, eine Art kurzer, volksmäßiger gnomischer Dichtungen, die in Deutschland mindestens vom 12. Jahrh. an (schon beim Anonymus Spervogel finden sich Beispiele) bis ins 16. Jahrh. üblich und namentlich im 14. und 15. Jahrh. sehr beliebt war; sie gehört wahrscheinlich bereits zu den dichterischen Formen der altgerman. Poesie. Die eigentliche Form dieser Sprüche besteht darin, daß eine Reihe von Vordersätzen in einen zu ihnen insgesamt gehörigen kurzen Nachsatz auslaufen, der den Spruch wie mit einer epigrammatischen Spitze schließt. So z. B.: «Wenn man einen Einfältigen betreugt, Und man auf einen Frommen leugt, Und Feindschaft zwischen Ehleuten macht: Der dreyer Arbeit der Teufel lacht.» Der Name ist aus dem lat. praeambulum, Vorbereitung, entstellt. Klassiker der P. war in Deutschland Hans Rosenblut. P. sammelte Keller in «Alte gute Schwänke» (2. Aufl., Heilbr. 1876), Euling in «Hundert noch ungedruckte P. des 15. Jahrh.» (Paderb. 1887). – Vgl. Wendeler, De praeambulis eorumque historia in Germania (Tl. 1, Halle 1870).
Priămos, in der griech. Sage der Sohn des Laomedon, König von Troja. Aus der Zeit vor dem Trojanischen Kriege, der erst in seinem hohen Alter ausbrach, wird wenig von ihm erzählt. Nur das berichtet Homer, daß er mit den Phrygern gegen die Amazonen gezogen sei. Vermählt war er nach Apollodor zuerst mit Arisbe, der Tochter des Merops, die ihm-den Aisakos gebar. Seine zweite Gemahlin hieß Hekabe (s. d.). Außerdem hatte er noch andere Weiber und nach Homer im ganzen 50 Söhne, von denen 19 von der Hekabe waren. In der Ilias tritt er nur bei Abschluß des Waffenstillstands und bei der Auslösung von Hektors Leiche hervor. Nach den die Zerstörung Trojas erzählenden Dichtern fand er seinen Tod durch Neoptolemos am Altar des Zeus oder auch an der Schwelle des Palastes.
Priapēa, s. Priapos.
Priapismus (grch.), der krankhaft gesteigerte Geschlechtstrieb bei Männern.
Priāpos, ein griech. Gott der Zeugungskraft und üppigen Fruchtbarkeit der Natur, unter dessen Schutz die Gärten und Weinpflanzungen sowie wohlbewässerte Wiesen und die auf denselben weidenden Herden standen. Nach der gewöhnlichen Sage war P. ein Sohn des Dionysos und der Aphrodite (oder auch einer Nymphe); eine andere Tradition nannte Hermes seinen Vater. Dargestellt wurde er gewöhnlich als bärtiger, nach asiat. Weise bekleideter Mann mit auffallend großem Zeugungsgliede, in dem aufgehobenen Schurz seines Gewandes Baumfrüchte und Trauben tragend, ein turbanähnliches Tuch oder einen Kranz von Weinlaub ums Haupt. Bei den Römern, welche P. mit ihren ländlichen Laren (s. d.)