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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Priene - Priesterseminare
Gebirge genannt wird (s. Ostalpen, Vd.12,S.698 a).
Der große P. (2514 m) ist ein Aussichtspunkt,
dessen Besteigung durch zwei Schutzhütten erleichtert
wird. Der kleine P. (2132 m) bietet eine beschränk-
tere Rundsicht. Am Fuße das schöne Stoderthal.
Priene, im Altertum eine ion. Stadt in Ka-
rien gegenüber Milet am Latmischen Meerbusen,
von dem sie später das vom Mäander ange-
schwemmte Land trennte, am Abhang des Mykale-
aebirges. Sie war eine der zwölf Bundesstädte der
Monier. Man hat dort bedeutende Ruinen gefun-
den, namentlich von dem Tempel der Athcna Po-
lias, mit einer Weihinschrift von Alexander d. Gr.
Diese ist mit andern in P. gefundenen Resten von
Skulpturen im Britischen Museum. - Vgl. Th.
Lenschau, ve redug ?i-i6N6N8iniu (Lpz. 1890).
Prieska, Bezirk in der Midlandprovinz der
Kapkolonie, mit 13711 ykm und (1891) 4288 E.,
darunter 2006 Weiße, liegt südlich vom Oranjefluß,
an der Südwestgrenze von Westgriqualand. Es ist
eine baumlose, nur für Schafzucht geeignete Hoch-
fläche. Der Kauptort P. am linken Ufer desOranje-
flusses hat 507 E.
Prießnitz, Vincenz, der Begründer der neuern
Kaltwasserkur (s. d.), geb. 5. Okt. 1799 zu Gräfen-
berg in Österreichisch-Schlesien als der Sohn eines
Landmanns, übernahm die Bewirtschaftung seines
väterlichen Gutes. Teils durch einen m der Nähe
wohnenden Mann, der oft kleinere Verwundungen
an sich und andern durch Anwendung von kaltem
Wasser heilte, teils durch den Erfolg dieses Verfah-
rens an sich selbst bei einer bedeutenden Verwun-
dung durch den Schlag eines Pferdes auf die Heil-
kraft des kalten Wassers aufmerksam gemacht, erteilte
P. sehr häufig den Bewohnern der Umgegend Rat-
schläge, wie sie alle Übel mit kaltem Wasser bekäm-
pfen sollten, und erlangte durch mehrere überraschend
glückliche Erfolge dieser Methode einen ziemlich be-
deutenden Ruf unter seinen Nachbarn. Nach und
nach bildete er sich eine Art System, wonach er die
bei ihm Rat Suchenden behandelte. P. starb 28. Nov.
1851. - Vgl. von Wendt, Vinc. P. und dessen Heil-
methode (Freiwaldau 1886).
Prießnitzscher Umschlag, s. Bähung.
Prießnitzthal, Kaltwasserheilanstalt bei Möd-
ling (s. d.).
Priester (grch. prEäd^tsi-oä; lat. 8g.c6i-äo8), im
allgemeinen Personen, die berufsmäßig die gottes-
dienstlichen Handlungen, namentlich auch die Opfer,
zu vollziehen haben und nach gewöhnlicher An-
schauung das Mittleramt zwischen Gottheit und
Menschheit verwalten. In den ältesten Zeiten war
das Familien- und Stammeshaupt zugleich mit
den priesterlichen Funktionen betraut. Später war
die priesterliche Würde mit dem Königtum verbun-
den. In Athen, Rom und anderwärts führte auch
nach der Einführung der republikanischen Verfas-
sung der oberste P. den königl. Titel (grch. krolion
da8ii6U8; lat. rsx ^croi-uiri). Dagegen scheint in
den despotischen Staaten des Morgenlandes das
Priestertum sich früh schon von der königl. Würde
getrennt zu haben, und neben der Macht der Fürsten
bildete sich hier ein bald durch Wahl und Beruf,
bald durch erbliche Geschlechtsfolge fortgepflanzter,
durch höhere Weisheit ausgezeichneter geschlossener
Priesterstand. So zeigten sich bei den Ägyptern,
Griechen und Römern die P. auch als Ratgeber
der Regierungen und übten auf das öffentliche
Leben tiefgreifenden Einfluß aus. Ihr ursprüng-
liches Geschäft war, aus geheimnisvollen Anzeichen
(Orakel, Vogelflug, Eingeweideschau u. s. w.) den
Willen der Götter zu erforschen, durch symbolische
Handlungen das Göttliche zur Anschauung der
Menschen zu bringen und den nationalen Kultus
(Opfer, Gebete, Prozessionen u. s. w.) zu leiten.
Wie anderwärts, so rührte auch bei den Hebräern
die religiöse Gesetzgebung, die sich zum großen Teil
mit den Opferritualen, den Festen, den Speise-
und Reinigkeitsvorschriften beschäftigte, von den P.
her und sicherte ihnen daher die religiöse und polit.
Leitung des Volks, bis dann die Schriftgelehrtcn
diese Führung übernahmen. Das jüd. Priestertum
hat sich erst spät zu einer eigenen Kaste entwickelt,
an deren Spitze ein Hoherpriester (s. d.) stand. (S.
Levi.) Zur Verwaltung des Tempeldienstes und
Opferkultus waren 24 Priesterklassen bestellt; jede
hatte einen Vorsteher und war stets eine Woche
lang im Dienst. Ihren Unterhalt bezogen sie von
Zehnten, Erstlingen und Opfern. Als Kleidung tru-
gen sie einen weißen Rock, buntgewirkten Gürtel,
Turban oder ein Kopfband von Byssus.
Nach der urchristl. Grundanschauung sollten alle
Gläubigen ein königl. Priestergeschlecht und Gottes
Eigentumsvolk bilden. Doch das von alttestament-
lichen Anschauungen erfüllte Bewußtsein der ältesten
Christen tonnte der Priesteridee selbst auf die Dauer
nicht entbehren. Seit Ende des 1. oder Anfang des
2. Jahrh, begann eine neue christl. Priesterschaft
oder ein eigener Klerus (s. d.) im Unterschied von
den Laien nach dem Vorbilde der alttestamentlichen
Ordnungen sich zu entwickeln. Namentlich trug
hierzu dle gesteigerte Vorstellung von den Sakra-
menten (s. d.) und besonders die Lehre vom Meß-
opfer (s. Messe) bei, die den Geistlichen wieder ganz
zu einem Mittler zwischen Gott und den Menschen
machte. Die Aufnahme in den Priesterstand ge-
schieht in der kath. Kirche durch das Sakrament der
Priesterweihe oder Ordination (s. d.). Die evang.
Kirche hat mit dem Meßopfer auch den Begriff eines
besondern Priesterstandes verworfen und die Idee
eines geistlichen Priestertums aller Christen im Zu-
sammenhange mit der Lehre von der einigen Mitt-
lerschaft Christi wieder hervorgezogen. Ihre Geist-
lichen sind daher Pfarrer und Prediger, aber keine P.
Priestercodex, s. Pentatcuch.
Priester Johannes, s. Johannes (der Pres-
byter), ^roglyphen..
Priesterschrift, hieratische Schrift, s. Hie-
Priesterseminare, Klerikalseminare, Bil-
dungsanstalten für künftige Geistliche der röm.-
kath. Kirche zum Ersatz des Universitätsstudiums
und zu besserer kirchlicher Disciplinierung des Kle-
rus. Das Tridentinische Konzil forderte in jeder
Diöcese die Einrichtung eines Priesterseminars zur
ausschließlichen Vorbildung der künftigen Kleriker
von Jugend an. Diese Forderung wurde in Deutsch-
land jahrhundertelang nicht erfüllt, vielmehr empfing
der künftige kath. Klerus seine Vorbildung meist
auf den Universitäten. Erst im 19. Jahrh, wurden
auch in Deutschland der tridentinischen Forderung
gemäß vielfach P. errichtet und dadurch die Uni-
versitäten für die Vorbildung des Klerus teils
ganz lahm gelegt, teils in die zweite Linie ge-
drängt. Über die von Staats wegen beanspruchte
Aufsicht gegenüber den P. entstanden vielfach schwere
Konflikte, indem die Kirche je.de derartige Aufsicht
grundsätzlich als der "Freiheit" der Kirche wider-
sprechend abwies, so insbesondere die im preuß.