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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Roller - Rollmarder
Poet. Lehrbuch der Politik, als humoristische Kontra-
faktur des wirklichen Lebens den größten Erfolg (neu
hg. von Goedeke, 2 Tle., Lpz. 1876). Unbedeutend
sind R.s "Zinkender Bot" (1589) und "Der Post-
reuter" (1590), Neimderichte über die Ereignisse des
verflossenen Jahres.
Auch Gabriel R., ein Sohn Georg R.s, der,
22. März 1583 in Magdeburg geboren, um 1619
als Protonotar des prot. Domkapitels seiner Vater-
stadt starb, hat sich als Schriftsteller hervorgethan.
Sein Erstlingswerk "Vier Bücher Indianischer
Neysen" (Magdeb. 1603 u. ö.) übersetzt allerlei an-
tike Reisemärchen, z. B. Lucians "Wahre Geschichte",
in gute Prosa. Seine neulat. Gedichte ("^nvLnilia",
1606, MucieuZ emdiOmatum" Zu Kupfern Passes,
1610, u. a.) wurden wenig beachtet, um so mehr
seine Komödie "^mantes NmentsL; Ein sehr an-
mutiges Spiel von der blinden Liebe oder von der
Lesseley" durch Angelium Lohrbere Liga (Anagramm
von Gabriel N.; 3/iagdeb. 1609 u. ö.). Dem Lustspiel
liegt zu Grunde des Äneas Sylvius Novelle "Euria-
lus und Lucretia"; doch ist sie sehr frei, schon in der
Technik der engl. Komödianten bearbeitet und durch
derbe Liebesscenen in altmärk. Mundart bereichert.
- Vgl. Gädertz, Gabriel R. (Lpz. 1881).
Roller, merkwürdige Wellenbewegung an den
Inselndes SüdatlantischenOceans und den Antillen;
an der Westküste Afrikas als Kalema ((^lem^) be-
kannt. Sie erscheinen als hohe Wellenzüge, welche,
auf die Küste zulaufend, eine hohe Brandung er-
regen und der Schiffahrt gefährlich werden. Be-
sonders berüchtigt smd die R. von St. Helena und
Asccnsion'. 25jährige Beobachtungen auf St. Helena
baben ergeben, daß die N. im Südsommcr (Dezem-
ber bis Februar) vorherrschend aus Nordwcsten, im
Südwinter (Juni bis August) dagegen meist aus
Südwesten am stärksten sind. Ähnliches hat Pe-
chuel-Loesche an der Loangoküste beobachtet. Man
hat darin eine Fernwirkung der Stürme erkennen
wollen, die zu ersterer Zeit im Nordatlantischen,
zu letzterer im Südatlantischen Ocean häufig sind,
was nock dadurch bestätigt wird, daß in den äqua-
torialen Teilen des Atlantischen Oceans ganz über-
einstimmend von Dezember bis Februar eine schwere
nordwestl. Dünung, zur Zeit des Südwinters da-
gegen eine solche aus Südwest vorkommt.
Roller (Harzer Hohlroller), s. Canarienvogel.
Roller, Rehposten, grober Schrot (s. d.).
Roller, s. Schleichkatzen. lssraphie).
Roller, Christian Heinrich, Stenograph (s. Stcno-
Rollett, Herm., deutsch-österr. Dichter und Kunst-
schriftsteller, geb. 20. Aug. 1819 zu Baden bei Wien,
studierte von 1838 bis 1844 in Wien Philosophie
und Naturwissenschaften. 1842 erschien seine erste
Gedichtsammlung "Liederkränze" (Wien), 1845 ging
er nach Norddeutschland und gab seine inzwischen
entstandenen freiheitlichen Gedichte u. d. T. "Früb-
lingsbotcn aus Osterreich" (Jena 1845) heraus, die
R.s Namen w Dev^chlcmd weit verbreiteten, ihm
aber die Rückkehr nach Österreich verschlossen. Im
nächsten Jahre erschien sein "Wanderbuch eines
Wiener Poeten" (Franks. 1846), hierauf "Frische
Lieder" (Mm 1847), das bürgerliche Trauerspiel
"Eine Schwester" und "Ein Waldmärchen aus
unserer Zeit" (Lpz. 1847). Die Bewegung von 1848
feierte R. in feinen "Kampfliedern" (Lpz. 1848)
u. s. w. und muhte dann ein Wanderleben in
Deutfchland und der Schweiz führen, während-
dessen seine dramat. Dichtungen "Die Ralunken",
"Tbomas Münzer" und "Flamingo" (ebd. 1851)
erschienen. In der Schweiz dichtete er die Erzäh-
lung "Iucunde" (Lpz. 1853) und ließ seine "Helden-
bilder und Sagen" (St. Gallen 1854) erscheinen.
Bald darauf ward ihm die Rückkebr in die Heimat
möglich, worauf er sich in seinem Geburtsorte viel-
fach in öffentlichen Stellungen bethätigte. Von
ihm erschienen noch "Gedichte. Auswahl" (Lpz.
1865), der Ghaselcncyklus "Offenbarungen" (Wien
1869; 2. Aufl. 1870), "Deklamationsgedichte"
(Baden bei Wien 1871), "Erzählende Dichtungen"
(Lpz. 1872) und "Märchengeschichten aus dem Leben"
(Wien und Lpz. 1894). Auf dem Gebiete der Kunst-
geschichte veröffentlichte er: "Die drei Meister der
Gemmoglyptik, Antonio, Giovanni und Luigi Pich-
ler" (Wien 1874), die Abteilung "Glyptik" in Buchers
"Geschichte der technischen Künste" (Stuttg. 1875),
das Werk "Die Goethe-Bildnisse" (Wien 1881-83),
"Beiträge zur Chronik der Stadt Baden bei Wien"
(7 Tle., Baden 1880-94) u. a. - Vgl. Katscher,
H. R.s Leben und Werke (Festschrift der Stadt
Baden zu feinem 75. Geburtstage, Wien 1894).
Rollgelenke, s. Gelenk.
Nollin (spr.-läng), Charles, franz. Historiker,
geb. 30. Jan. 1661 zu Paris, studierte Theologie,
erhielt 1683 eine Professur am (^olleFs äu. I>i688i8,
wurde 1688 Professor der Beredsamkeit am (^oiie^
äs Trance, war von 1694 bis 1696 Rektor der Uni-
versität und entfaltete als Vorsteher des 0oN^6 äs
L6ÄnvlU3 seit 1699 eine erfolgreiche Thätigkeit. In
die Untersuchungen gegen die Iansenisten verflochten,
trat er 1712 von seinem Amte zurück, bis er 1720
wieder Rektor der Universität wurde. Er starb
14. Sept. 1741. Von seinen, sämtlich für die
Jugend berechneten histor. Werken sind die bedeu-
tendsten: "Iraits ä63 6wäo8" (4 Bde., Par. 1726
-31), "Hiätoii-6 Äncienns" (12 Bde., ebd. 1730
-38 u. ö.). Die "llistoii-e romkine" (9 Bde., ebd.
1738), die nnr bis auf die Schlacht bei Actium geht
und weniger vorzüglich erscheint, wurde von seinem
Schüler Cre^vier als "Hiätoirs ä68 sinpersurg ro
MH1N8 ^NLHN'Ü. OoiiätHntin" (6 Bde., Par. 1750
-56; 12 Bde., 1763 fg. u. ö.) fortgesetzt. N.s ge-
sammelte Werke wurden von Guizot (30 Bde., Par.
1820-29, mit Atlas) und von Letronne (30 Bde.,
ebd. 1821 fg.) herausgegeben.
Rollkalander, foviel wie Mange (f. Appretur,
Bd. 1, S. 763d).
Rollkafsette, s. Photographie (S. 118a).
Rollkorb, s. Wälzkorb.
Rollkurven, Kurven, die von den Punkten einer
Kurve beschrieben werden, die auf einer andern Kurve
ohne zu gleiten rollt. Hierbei berühren sich die beiden
betreffenden Kurven stets in einem Punkte, d. h. sie
haben in einem Punkte die Tangente gemein. Die
einfachsten R. werden durch Bewegung eines Kreises
beschrieben, wobei man diesen entweder auf einer
Geraden oder aus einem andern Kreise rollen läht
und den beschreibenden Punkt entweder auf der
Peripberie selbst oder mit dieser fest verbunden an-
nimmt (s. Cylloide). Durch Abwälzen einer Ge-
raden auf einem Kreis entsteht die Kreisevolvente
(>. d.). Auch sind mannigfaltige andere Fälle unter-
sucht worden: wenn z. B. eine Parabel auf einer
Geraden rollt, fo beschreibt der Brennpunkt der R.
eine Kettcnlinie (s. d.). (S. auch Tafel: Kurven II,
Nollladen, f.' Jalousie. >Zig. 4-6.)
Rollloch, soviel wie Rollschacht (s. d.).
Rollmarder, s. Schleichkatzen.
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