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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sagittaria - Sagunt
über den Wasserspiegel hervorragenden Blättern,
die sich zur Verzierung von Wasserbassins und
Teichen eignet. Ihre mit einem dreiblätterigen Kelch
und einer weißen, dreiblätterigen Vlumenkrone ver-
sehenen Blüten bilden eine traubige Rispe an der
Spitze eines langen, blattlosen Stengels. Die Vlät- !
ter waren früher offizinell. ^taria.
Sagittaria, ital. Gemeinde, s. Concordia <^agit-
3a.Fitt2.rii (lat.), Bogenschützen (s. d.).
8a.3itta.i-iU8, Sternbild, s. Sckütze.
Sagittarius, Tondichter, s. Schütz, Heinr.
IHZMätus (lat.), pfeilförmig.
Sago (in der Papuasprache soviel wie Brot), ^
ein Stärkemehlpräparat, aus dem Mark des Stam-
mes der Sagopalmen (s. Nsti-oxvion) und in zwei-
ter Linie auch aus andern Bäumen, wie ^rsn^a (s. d.),
ZorHZZUZ (s. d.), ^ca.8 (s. d.) u. a. dargestellt. Eine
Palme von 15 I. Alter vermag bis 6001<F ^. mit
12 Proz. Wassergehalt zu liefern. Der S. muß ge-
sammelt werden, bevor die Palme blüht, denn
nach derVlüteucntwicklung ist das Mark vertrocknet.
Die Blätter fallen dann ab und die Palme gebt ein.
Die Kenntnis des S. verdankt man Marco Polo,
der die ersten Proben desselben nach Venedig brachte.
Zur Gewinnung des S. werden die Stämme gefällt
und gespalten, worauf man das Mark berausschabt,
zerstößt oder zerreiht, mit Wasser anrührt, den Brei
durch Tücher seiht und die Flüssigkeit einige Zeit
stehen läßt. Das hierbei sich absetzende Mehl wird
an der Luft getrocknet und kommt als Sagomchl
in den Handel, um zum Vrotbacken u. s. w. ver-
wendet zu werden. Vielfach aber wird dasselbe
raffiniert, d. h. in Perlsago verwandelt. Die
Vereitung des Pcrlsago,welche eine chines. Erfindung
sein soll, wird hauptsächlich in Singapur betrieben,
wohin von Sumatra und Vorneo aus große Massen
von S. in Form von Hüten von 5 bis 10 KZ Ge-
wicht gebracht werden. Das chinef. Raffinierungs-
verfahren ist folgendes: Der Rohfago wird klein ge-
schlagen, in Wasser gerührt, durch Tücher geseiht
und dann an der Sonne getrocknet. Der getrocknete,
wieder klcingeschlagene S. wird dann durch ein Sieb
geschickt, desfen Fäden aus Fasern der Kokosnuß-
blütter bestehen. Der durchgesiebte S. wird dann
auf einem Rütteltuch hin und her bewegt, fo daß er
sich zusammenperlt. Die Perlen kommen dann wie-
der auf ein Sieb; was durchfüllt, wird von neuem
gerüttelt: was im Sieb bleibt, kommt auf ein drit-
tes Sieb, desfen Boden aus Vambusspäncn be-
steht; was bei diesem Sieb durch die viereckigen
Maschen fällt, bildet den fertigen Perlfago. Um
denselben exportfähig, d. h. härter zu machen, wird
er noch in eisernen Pfannen zweimal geröstet, wo-
durch er auch durchscheinend wird. Der raffinierte
S. kommt von Singapur jährlich bis zu 100000
Doppelcentner, meisi in Kisten, welche 10-15Pikul
zu 2^2 bis 3 Doll. Wert enthalten, in den Handel.
Man unterscheidet grosikörnigen und kleinkör-
nigen S. (letzterer zuweilen nur von Mohnkorn-
größe), ferner weihen, gelben und braunen S.
(letztere beiden Sorten ihre Färbung einem weiter
vorgeschrittenen Röstprozcß verdankend). In Eng-
land und Frankreich kommt auch ein grauer und ein
roter (^., von den Molukken, ein gelblicher von Su-
matra, ein ziegelroter von Neuguinea, ein gelblich-
weißer von den Malediven, ein reinweißer (Sago-
b lu me) von Java in den Handel. Ein dem S. ver-
wandtes Präparat ist Tapioca (s. Manihot) und
Portlandsago, d.i. ein englisches, aus ^rum
inÄcuIkwm 1^. hergestelltes Fabrikat. Deutschlands
Einfuhr an S. betrug 1894: 25 652 Doppelcentner
im Werte von 654000 M.
Ter wohlfeile künstliche S., auch deutscher
oder Kartoffelsago genannt, wird aus den rein-
sten Sorten der Kartoffelstärke bereitet, indem man
dieselbe in feuchtem Zustand durch Siebe von 3 bis
4 min Maschenweile reibt, die so erhaltenen Körner
in rollenden Fässern abrundet, absiebt, in einer Art
Ofen auf 70-80° C. erhitzt und durch Einleiten
von Dampf vcrglafen läßt, worauf man sie aus
dem Ofen nimmt, erkalten läßt, durch Reiben von-
einander trennt und bei möglichst niedriger Tem-
peratur trocknet. Diese Fabrikation, welche in
Deutschland schwunghaft betrieben wird, wnrde zur
Zeit der Kontinentalsperre von Sattler in Schwein-
fnrt eingeführt. Als die beste Sorte dieses S. wird
die Neuwieder Ware geschützt, doch liefern auch
Magdeburg, Halle, Schweinfurt u. a. gute Quali-
täten. In franz. Fabriken bedient man sich zur Er-
zeugung des Kartoffelfagos besonderer Maschinen,
mittels deren man das angefeuchtete Stärkemehl
durck gelochte Platten hindurchprcßt und so zu Fä-
den formt, von welchen beständig der gewünschten
Korngröfte entsprechende Stückchen abgestoßen wer-
den. Die Körner des unechten S. sind regelmäßiger
als die des echten, ostindischen oder Palmen-
sago s. Je nach dem Grad der zum Rösten angewen-
deten Hitze erhält man auch hierbei weißen oder
gelben S., wovon der erstere am meisten geschätzt
ist; der rotc Kartofselsago ist mit gebranntem Zucker
oder mit Volus gefärbt. ^veränderte Milz.
Sagomilz, die durch Amyloidcntartung (s. d.)
Sagopalmen, s. ^loti-ox^ion.
Sagradarinde und Sagradatvein, Purgier
mittel, s. (^LcarÄ LÄFraäa, und Nnaninuä.
Sagres, portug. Stadt, s. Saint Vincent.
Saguache-Mountains, s. Sawatch Range.
Sagüa la grande, Stadt auf der Insel Cuba,
an der Nordseite nahe dem Meere gelegen und mit
dem Hafen Concha durch Eifenbahn verbunden, hat
(188?) 18330 E. und Zuckerausfuhr.
Sagüeerzucker, Palmzucker, f. ^rsnFa..
Saguenay (spr. haggeneh), linker Nebenstuß des
St. Lorenzstroms in Canada, entfließt dem See
Et. John, mündet bei Tadusac und ist bis zur
Hahabai für Seefchiffe fahrbar; im Oberlauf lassen
die Stromschnellen nur die Herabschwemmung von
Bauholz zu. Kahle Felswände bilden die Ufer.
Saguin, f. Krallenäffchen.
Sagum (kelt.), ein bei den alten Römern
üblicher viereckiger Mantel von Wolle oder Zie-
genhaar, der oft als Doppelgewand auf der linken
Schulter durch eine Fibula gehalten wurde. Da das
S. aus einem großen Stück Zeug bestand, war es
als Eoldatenmantel im Felde, wo es sowohl als
Lagerstatt wie als Decke dienen konnte, allgemein
gebräuchlich. Auch der Liktor trug das S., wenn er
den Beamten in die Provinz begleitete (s. Tafel:
Kostüme I, Fig. 7).
Sagunt (33ssunw8 und ZHZunwlli), alte Stadt
auf der Ostküste^des alten Spaniens, nördlich von
Valencia, der <^age nach durch Griechen von der
Insel Zakynthos (Zante) aus mit Zuzug aus Ardca
in Latium gegründet, wahrscheinlich aber iberisch.
Durch Handel war die Stadt mächtig und reich ge-
worden. Als die Karthager sich nach dem ersten
Punischen Kriege in Spanien ausbreiteten, suchten
die Saguntiner, für ihre Freiheit und ihren Handel
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