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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rohrsänger - Rojas-Zorrilla
8coliä68 txpicuä >3mM, s.Tafel: Insektenfresser,
Fig. 4) ist 33 cm lang, wovon 15 cm auf den
Schwanz und 2 cm auf den Rüssel kommen, von
rotgrauer Farbe und hüpft, seine aus Kerbtieren
bestehende Nahrung suchend, auf den Heisien, kahlen
Bergen Südafrikas berum.
Rohrsänger oder Sckilfsänger ((^alkmo
ksrpinac-), eine linterfamilie der echten bänger
ls. d.), deren etwa 100 Arten auf die Alte Welt
beschränkt sind. Sie haben einen keilförmigen
Schwanz, lange Nägel und ein graulick-braunes
bis grünliches Gefieder. Es sind geschickte Kletterer,
die im Schilf wohnen, sich von Insekten nädren,
kunstreiche Nester bauen und ost sebr eigentümliche,
die Stimmen anderer Tiere, Frösche, Grillen u. s. w.
nachahmende Gesänge haben. In den kältern Gegen-
den sind es Zugvögel. Die häufigste Art in Teutsck-
land ist der Teichrohrsänger ((^lainoliei-^o
arunäinacsa^cM.), ein etwa 14cm langerZugvogel,
der im April kommt und im September geht. Wert
als Swbenvogel (Spötter) bat nur der Sumpfrobr-
sänger ((^lrmolic-i-^c- Miu8ti-i3 Zse/ist.). Pflege
wie bei der Nachtigall ls. d.). Preis 4-10 M.
Rohrschwingel, Grasart, s. ^e-zwca.
Rohrsee, s. Kochelsee.
Rohrsperling, Rohrspatz, die Robrammer
ls. d.), gelegentlich werden auch mehrere Arten der
Rohrsänger (s. d.) so genannt.
Rohrventil (Doppelsitz-Rohrventil), s.
Dampfmaschine (Bd. 4, S. 741).
Rohrweih, s. Schilfweih.
Rohrwerk, s. Schnarrwerk.
Rohrzucker, der aus Zuckerrohr dargestellte
Zucker, s. Kolonialzucker.
Rohschmelzendes Kup fers, s.Kupfer(Bd.10,
Rohfpiritus, s. Alkobol. i^S. 812d>.
Rohstein, s. Kupfer (Bd. 10, S. 812 d).
Rohstoffe, Rohmaterialien, diejenigen
Naturprodukte, die vom Menschen durch Prozesse
der mechan. oder chem. Technologie zu Gebrauchs'
gegenständen (Fabrikaten, K u n st p r o d u k t e n)
umgewandelt werden. So ist das Eisenerz das Rob-
material für die Eisenbahnschienen, die Cocons des
Seidenspinners dasjenige sür seidene Gewebe, das
Getreide der Rohstoff für das Vier u. s. w. Zwischen
den N. und den Ganzfabrikaten stehen oft noch die
Halbfabrikate (s. d.).
Rohstoffgenossenfchaften, s. Rohstoffvereine.
Rohstoffsteuer, eine Verbrauchssteuer, insofern
sie von dem Material erhoben wird, aus dem die
Verbrauchsgegcnstande hergestellt werden, z. V.
von den Rüben bei der Zuckcrsteuer, von dem Malz
bei der Biersteuer. Im allgemeinen ist diese Ve-
steuerungsform wenig zu empfehlen, weil bei ibr
die gleiche Menge des fertigen Produkts oft sebr
ungleich belastet wird. Dadurch wird auch eine
richtige Rückvergütung der Steuer bei der Ausfudr
der Fabrikate unmöglich geinacht und es entsteden
zu Gunsten gewisser Produzenten eigentliche Aus-
fuhrprämien (s. d.).
Rohstoffvereine, Rob st offgenoss enschaf-
ten, Erwerbs- und Wirtschaftsgenossensckaften
^s.d.), die den gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen
und Materialien für den Geschäftsbetrieb ihrer Mit-
glieder besorgen. Kleinere Meister u. s. w. erbalten
durch sie den Vorteil des Engrosbezugs, gleichwie
sich auch die höhere Kreditfähigkeit der Genossen-
schaft beim Einkaufe günstig geltend macht. Die R.
finden heutzutage sowobl bei Gcwerbtreibenden wie
auch bei der Landwirtschaft Anwendung. Im Mai
1894 bestanden im Deutschen Reiche 59 industrielle
und 1071 landwirtschaftliche R.
Rohtang, Pas; im Himalaja, im Kangradistrikt
! Pandsckab), zwischen Koksar in Lahol und Paltschan
in Kulu, mit einer Pahhöhe von 3962 in, die Haupt-
verkehrsstraße zwischen Eultaupur und Kangra im
Pandschab und Leb (s. d.) in Ladach und Iarkand
in Cbincsisch-Turkestan. Bis Ende Dezember ist der
R. offen. Auf der Höhe entspringt der Biaß.
^ Rohwand, bergmännischer Name für die kör-
nig-derben Massen des Ankerits (s. d.).
Noi (frz., sftr. röä), König.
Roisdorf, Dorf im Landkreis Bonn des preuß.
Reg.-Bez. Köln, 2 Km vom Rhein, an der Linie Ko'ln-
Bingerbrück der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890)
1175 E., darunter 46 Evangelische, Post, Telegraph,
katb. Kirche (1876), mehrere Villen; Militäreffekten-
! und Glanzledcrfabrikation, Gerberei, Mineralmahl-
! werk, Obst- und Gemüsebau und eine Natronquelle.
^ Rojas lspr. rochas), Fernando de, span. Dichter,
einer der Schöpfer des span. Nationaldramas, geb.
! zu Montalban bei Toledo, dichtete auf der Nniver-
! sität Salamanca als Vaccalaureus der Rechts-
l Wissenschaften 15 Akte der Tragikomödie "^eieätina"
! i2-14 und 20-21 der heutigen Fassung) und gab
! dieselben mit samt dem ersten Akt 1499 zu Burgos
anonvm als "(^1i8w v ^leiidsa, ^omsäiw) heraus.
! Der Titel "^eleätina" ward erst 1595 durch die
! Antwerpener Ausgabe sanktioniert. Das geniale
Werk, kein eigentliches Bühnenstück und zur Auf-
führung weder bestimmt noch geeignet, erweckte
kraft des dramat. Lebens, welches darin pulsiert,
und kraft der meisterhaften Entwicklung der Charak-
^ tere großes Aufsehen. In der zweiten Ausgabe
lSalamanca 1500) fügte R. fünf neue Akte hinzu
! (15 - 19). Nach R.' Angabe hätte Rodrigo Cota
^ oder Juan de Mena als Verfasser des ersten Akts
! gegolten; von Mena ist indessen sicher abzusehen,
' und vielleicht hat N. selbst das Ganze geschrieben.
! Die "Oi63twii" gab in ihrer eigentümlichen Mi-
! schung von Idealismus und Realismus, von Tragik
! und Komik, dem span. Drama eine breite, volkstüm-
liche Basis. Bis zum Erscheinen des "Don Quirote"
war sie das gelcscnste und einflußreichste span. Buch,
l das wie der Roman des Cervantes und der Ama-
dis eine ganze Litteratur von Fortsetzungen, Über-
! arbcitungen, Nachahmungen und Übersetzungen er-
z zeugt bat. Eine der neuesten Ausgaben findet sich
! in der "Nidlioteca. äe ^ntorsZ 68paii0i63", Bd. 3
! (1846). Eine gute deutsche Übersetzung besorgte
! E. von Bülow (Lpz. 1843).
! Rojas-Zorrilla (spr. rochas Zorrillja), Fran-
z cisco de, span. Dramatiker, geb. 4. Okt. 1607 zu To-
' ledo, lebte in Madrid und war Ritter des Ordens von
Santiago. Sein Todesjahr ist nicht bekannt. R.s
! berühmteste Stücke sind: "I)6i Ile^ ad^o ninMno
"Douäe liiiv a^i 5l.vi03 110 kk"^ 26I08", "Nntre dodoä
<1U6 80N IQU^oi'63", "Don D16Z0 äs N0cii6". 24
seiner Dramen erschienen in zwei Quartbänden
<Madr. 1640, 1645 u. 1680); 30 gab Mesonero
Romano heraus, im 54. Band der "Lidlioteca äs
aut0i-e3 63i)ali0l63" (1861). R.s tragische Dichtun-
gen sind großenteils durch Ungeheuerlichkeiten und
überladene Sprache verunstaltet, bei großer dramat.
Kraft. Die Lustspiele sind frei von jenen Fehlern
und gehören zum Teil unter die besteil der alten