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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Prew - Priapos
welche die außerordentliche Polizeijustiz in den Pro-
vinzen mit summarischem Verfahren handhabten.
An ihrer Spitze standen die I>r6V0t3 ä63 inaiöcliiiux.
Sie wachten über den Landfrieden und pflogen über
Landstreicher, Räuber, Zigeuner und in Fällen
öffentlicher Ruhestörung eine fchnelle Justiz. Adlige
und die meisten Staatsbeamten waren ihrer Ge-
richtsbarkeit nicht unterworfen. Die Revolution
machte den Prövötalhöfen ein Ende, Napoleon I.
stellte sie jedoch als Specialgerichtshöfe wieder ber.
Nach der ersten Restauration wurden sie aufge-
hoben, traten aber nochmals durch Gesetz vom
20. Dez. 1815 zur Verfolgung polit. Verbrecher
auf drei Jahre wieder ins Leben. - Vgl. Frey,
Frankreichs Civil- und Kriminalverfassung (Mannh.
1842); Laferriere, N88^i 8ur 1'ki8toii-6 äu äroit
tr^^iL (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1859).
Prew, Georg, Maler, s. Breu.
Preyer, Joh. Wilh., Stilllebenmaler, geb.
19. Juli 1803 zu Rheydt bei Düsseldorf, war seit 1822
Schüler an der Düsseldorfer Akademie, bildete sich
weiter 1835 in Holland und 1837 in München durch
das Studium der alten Niederländer. Nach längerm
Aufenthalt in Berlin nahm er seinen ständigen
Wohnsitz in Düsseldorf, wo er 20. Febr. 1889 starb.
P. wandte sich ausschließlich der Darstellung von
Blumen- und Fruchtstücken zu. Von seinen überaus
sorgfältig ausgeführten Werken besitzen die National-
galerie und die Galerie Ravene' in Berlin wie die
Neue Pinakothek in München Hauptstücke.
Sein Sohn, Paul P., Stillleben- und Genre-
maler, geb. 24. März 1847 zu Düsseldorf und
Schüler der dortigen Akademie, insbesondere von
W. Sohn, bewegt sich in seinen Genrebildern vor-
zugsweise im 17. und im Ansang des 19. Jahrh.
Der Künstler lebt in-Düsseldorf.
Preyer, Wilhelm Thierry, Physiolog, geb. 4. Juli
1841 in Moss Side bei Manchester, studierte in Bonn,
Berlin, Heidelberg, Wien und Paris Naturwissen-
schaften und Medizin, habilitierte sich 1865 in Bonn
für Zoochemie und Zoophysik in der philosophischen,
1867 für Physiologie auch in der mediz. Fakultät
und wurde 1869 ord. Professor der Physiologie in
Jena. 1888 habilitierte er sich als Privatdocent in
Berlin und lebt seit 1893 in Wiesbaden. P. ver-
wirklichte zuerst die quantitative Spektralanalyse
(1866), bestimmte die Grenzen der Tonwahrneh-
mung, wandte die Grundsätze der Grahmannschen
Ausdehnungslehre auf die Empfindungen an in den
"Elementen der reinen Empfindungslehre" (Jena
1877) und stellte eine neue Theorie des Schlafs auf
<1876). Eine mit F. Zirkel unternommene "Reise
nach Island" wurde von beiden beschrieben (Lpz.
1862). Von größeren Werken veröffentlichte P.:
"Die Blausäure" (2 Tle., Bonn 1868-70), "Die
Blutkrystalle" (Jena 1871), "Das genetische System
der chem. Elemente" (Berl. 1893) und "Elemente der
allgemeinen Physiologie" (Lpz. 1883), sowie nament-
lich "Die Seele des Kindes" (3. Aufl., ebd. 1890),
"Die geistige Entwicklung der ersten Kindheit"
(Stuttg. 1893), "Physiologie des Schreibens"
(Hamb. 1894) und "Specielle Physiologie des Em-
bryo" (Lpz. 1885). Von seinen populären Vorträgen
erschienen 3 Bände: "Naturwissenschaftliche That-
sachen und Probleme" (Berl. 1880), "Aus Natur-
und Menschenleben" (ebd. 1885) und "Biologische
Zeitfragen" (2. Aug., ebd. 1889). Auch veröffentlichte
P. seit 1862 viele Originaluntersuchungen über die
Atmung, das Blut, den Hypnotismus, die Farben-
und Tonempfindungen in wissenschaftlichen Zeit-
schriften und erklärte das sog. Gedankenlesen in
natürlicher Weise (1885). Seit 1887 ("Naturfor-
i schung und Schule", Stuttgart) hat sich P. die Re^
! form des höhern Schulwesens auf physiol. Grund-
lage zur Aufgabe gemacht und für eine Umgestal-
tung des humanistischen Gymnasiums gewirkt.
FH'ez/FFl., hinter wissenschaftlichen Tiernamen
Abkürzung für Joh. Daniel Preyhler, einen
z österr. Naturforscher. Von ihm u. a.: "Verzeichnis
^ böbm. Insekten" (Prag 1790), "Naturhistor. Beob-
! achtungen auf einer Reise durch den Vöhmerwald"
i (Dresd^ 1793).
Priamel, eine Art kurzer, volksmäßiger gnomi-
scher Dichtungen, die in Deutschland mindestens
vom 12. Jahrh, an (schon beim Anonymus Sper-
voael finden sich Beispiele) bis ins 16. Jahrh,
üblich und namentlich im 14. und 15. Jahrh, sehr
beliebt war; sie gehört wahrscheinlich bereits zu
den dichterischen Formen der altgerman. Poesie.
Die eigentliche Form dieser Sprüche besteht da-
rin, daß eine Reihe von Vordersätzen in einen zu
ihnen insgesamt gehörigen kurzen Nachsatz aus-
laufen, der den Spruch wie mit einer epigramma-
tischen Spitze schließt. So z. B.: "Wenn man einen
Einfältigen betreugt, Und man auf einen Frommen
leugt, Nnd Feindschaft zwischen Ehleuten macht:
Der dreyer Arbeit der Teufel lacht." Der Name ist
aus dem lat. zn-aeanidiiwiii, Vorbereitung, entstellt.
Klassiker der P. war in Deutschland Hans Rosen-
blut. P. sammelte Keller in "Alte gute Schwanke"
! (2. Aufl., Heilbr. 1876), Euling in "Hundert noch
ungedruckte P. des 15. Jahrh." (Paderb. 1887). -
Vgl. Wendeler, De pi^k^mduliZ eoiuincius Ki3to"
ria. in 66rm3.ui3. (Tl. 1, Halle 1870).
Priämos, in der griech. Sage der Sohn des
Laomedon, König von Troja. Aus der Zeit vor
dem Trojanischen Kriege, der erst in seinem hohen
Alter ausbrach, wird wenig von ihm erzählt. Nur
das berichtet Homer, daß er mit den Phrygern
gegen die Amazonen gezogen sei. Vermählt war er
nach Apollodor zuerst mit Arisbe, der Tochter des
Merops, die ihm-den Aisakos gebar. Seine zweite
Gemahlin hieß Hekabe (s. d.). Außerdem hatte er
noch andere Weiber und nach Homer im ganzen
50 Söhne, von denen 19 von der Hekabe waren.
In der Ilias tritt er nur bei Abschluß des Waffen-
stillstands und bei der Auslösung von Hektors
Leiche hervor. Nach den die Zerstörung Trojas er-
zählenden Dichtern fand er seinen Tod durch Neo-
ptolemos am Altar des Zeus oder auch an der
Schwelle des Palastes.
Vriapea., s. Priapos.
Priapismus (grch.), der krankhaft gesteigerte
Geschlechtstrieb bei Männern.
Priapos, ein griech. Gott der Zeugungskraft
und üppigen Fruchtbarkeit der Natur, unter dessen
Schutz die Gärten und Weinpflanzungen sowie wohl-
bewässerte Wiesen und die auf denselben weidenden
Herden standen. Nach der gewöhnlichen Sage war
P. ein Sohn des Dionysos und der Aphrodite (oder
auch einer Nymphe); eine andere Tradition nannte
Hermes seinen Vater. Dargestellt wurde er gewöhn-
lich als bärtiger, nach asiat. Weise bekleideter Mann
mit auffallend großem Zeugungsgliede, in dem auf-
gehobenen Schurz seines Gewandes Vaumfrüchte
und Trauben tragend, ein turbanähnliches Tuch oder
einen Kranz von Weinlaub ums Haupt. Bei den
Römern, welche P. mit ihren ländlichen Laren (s. d.)