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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sachsen, Königreich (Unterrichts-, Bildungs-, Kirchen-, Gesundheitswesen)
Wertbetrag von 1271007460 (1388578428) M., 1724060 (1322802) Postnachnahmesendungen mit 19543316 (13643956) M., 733733 (5508243) Postaufträge und 7647256 (9310624) Postanweisungen mit einer Gesamtsumme von 449865440 (573748297) M. Die Zahl der aufgegebenen (angekommenen) Telegramme belief sich aus 1891584 (2033274), die Summe der Portogebühren betrug 21855895, der Telegraphengebühren 3229902 M. Das Telegraphennetz hatte 5190 km Linien mit 19832 km Drähten; 60 Ortschaften besaßen Fernsprecheinrichtungen mit zusammen 17186 km Leitungslänge und 10698 Sprechstellen.
Unterrichts- und Bildungswesen. Die Zahl der öffentlichen Volksschulen betrug (2. Dez. 1889) 2205, darunter 40 katholische; dabei sind die 18 Seminarübungsschulen und die Schulen für linder sächs. Beamten zu Bodenbach und Voitersreuth eingerechnet. Hierzu kommen noch 1934 öffentliche Fortbildungsschulen, darunter 16 für Mädchen. 61 Volksschulen hatten sprachlich gemischte, 1 rein wend. Schüler. Die Zahl der konzessionierten Privat- und Stiftungsschulen betrug, einschließlich der 13 privaten Fortbildungsschulen für Knaben, 90. Ferner bestanden 2 staatliche höhere Mädchenschulen, 7 höhere Privatschulen für Knaben und 1 für Mädchen, 17 Lehrerseminare, darunter 1 katholisches, und 2 Lehrerinnenseminare, 2 Taubstummenanstalten, 4 Blindenschulen, darunter die Landesblindenanstalt zu Dresden mit Außenabteilungen zu Königswartha und Moritzburg, 1 Landes-Idiotenanstalt zu Großhennersdorf, 1 Landesanstalt zu Rossen für schwachsinnige Mädchen, 1 Schule für epileptische Kinder in der Irrensiechenanstalt zu Hochweitzschen und 1 Landesanstalt für sittlich gefährdete Kinder zu Bräunsdorf bei Freiberg.
Über die höhern Schulen und die Universität s. Deutschland und Deutsches Reich (Bd. 5, S. 156 u. 157). Außerdem sind zu nennen die Bergakademie zu Freiberg, die Forstakademie zu Tharandt, die technische und tierärztliche sowie die Hochschule für Musik in Dresden (s. d.), das Landwirtschaftliche Institut der Universität Leipzig, die Technischen Staatslehranstalten zu Chemnitz (s. d.), das königl. Stenographische Institut in Dresden, das Konservatorium für Musik, die Buchhändlerlehranstalt in Leipzig, die Akademie der bildenden Künste zu Dresden, die Kunstakademie und Kunstgewerbeschule zu Leipzig, die Kunstgewerbeschule nebst Vorschule, verbunden mit Zeichenlehrerkursus; ferner giebt es 5 Baugewerkenschulen, 2 Bergschulen, 3 Fachschulen für Spielwarenindustrie, 1 königl. Industrieschule in Planen, 1 Technikum in Mittweida, 6 Schifferschulen, 3 Heizerschulen und 7 Heizerkurse, 28 Spitzenklöppelschulen, 1 Gewerbezeichenschule, zugleich Fachschule für Spitzenmusterzeichner und -Stecher zu Schneeberg, 1 städtische Gewerbeschule zu Leipzig, 138 höhere gewerbliche Schulen, gewerbliche Fach- und Zeichenschulen, gewerbliche Lehranstalten für Frauen, Mädchen und Kinder, 9 landwirtschaftliche und Gartenbau- und 40 Handelsschulen. Als weitere Bildungsanstalten reihen sich an die Turnlehrerbildungsanstalt und die Gehe-Stiftung (s. d.) zu Dresden. Für den Militärdienst bestehen ein Kadettenkorps zu Dresden, eine Unteroffizierschule zu Marienberg und eine Soldatenknaben-Erziehungsanstalt zu Kleinstruppen.
Den Schulen reihen sich an die Bibliotheken und Sammlungen. Die bedeutendste Bibliothek ist die königl. Bibliothek zu Dresden (s. d.); ferner die Universitäts- und die Stadtbibliothek zu Leipzig, die Bibliotheken der Technischen Hochschule, des königl. statistischen Bureaus und die Staats- und volkswirtschaftliche Bibliothek der Gehe-Stiftung (s. d.) zu Dresden, die Stadtbibliothek zu Zwickau u. a. Hervorragend sind die Sammlungen zu Dresden, ferner das städtische und Kunstgewerbe- sowie das Buchgewerbemuseum zu Leipzig u. a. Zahlreiche wissenschaftliche Vereine bestehen in den größern Städten. Die 498 (Ende März 1885) landwirtschaftlichen Vereine für einzelne Gegenden und Kulturzweige sind zu 5 Kreisvereinen vereinigt, an deren Spitze der Landeskulturrat zu Dresden mit 32 Mitgliedern steht. Unter den 498 Vereinen sind 16 für Bienenzucht, 8 für Obst- und Gartenbau, 5 für Geflügelzucht, 4 tierärztliche Vereine, 1 ökonomische Gesellschaft für das Königreich S., 1 für Viehzucht, 1 für Forstwirtschaft.
Kirchenwesen. Nach der Verfassung vom 4. Sept. 1831 übt der König die Staatsgewalt (jus circa sacra), die Aussicht und das Schutzrecht über die Kirchen aus; die Oberaufsicht über die geistlichen Behörden aller Konfessionen hat das Kultusministerium. Die Anordnungen in den innern kirchlichen Angelegenheiten sind den einzelnen Konfessionen überlassen. Die landesherrliche Kirchengewalt über die evang. Kirche üben, solange der König einer andern Konfession angehört, die in Evangelicis beauftragten Staatsminister. Dieselben berufen spätestens aller fünf Jahre eine Synode ein. Zur Führung des Kirchenregiments besteht nach dem Gesetz vom 15. April 1873 ein Landeskonsistorium in Dresden; die Konsistorialgeschäfte der luth. Kirche in der Oberlausitz liegen der Kreishauptmannschaft Bautzen ob; für die reform. Kirche bestehen Konsistorien zu Dresden und Leipzig. Die oberste geistliche Behörde der röm.-kath. Kirche ist das apostolische Vikariat mit dem Bischof und apostolischen Vikar an der spitze; unter ihm steht das kath. Konsistorium. Griech. Kirchen mit regelmäßigem Gottesdienst bestehen zu Leipzig und (seit 1874) Dresden. Der israel. Kultus ist nach dem Gesetz vom 20. Dez. 1834 dem Kultusministerium mit unterstellt.
Gesundheitswesen und öffentliche Anstalten. Im Jahre 1894 waren 1560 approbierte Ärzte sowie 1810 Hebammen und 288 konzessionierte Apotheken vorhanden. In den 103 allgemeinen Krankenhäusern wurden (1893) 44464 Kranke zusammen 1346142 Tage verpflegt; 3 Krankenhäuser haben 500 und mehr Betten (zusammen 2827 Betten), 12 Anstalten haben 10 und weniger (zusammen 83 Betten). 1882 widmeten sich überhaupt 5136 Personen hauptberuflich und 288 nebenberuflich der Gesundheits- und Krankenpflege.
An Anstalten zur Pflege und Besserung bestehen ferner die Landesanstalten zu Hubertusburg (s. d.) nebst der Meierei Reckwitz, die Irrenheilanstalt zu Sonnenstein, Irrenversorganstalt zu Colditz nebst der Meierei Zschadraß, Irrensiechenanstalt zu Hochweitzschen, die Anstalten zu Waldheim (Zuchtbaus für Männer, Irrenstation, Korrektionsanstalt für Weiber), die Strafanstalt für männliche Sträflinge zu Zwickau nebst Hilfsstrafanstalt zu Nossen, die Landesanstalten zu Sachsenburg (Straf- und Korrektionsanstalt für männliche Jugendliche), das Zuchthaus für Weiber zu Hoheneck, die Strafanstalt für weibliche Sträflinge zu Voigtsberg, die Strafanstalt sür weibliche Jugendliche und die