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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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San Juan-Mountains - Sankt Blasien
Grenzvertrag vom 15. Juni 1846 eine zweideutige
Bestimmung enthielt. Nach vielen Unterhandlungen
wurde zur Entscheidung durch einen 8. Mai 1871
zu Washington abgeschlossenen Vertrag der Schieds-
spruch des Deutschen Kaisers Wilbclm l. angerufen,
der 21. Okt. 1872 den Besitz des San Juan-Archi-
pels den Vereinigten Staaten zusprach.^
San Iuan-Mountains (spr. dschuänn maun-
tms), Gebirge im südwestl. Teil des nordamerik.
Staates Colorado. Die höchsten Berge sind: Mount-
Wilson (4352 m) und Uncompabgre (4391 m).
San Inste, Kloster, s. Gerommo de San Inste.
sankli^a., 8ainkk)'H, Sankhja, eins der
sechs orthodoxen brahmanischcn Systeme (s. In-
dische Philosophie), das gegenüber dem monisti-
schen Veääut^ mit großer Entschiedenheit einen
Dualismus (äv^ita) vertritt und diesen in rationa-
listischer Weise begründet.
Sankt (lat.), heilig. Zusammensetzungen mit S.,
die man hier vermißt, sind unter dem betreffenden
Hauptnamen zu suchen; s. auch Samt, Samte,
San, Santa, Sao.
Sankt Amarin, Stadt im Elsaß, s. Amarin.
Sankt Andrä, ungar. 826nt-^när6, Stadt
mit geordnetem Magistrat im ungar. Komitat Pest-
Pilis-Solt-Klein-Kumanien, am rechten Donauufer,
ist Dampferstation und Sitz des gricch.-orient.-serb.
Bischofs von Ofen und hat (1890) 4260 E., eine
schöne Kathedralkirche und Weinbau. Die Donau
bildet hier die große Insel S. A. ftreasberg.
Sankt Andreasberg, Stadt im Harz, s. An-
Sankt Annenbrüderschaft, s. Anna, die
Sankt Annensee, s. Vüdös. heilige.
Sankt Arnual, Dorf bei Saarbrücken (s. d.).
Sankt Avold, Hauptstadt des Kantons S. A.
(14411E.) im Kreis Forbach des Bezirks Lothringen,
an der Linie Saarbrücken-Pagny der Elsaß-Lothr.
Eisenbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht
Saargemünd), Zoll- und Steueramtes, hat (1890)
3374 E., darunter 998 Evangelische und 132 Is-
raeliten, in Garnison die 1. und 3. bis 5. Eskadron
des Illancnregiments Nr. 14 und die 2. und 4. Ab-
teilung des Feldartillcrieregiments Nr. 33, Postamt
zweiter Klasse, Telegraph, kath. Pfarrkirche (ehemals
Abtcikirche) im Barockstil (18. Jahrh.), Präparanden-
anstalt, Pfründner- und Armenhaus; Fabrikation
chem. Produkte und landwirtschaftlicher Maschinen.
Auf dem nahm Vleiberge früher ein Bleibergwerk.
- S. A. war beim Ausbruch des Deutsch-Französi-
schen Krieges von 1870 bis 1871 das Hauptquartier
des 2. franz. Armeekorps, welches sich unter General
)vrossaid nach der Schlacht von Spicheren über den
Ort zurückzog, am 11. Aug. 1870 das des Königs
Wilhelm von Preußen.
Sankt Beatenberg, Bergdorf und klimati-
scher Höhenkurort im Bezirk Interlaken des schweiz.
Kantons Bern, 5 1cm im NW. von Interlaken, auf
beiden Seiten des auf den Thuner See südlich sich
öffnenden Sundgrabens, die mildeste aller Höhen-
stationen der Schweiz, hat (1888) 1199 prot. E.,
Post, Telegraph, Drahtseilbahn von Merligen
(1700 m lang, Durchschnittssteigung 33^ Proz.,
12 Minuten Fahrzeit), Kurhaus, auch für Winter-
kuren, und zahlreiche Hotels und Logierhäuser.
Östlich davon der Amnisbühel (1336 m), nördlich
das Niederhorn (1905 m), Burgfelsstand (2076 m)
und Gemmcnalphorn (2064 m).
Sankt Bernhard, zwei Alpenpässe. Der
Große S. V. im schweiz. Kanton Wallis, an der
Grenze des piemont. Aostathales, scheidet die franz.
von den schwciz. Westalpcn. Der Weg, 84 km
lang, verbindet die Thäler der Rhone und der
Dora-Baltea. Von Martigny bis zur Cantine
de Proz oberhalb Orsicres führt eine Fahrstraße,
von da das Val d'Entremont hinauf zum Joch
und auf der ital. Seite hinab in das Val du Grand
St. Vcrnard ein ^aumwcg, an den sich von St.
Remy bis Aosta wieder ein Fahrweg anschließt.
Auf der Höhe des Übergangs liegt neben einem
kleinen düstern See das berühmte ^ankt Vern-
hardskloster, urkundlich zuerst 1125 erwähnt,
aber wie man annimmt 962 von Vernbard von
Mentbon gegründet. Dasselbe liegt 2472 m hoch
und ist die höckste Winterwohnung in den Alpen.
Die mittlere Jahrestemperatur von 1,8° C. kommt
derjenigen am Südkap Spitzbergens (75° nördl.Vr.)
gleich, die Regenmenge beträgt 1121 mm. Der
Schnee liegt gewöhnlich neun Monate lang. Das
jetzige Kloster, um 1680 erbaut, 1822 erweitert, be-
sitzt eine gute Bibliothek, ein Naturalien-, Alter-
tümer- und Münzkabinett. Für Fremde stehen 80
Betten bereit. Weibliche Gäste logieren in der gegen-
überliegenden Dependenz St. Louis. Die Mönche,
Chorherren des Augustinerstifts von Et. Maurice,
haben die Verpflichtung, alle Reisende, ohne Rück-
sicht auf Stand und Glauben, zu beherbergen und
zu verpflegen und in der gefährlichen Jahreszeit
selbst oder durch die dienenden Brüder (Maron-
niers) den verunglückten oder in Gefabr schweben-
den Reisenden Hilfe zu bringen, wobei sie durch be-
sonders abgerichtete Hunde (Marons oder Bern-
hardiner) unterstützt werden. Der Große S. B.
ist an sich der am wenigsten lohnende von den Päs-
sen, welche die Schweiz mit Italien verbinden, doch
wird er als leichter und kurzer Übergang, dessen
Endpunkte Martigny und Aosta an der Eisenbahn
liegen, viel benutzt. Sowohl von den Römern seit
Augustus als auch im Mittelaltcr sind Heereszüge
über den S. V. ausgeführt worden. Am merkwürdig-
sten ist der Übergang des 30000 Mann starken sranz.
Heers mit Geschütz und Reiterei unter Vonaparte
15. bis 21. Mai 1800. In der Kapelle des Klosters
wurde der General Desair, der in der Schlacht bei
Marengo siel, beigesetzt und ihm von Vonaparte
daselbst ein Denkmal errichtet.
Der Kleine S. V., 2157 in hoch, an der Grenze
des franz. Dcpart. Savoie und der ital. Provinz
Turin zwischen den Savoyer und den Grajischm
Alpen gelegen, scheidet das Gebiet der Iscre von
demjenigen der Dora-Valtca und ist, wie mehrere
vermuten, der Paß, über welchen Hannibal 218
v. Chr. nach Italien zog. Die jetzige Poststrahe,
1871 vollendet, von Vourg St. Maurice in der Ta-
rcntaise nach Courmaycur im Aostathalc 32 km lang,
bietet prächtige Aussichten auf die Verqgruppen
des Montblanc und des Rutor (3486 m). Auch hier
liegt etwas unterhalb der Paßhöhe ein Hospiz, wel-
ches, wie auch das des Simplon, von einigen Mön-
chen des Großen S. V. verwaltet wird.
Sankt Bernhardin, Alpenpaß, s. Vernardino.
Sankt Blafien. 1) Amtsbezirk im bad. Kreis
Waldshut, hat (1890) 0896 meist katb. E. in 17 Ge-
meinden. - 2) Hauptort des Amtsbezirks S. B.,
in 772 m Höhe, an der obern Alb, inmitten großer
Waldungen, Sitz des Bezirksamtes und eines Amts-
gerichts (Landgericht Waldshut), hat (1890) 1348 E.,
darunter 124 Evangelische, Postamt zweiter Klasse,
Telegraph, ehemalige Klosterkirche, 1773 - 83 nach