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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ranke (Friedr. Heinr.) - Ranke (Leopold von)
in dem Umkreis ihrer Bewegungen eine passende
Stütze zu suchen. Tritt eine solche hindernd für die
Nutation auf, so wird dadurch ein Drnck auf die
R. erzeugt und somit auch ein Reiz ausgeübt. Die
nunmehr entstehende Krümmung kann dann leicht
ein Umschlingen der Stütze ermöglichen. Vei einigen
Pflanzen, die an Mauern, Wänden, dicken Baum-
stämmen u. dgl. in die Höhe klettern, wird die Be-
festigung der R. auf etwas andere Weise erreicht; bei
derartigen Stützen würde ein Umschlingen mittels
Krümmungen nicht möglich sein, es kommt deshalb
bei solchen Pflanzen, wie z. B. beim wilden Wein,
infolge des Reizes zur Bildung eigentümlicher Ge-
webepolster an den Enden der einzelnen Ranken-
zweige, die sich fest an die Unterlage andrücken. Zu-
gleich tritt, wahrscheinlich durch Ausscheiden eines
Sekrets, eine Vcrkittung dieser Polster mit der Stütze
ein und wird dadurch gleichfalls eine wirksame Be-
festigung der kletternden Stengel erreicht. Da auch
in diesen Fällen außerdem noch in den zurückliegen-
den Partien der R. meist schraubenlinige Krümmun-
gen auftreten, so wird ebenso wie bei den andern
Kletterpstanzen der Stengel an die Stütze herange-
zogen. Ganz ähnlich wie die echten R. wirken bei
einigen Kletterpflanzen die Blattstiele; doch kommt
in diesen Füllen nur ein Befestigen mittels Krüm-
mungen zu stände. Derartige Blattstiele besitzen
z. V. viele Arten der Gattung (^Iemlrti8; sie sind auf
allen Seiten gleich reizbar, während die meisten R.
nur auf einer Seite Reizbarkeit besitzen. - Als N.
bezeichnet man im gewöhnlichen Leben häufig auch
die Ausläufer mancher Pflanzen, wie z. V. der Erd-
beerstöcke; doch haben derartige Organe mit den
eigentlichen R. gar nichts zu thun.
Ranke, Friedr. Heinr., prot. Kanzclredner,
Bruder von Leopold von N., geb. 30. Nov. 1798
zu Wiehe in Thüringen, war zuerst Prediger in
Rückersdorf bei Nürnberg, dann bayr. Dekan und
gräflich GiechscherKonsiftorialrat zuThurnau, wurde
1840 ord. Professor der Dogmatik zu Erlangen, 1841
Konsistorialrat bei dem prot. Konsistorium zu Bay-
reuth, 1842 in Ansbach und 1866 Oberkonsisio-
rialrat in München, wo er 4. Sept. 1876 starb.
R. schrieb "Untersuchungen über den Pentateuch"
(2 Bde., Erlangen 1834-40); aus seinem Nachlast
erschienen "Iugenderinnerungen" (Stuttg. 1876;
2. Aufl. 1886).
Karl Ferdinand R., ein dritter Bruder, geb.
26. Mai 1802, war zuerst Lehrer, später Direktor
des Gymnasiums zu Quedlinburg, ging 1837 in
gleicher Eigenschaft nach Göttingen und 1842 an
das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium nach Berlin,
wo er 30. März 1876 starb. Vorübergehend war
er in Göttingen auch Direktor eines pädagogischen
Seminars und Professor der alten Litteratur an
der Universität.
Friedrich Wilhelm R., ein vierter Bruder,
geb. 1804, war Negierungsrat in Vreslau und starb
17. Juni 1871 auf seiner Besitzung Silbersee bei
Teupitz. Er veröffentlichte: "T)ie Verirrungen der
christl. Kunst" <Bresl. 1855; 3. Aufl., Lpz. 1856)
und "Verirrungen der christl. Welt" (Lpz. 1857).
Ernst R., ein fünfter Bruder, prot. Theolog, geb.
10. Sept. 1814 zu Wiehe in Thüringen, studierte in
Leipzig, Berlin und Bonn, wurde 1840 Pfarrer zu
Vuchau in Franken, 1850 Professor in Marburg,
wo er, 1858 zum Konsistorialrat ernannt, 30. Juli
1883 starb. Er hat sich durch Herausgabe wichtiger
Fragmente der "Iwia" (2 Bde., Marb. 1856-58),
durch lat. Gedichte, besonders aber durch seine kri-
tisch-liturgischen Werke bekannt gemacht. Hierher
gehören "Das kirchliche Perikopensystem" (Berl.
1847), "Kritische Zusammenstellung der neuen
Perikopcnkreise" (ebd. 1850), "Der Fortbestand des
herkömmlichen Perikopenkreiscs" (Gotha 1859),
"Das Marburger Gesangbuch von 1549" (Marb.
1862); ferner veröffentlichte er: "3p6cim6n cocU-
ci8 ^ovi I68taui6nti ^ulä0ii8i8" (edd. 1860) und
"00ä6x.^u1ä"n8i8" (ebd. 1868). Zum 600. Jahres-
tage der Einweihung der Elisabcthtnche zu Mar-
burg gab er heraus "Chorgcsänge zum Preis der
heil. Elisabeth aus mittelalterlichen Antiphonarim"
(2 Hefte, Lpz. 1883 - 84). Als Dichter trat er auf
mit "Zuruf an das deutsche Volk" (Erlangen 1819),
"(^i-mina acaäßinica," (Marb. 1866), "Lieder aus
großer Zeit" (ebd. 1872; 2. Aufl. 1875), "IIoi^s
I^i-icaß" (Wien 1874), "Die Schlacht im Tcuto-
burger Wald" (Marb. 1875; 2. Aufl. 1876), "1Ui)t-
mica" (Wien 1881). Als Festgabe zum 90. Ge-
burtstag seines Bruders Leopold schrieb er: "Zur
Beurteilung Wielands. Ein kritischer Versuch"
(Marb. 1885).
Ranke, Johs., Physiolog und Anthropolog,
Sohn von Friedrich Heinrich R., geb. 23. Aug. 1836
zu Thurnau in Bayern, studierte in München, Ber-
lin und Paris, habilitierte sich 1861 in München
für Physiologie und wurde 1869 außeroro. und
1886 ord. Professor der Anthropologie daselbst und
damit der erste ord. Professor der Anthropologie in
Deutschland. Seine Hauptwerke sind: "Tetanus"
(Lpz. 1865; Bd. 2,1871), "Grundzüge der Phy-
siologie" (ebd. 1868; 4. Aufl. 1881), "Die Vlut-
verteilung und der Thätigkeitswechsel der Organe"
(ebd. 1871), "Die Ernährung des Menschen"
(Münch. 1876), "Das Blut" (ebd. 1878), "Beiträge
zur physischen Anthropologie der Bayern" (Bd. 1
u. 2, ebd. 1883 -92), "Der Mensch" (2. Aufl.,
2 Bde., Lpz. 1894). Auch ist N. Redacteur des
"Archiv für Anthropologie", der "Beiträge zur
Anthropologie und Urgeschichte Bayerns" und als
Generalsekretär der Deutschen Anthropologischen
Gesellschaft des "Korrespondcnzblattes" der letztcrn.
Seit 1889 ist er Konservator und Direktor der von
ihm durch Schenkung seiner Privatsammlung be-
gründeten Prähistorischen Sammlung des Bay-
rischen Staates in München.
Nanke, Leopold von, Geschichtschreiber, geb.
21. Dez. 1795 zu Wiehe in Thüringen als Sohn
eines Rechtsanwalts, erhielt seine Erziehung zu
Donndorf und Schulpforta und studierte dann
seit 1814 zu Leipzig neben Theologie besonders
Philologie. Nachdem er in Berlin die Prüsung be-
standen hatte, wirkte er seit 1818 am Gymnasium zu
Franksurt a. O., bis er infolge seiner ersten Schrif-
ten 1825 eine außcrord. Professur der Geschichte an
der Universität zu Berlin erhielt. Nach einer grö-
ßern Studienreise (1827-31) nahm er seine akade-
mische Thätigkeit wieder auf, die, nur zeitweilig
durch wissenschaftliche Reisen unterbrochen, von
seltenen Erfolgen begleitet war. Die von ihm seit
1833 geleiteten histor. Übungen bilden den Aus-
gangspunkt derNankeschen Schule (s. Geschichte,
Bd. 7, S. 893 d), der ein großer Teil der jüngern
deutschen Historiker angehört. Nach Gründung der
Münchener Historischen Kommission (1858) ernannte
ihn König Max von Bayern M deren Vorsitzendem.
1834 wurde R. ord. Professor an der Berliner Uni-
versität und 1841 Historiograph des preust. Staa-