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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ratscha - Rattazzi
Ratfcha, Landschaft und Kreis (russ. Racin8k^' >
u^e^ä) im nordöstl. Teil des russ. Gouvernements l
Kutais in Transkaukasien, am Oberlauf des Rion,
hat 2839,3 ^<m, 64151 E.; Weizen-, Mais-, Obst-,
Weinbau, Seiden- und Bienenzucht. Der Sitz der
Verwaltung ist in der Stadt Oni (Oniskalaki) mit !
600 (5., Post und Telegraph. ^239^).
Ratsche, Bohrratsche, s. Bohrer (Bd. 3, S.
Rätsel, die umschreibende Darstellung eines
nicht genannten Gegenstandes, um das Nachdenken
zum Erraten zu reizen. Es gehört mithin zu den
Spielen des Witzes oder Scharfsinns; es ist dann
vollkommen, wenn es durch die angeführten Eigen-
schaften den Gegenstand sicher bestimmt, ohne ihn
zu verraten. Unterarten sind Silbenrätsel (s. d.),
Arithmo- und Logogriph (s. d.); ein durch Bilder
und Zeichen dargestelltes R. ist der Rebus (s. d.),
verwandt damit der Rösselsprung (s. d.); öfters wer-
den als R. behandelt Anagramm (s. d.) und Palin-
drom (s. d.). Das N. hat seinen Ursprung im hohen
Altertum und zwar im Morgenlande. Die Indo-
germanen scheinen es als Mittel religiöser Katechese
im Kult verwendet zu haben. Bei den Griechen, die
csAnigma (daher äni gmatisch soviel wie rätsel-
haft) oder Griphos nannten, schloß es sich in
srühester Zeit an die gnomische Dichtung und die
Orakelsprüche an und war daher meist in Herametern
verfaßt; zu den ältesten dieser Art rechnet man das
R. der Sphinx. R. waren eine Hauptwürze des
Symposion. Die gricch. Dichter mischten gern rätsel-
artige Sinnsprüche ein und schufen in der Alcrandri-
nischen Zeit viele Nätselgedichte, wie sie Athenäus
mitteilt. Die Römer fanden am R. weniger Ge-
schmack, erst die spätere Kaiserzeit, die es dem
Mittelalter vererbte. Dagegen war es bei allen
german. Stämmen von ältester Zeit an beliebt;
insbesondere deuten die altnord. und die angelsächs.
Litteratur (vgl. Herzfeld, Die R. des Ereterbuchs,
Berl. 1890) auf eine große Fülle hin (vgl. Schlie-
ben, Ds antihua, (^ßrirmnorum p068i N6niFinatic3,
Berl. 1886). Die mittelhochdeutsche Dichtung bietet
als Belege unter anderm den Wettstreit im "Wart-
burgkrieg" (s. d.) und das Lied von Traugemund.
Das 14. und 15. Jahrh, bringt u. a. gelehrt alle-
gorische R. des Meistergesangs und die obscönen
Fastnachtsspiele vom Freihart. Vieles derart lebte
im Voltsmunde fort. In neuerer Zeit hat man,
wie anderwärts, durch die Poet. Form Nachdruck und
Reiz des R. zu steigern gesucht. Ausgezeichnet sind
die durch die "Turandot" veranlaßten R. Schillers,
der in künstlerisch-schöner Einkleidung die einzelnen
Merkmale zu einem anschaulichen Ganzen verband.
Mehr auf Spaß und Laune laufen die R. von
Hebel, Schleiermacher, Karl Schmidlin (1805-47),
Güll, G. Psizer, P. Möbius hinaus. Die erste
deutsche Sammlung erschien um 1505 in Straßburg
(neue Aufl. von Vutsch, Strahb. 1876); alte Volks-
rätsel enthält Simrocks "Deutsches Rätselbuch"
(3. Aufl., Franks. 1874; neue Ausg., Vaf. 1887);
zahlreiche, oft sehr geistvolle neulateinische R. sam-
melt z.B. Nic. Reusners "Änigmatographie" (Franks.
1602); unter den zahllosen neuern Sammlungen
sind hervorzuheben: I.Wolf, "4000 R., Logogriphen,
Charaden, Anagrammeund Hieroglyphen" (Freiburg
1819); Ohnesorge(n)s Rätselalmanach "Sphynx"
(6 Bde., Verl. 1830-35), W. N. Hoffmann, "Großer
deutscher Rätselschatz" (Stuttg. 1873); ders., "Wer
kann raten? Neuester Rätselschatz" (ebd. 1874);
Vötcker, "Neuester Rätselschatz" (Hamb. 1891). In
Frankreich war das R. in der klassischen Zeit sehr
beliebt: Voileau, I. B. Rousseau u. a. dichteten R.,
Abbe Cotin veröffentlichte eine Sammlung, ferner
Me'nestrier, "1^ pkilosopkie äsg iiu^68 eniFma-
tiyu68" (Par.1694). - Vgl. Stellwag, Allgemeine
Lehre vom R. (Jena 1740); Friedreich, Geschichte
des R. (Dresd. 1860); Hagen, Antike und mittel-
alterliche Rätselpoesie (Bern 1869; neue Ausg.
1877); Hayn, Die deutsche Rätscllitteratur, Ver-
such einer bibliogr. Übersicht (im "Centralblatt für
Bibliothekswesen", Bd. 7); Rätsel-Sport, Wochen-
schrist fürs gesamte Rätselwesen, hg. von Placht
(Lpz. 1884-85).
Ratskammer, nach der Österr. Strafprozeßord-
nung von 1873 (und vor Einführung der Reichs-
justizgefetze auch in Preußen und andern deutschen
Staaten) die Bezeichnung für eine mit drei Richtern
besetzte Abteilung der Gerichtshöfe erster Instanz,
der die Aufsicht über die von den Untersuchungs-
richtern und den Bezirksgerichten zu führenden Vor-
erhebungen und Voruntersuchungen zusteht. Im
allgemeinen ist die R. zuständig für alle gerichtlichen
Entscheidungen, die außerhalb der Hauptverhand-
lung, sei es auf Grund ausdrücklicher Gesetzesvor-
schrift (z. B. Übertragung der Voruntersuchung an
ein Bezirksgericht), sei es auf Beschwerde der Be-
teiligten, fei es wegen Bedenken des Untersuchungs-
richters oder Vorsitzenden über ihnen zustehende An-
ordnungen, zu treffen sind (§§. 10, 12, 64, 74, 92,
97, 108, 109, 113, 208, 225-227, 299, 352, 416,
425). (S. Voruntersuchung.)
Ratspensionär, s. Pensionär.
Rattazzi, Urbano, ital. Minister, geb. 29. Juni
1810 zu Alessandria, studierte die Rechte in Turin,
war dann hier und in Casale als Anwalt thätig und
vertrat seit 1848 Alessandria in der Kammer. In
dieser trat er für das Hilfegesuch der Lombardei ein,
übernahm 1848 in dem kurzen Kabinett Casati den
Unterricht, dann Ackerbau, Gewerbe und Handel,
unter dem Ministervorsitz Giobertis, mit dem ge-
meinsam er zur Erneuerung des Krieges gedrängt
batte, Justiz und Kultus und unter Chiodo das
Innere. Nachdem er Ende März 1849 zurückgetre-
ten war, stimmte er mit der Mehrheit gegen den
Frieden, trennte sich aber nach der Auflösung der
Kammer von der Linken und gründete in der neuen
Kammer das linke Centrum, dessen Führung er
übernahm. Bald darauf wurde er Vorsitzender der
Kammer und unterstützte nun Cavour, in dessen Ka-
binett er Okt. 1853 als Minister der Justiz und des
Kultus und dann auch des Innern eintrat. Müde
des Kampfes mit den Klerikalen, den er mit dem
Gesetz über die Orden 1855 begonnen hatte, und mit
Cavour wegen der Ausnahmemaßregeln gegen Ge-
nua und wegen des franz. Bündnisses uneins gewor-
den, trat er 1858 zurück, übernahm aber mit La Mar-
mora die Neubildung eines Kabinetts, als Cavour
nach dem Frieden von Villafranca sein Amt nieder-
gelegt. An der Spitze des Ministeriums des In-
nern, dann auch der Justiz und des Kultus leitete
er nun die Angliederung Mittelitaliens ein, hob die
Zollschranken auf, unterzog die piemont. Gesetz-
gebung einer schleunigen Anpassung, mußte aber
Jan. 1860 wieder Cavour weichen, nachdem er sich
entschieden gegen die Verlegung der Regierung von
Turin nach Florenz und die Abtretung von Nizza
und Savoyen erklärt hatte. Von der Attionspartei
getragen, übernahm er nach Ricasolis Sturz März
1862 den Ministervorsitz und das Innere, sowie vom