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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Proportionalwahlsystem - Propyläen
Glied dem dritten gleich, so heißt die P. eine
stetige, z. B. 11-8-^8-5, oder 2:6-^6:18; das
doppelt stehende Glied heißt dann das arithmet. oder
geometr. Mittel aus den beiden andern. (S. Mittel.)
In jeder arithmetischen P. ist die Snmme der beiden
äußern Glieder, des ersten und vierten, gleich der
der beiden innern, des zweiten und dritten, in jeder
geometrischen aber das Produkt der äußern Glieder
gleich dem Produkt der beiden innern. Hiernach kann
ein unbekanntes Glied einer P. aus den übrigen
Gliedern gefunden werden. Von den P. macht man
bei der Negula de tri (s. d.) Anwendung.
Drei Größen a, d, x stehen in harmonischerP.,
erklärt sich daher, daß die Verhältnisse der Schwin-
gungszahlen dreier musikalischer Töne, deren Inter-
valle die Quarte, Quinte und Oktave sind, nämlich
3:4:6, eine solche P. liefern.
Proportionalwahlsystem, ein Wahlmodus,
der im Gegensatz zu dem Mehrheitswahlsystem,
wobei die Majorität in den einzelnen Wahlkreisen
entscheidet, und das z. V. auch für den Deutschen
Reichstag gilt, darin besteht, daß die Summe der
Mandate unter die Parteien nach dem Verhältnis
(der Proportion) der für sie im ganzen abgegebenen
Stimmen verteilt werden soll. Insofern durch die-
ses System auch den Minderheitsparteien, wenig-
stens den stärkern, eine gewisse Vertretung gesichert
wird, kann man es den sog. Systemen der Minori-
tätenvertretung zuzählen. Klar ist, daß zur Ver-
wirklichung des P. das ganze Land einen einheit-
lichen Wahlkörper bilden müßte, wenn auch zur Ver-
einfachung des Verfahrens Wahlkreise gebildet wer-
den können, in deren jedem mehrere Abgeordnete
gleichzeitig gewählt werden. Jedoch sind die Wahl-
kreise entsprechend groß zu gestalten, damit von der
Zahl der zu wählenden Abgeordneten jede größere
Partei einen verhältnismäßigen Anteil erlangen
kann. Im übrigen sind zur praktischen Verwirk-
lichung des Grundgedankens sehr verschiedene Ver-
fahren vorgeschlagen worden. Am meisten em-
pfohlen wird jetzt das sog. proportionale Listen-
system, wonach die Parteien vor der Wahl ihre offi-
ziellen Listen aufstellen. Die Abstimmung jedes
Wühlers wirkt doppelt: einerseits für eine Liste, an-
dererseits für einen bestimmten Abgeordneten. Nach
der Summe der für die einzelnen Listen abgegebe-
nen Stimmen wird verhältnismäßig berechnet, wie
viel Mandate auf jede Liste (Partei) entfallen; inner-
halb der Liste bestimmen sich die Gewählten nach der
Höhe der für ihre Person abgegebenen Stimmen.
Empfohlen wird das P. in erster Reihe als das
denkbar gerechteste bei Verteilung der Mandate.
Daneben wird eine Milderung des Wahlkampfes,
eine Beseitigung unnatürlicher Wahlbündnisse, ein
geringeres Schwanken der Majorität innerhalb der
Volksvertretung u. a. m. in Aussicht gestellt. Zu
Ungunsten der Proportionalwahlen wird nament-
lich auf das verwickelte Verfahren und das Zurück-
treten der örtlichen Interessen bei den Wahlen hin-
gewiesen. Die Theorie des P. geht wesentlich auf
das 1859 erschienene Werk des Engländers Thomas
Hare: "1^6 Emotion ok i-6pr686ntlitiv68" zurück. In
der praktischen Verwirklichung steht gegenwärtig die
Schweiz voran, wo eine Reihe von Kantonen es an-
genommen haben. In Deutschland hat das Erfurter
Programm der Socialdemokratie von 1891 das P.
aufgenommen. In neuester Zeit ist in Baden ein
parlamentarisches Votum für dasselbe abgegeben
worden (Verhandlungen der bad. Zweiten Kammer,
1893/94, 4. Veilagehcft, S. 403 fg.). - Vgl. Rosin,
Minoritätenvertretung und Proportionalwahlen
(Berl. 1892); Gageur, Reform des Wahlrechts im
Reich und in Baden (Freib. i. Br. und Lpz. 1893).
Proposition (lat.), Vorschlag, Antrag, Angebot.
Propositionen, Bedingungen eines Rennpro-
gramms; sie enthalten: den für das bezeichnete Ren-
nen festgesetzten Preis, die Einzahlung (Nutr^), das
Renaeld (^ockit), die Bestimmung des Gewichts
des Pferdes einschließlich des Reiters (^Vei^kt), die
Entfernung (viL^ncs) sowie Tag und Ort, an
dem für das Rennen zu unterzeichnen und das Pferd
zu nennen ist (OioäinF ok 8tÄ^68).
Proprätoren, s. Prokonsuln.
Propre (frz., spr. propr), eigen, eigentümlich;
reinlich; Propretät (frz. pi-opretß), Reinlichkeit.
Propregut, foviel wie Einhandsgut (s. d.).
Proprehandel, s. Eigenhandel.
?ropri2.2.ntoritä.to (lat.), aus eigener Macht.
?ropria. <5a.U8a. (lat.), in eigener Angelegenheit.
?ropri"l. M2.NN (lat.), eigenhändig.
Proprietär (frz.), Eigentümer; Proprietät,
Eigentum; Proprietätsrecht, Eigentumsrecht.
?roprio Nla.rts (lat.), aus eigener Kraft (ohne
fremde Hilfe).
?roprio inotu (lat.), aus eigenem Antriebe.
Propst (eigentlich dasselbe Wort wie Profoß
^f. d.^; kirchen!at.Z)ra6p03itu8, "Vorgesetzter"), in
den Klöstern frühzeitig Titel für einen aufsicht-
führenden Mönch, später bei mancken Orden für
den Klostervorstcher selbst; in den Kollegiat- und
Domkapiteln (s. d.) für den Inhaber einer der ersten
Dignitäten, dem gewöhlich die Verwaltung der zeit-
lichen Güter oblag. Im Mittelalter wurden häusig
auch die Archidiakonen ^i-aep^iti genannt, und
ebenso die über kleinere Sprengel gesetzten geist-
lichen Aufsichtsbeamten (Archipresbyter oder Land-
dekane). Von letztern ist der Titel in die evang.
Kirche übergegangen, wo er sich in manchen Gegen-
den für die Superintendenten (s. d.), manchmal auch
für die Pastoren der Hauptkirchen erhalten hat. -
Propstei oder Präpositur, Amtsbezirk oder
Amtshaus eines P. - über Feldpropst s. d.
Propstei, eine Gegend im Kreis Plön des preuß.
Neg.-Bez. Schleswig, östlich von der Kieler Föhrde,
an der Ostsee, gehörte früher dem Kloster Preetz
(s. d.). Die Bewohner, früher Wenden, die durch
Hess. Ansiedler indes ausgerottet wurden, haben
noch hier und da ihre alte Nationaltracht bewahrt.
Hauptort ist das Dorf Schönberq mit landwirt-
schaftlicher Lehranstalt. - Aus der P. stammt das
sog. Propsteier Saatgut, das sich durch ratio-
nelle Zucht und Auslese auszeichnet und auf allen
bessern Bodenarten sehr ertragreich ist, besonders
Weizen, Roggen, Gerste und Hafer.
Propulsion (lat.), das Forttreiben, Fortstoßen;
propulslv, forttreibend.
Propyl, in der Chemie Bezeichnung für den
einwertigen vom Propan sich ableitenden Rest (^H?.
Propyläen (grch., d. i. Vorhallen), bei den alten
Griechen die Thorhallen, welche den Eingang zu den
Tempclbezirken bildeten. Der älteste Grundriß, wie
er schon in Troja und Tiryns vorliegt, zeigt nach
vorn und hinten eine Halle und in der beide tren-
nenden Zwischenwand eine Durchgangsthür. Dieser
liegt auch den weitaus berühmtesten P. noch zu
Grunde, denen von Athen und Eleusis. Die