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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sattelflächen - Sattler
Sattelflächen, s. Krümmung.
Sattelhöfe oderSattelgüier (sattelfreie Gü-
ter), gewisse Arten Landgüter, welche zwar nicht die
Vorrechte der Rittergüter genießen, aber doch viele
Freiheiten und Vorzüge vor den gewöbnlichen
Bauerngütern haben. Sie kommen besonders in
Ober- und Niedersachsen vor und sind Überbleibsel
ehemaliger größerer Besitzungen.
Sattelholz ^ auch Trum- oder Schirrholz,
ist, wie die beistehende Abbildung zeigt, ein über
einen Pfeiler oder eine Säule gelegtes borizontales
Holzstück, wel-
ches dazu dient,
dem darauf ru-
- bendenUntcrzug
(Träger) mebr
Auflager und
demzufolge auch
Bisweilen wer-
den (z. B. bei
Hängcwerksbal-
kcn) mebrere S.
aufeinander gelegt und mit dem Träger sowie unter
sich verbolzt, verdübelt oder verzabnt, außerdem
aber noch zur Herstellung größerer Steifigkeit mit
den Holzfäulen durch Winkclbänder verbunden. Das
S. ist oft Gegenstand künstlerischer Ausschmückung
durch Schnitzwerk, dann auch, dieses imitierend,
durch Stuck. ^s. Englischer Sattel.
Sattelkissen, Sattelknopf, Sattelkranz,
Sattelpferd, s. Bespannung.
Sattelprotzen, zum Fortschaffen eines Nobrs
mit Lafette, nicht zugleich zum Transport von Mu-
nition dienende Protzen, die nach dem Lenksckeit-
system (s. d.) gebaut sind; der Protznagcl befindet
sich auf dem vielfach sattelförmigen (daber der Name)
Protzkissen, die Lenkschiene bildet vorn zugleich die
Schere für die Deichsel.
Sattelrobbe, s. Seehunde.
Sattelschäften, s. Veredelung.
Sattelselbstgurter, ein kleines aus 4 Spiral-
federn bestehendes Instrument, welches das Nach-
gurten, d. h. das Anziehen der Gurte des Sattels
(s. d.) ersetzen soll und an jedem Gurt angeschnallt
werden kann. Die Federn, die sich beim Anzieben
der Gurte beim Sattel auseinander dcbnen, zieben
sich in dem Maße wieder zusammen, als der Pferde-
leib (besonders infolge der Verdauung) allmäblicb
an Umfang verliert, so daß die Gurte immer in gleich-
mäßiger Spannung erhalten werden.
Sattelstörche (NMei-ia. ^.), die größten Mit-
qlicder der Storchfamilie, drei Arten, die in den
Tropen Afrikas, Amerikas, Asiens und Australiens
leben. Der sehr lange und kräftige Schnabel ist seit-
lich zusammengedrückt, seine Spitze sanft nach oben
gebogen. In größcrn Tiergärten trifft man alle
drei Arten, den schneeweißen Iabiru (^lM6i-i^
amkricauH^.) mit nacktem schwarzem Kopf und Hals
aus Südamerika, den Glanzjabiru (Nvctsi-iH
au3ti-I.Ii8 F/^tt^'), weiß, mit schwarzem, grün schillern-
dem Kopf, Hals und Schultern, aus Indien und
Australien, und den durch die rote Querbinde über
dem schwarzen Schnabel und die fleischfarbenen
Gelenke der schwarzen Beine sofort kenntlichen Se-
negaljabiru (Hl^ctei-ia 86Q6FNi6n3i3 HVi"^) aus
Afrika. Der Preis für einen ^attelstorch beträgt
200 M. und mehr. Ihre Nahrung besteht in der Ge-
fangenschaft vorzugsweise aus Fischen. Gegen Kälte
sind die S. empfindlich, wesbalb sie im Winter in
einem mäßig erwärmten Naum gehalten werden
Sattelthaler, s. Thal. ^müssen.
Satteltragen, eine schon zu Zeiten der Karo-
linger vorkommende, in die Gegenwart übertragene
militar. Strafe, die nach dem Strafvollstreckungs-
reglement des deutschen Heers im Felde an Stelle
strengen Arrestes auferlegt wird, wenn es zur Ver-
büßung des letztern an Zeit und Gelegenheit fehlt.
Sattelwagen, ein Wagen zum Transport schwe-
rer Geschützrobre der Vclagcrungs- und Festungs-
artillerie außerbalb ihrer Lafetten, sowie von Ge-
schützen, deren Lafetten nickt als Fuhrwerk einge-
richtet find, wie bei einzelnen Mörserkonstruktionen.
Satten, Milch satten, s. Butter (Bd. 3, S.
Satthals, s. Kröpf. ^798 a).
Satti, f. Satt.
Sättigung oder Saturation, in der Chemie
derjenige Zustand der Verbindung zweier Stoffe,
in welchem die Verwandtschaften beider gleichfam
erschöpft oder aufgeboben, die elektrochem. Gegen-
sätze ausgeglichen sind. Man sättigt eine Säure
durch eine Base und umgekehrt und erkennt den
Zustand der S. durch gewisse Farbstoffe oder Pa-
pier, das mit folchen getränkt wurde, wie blaues
und rotes Lackmuspapicr (s. d.), die durch neutrale
Flüssigkeiten keine Veränderung der Farbe zeigen
(s. Neutralisieren). Man braucht das Wort S. auch
für bloße Auflösungen, wenn dem Lösungsmittel so
viel von dem aufzulösenden Stoffe zugesetzt ist, daß
es keine neue Menge davon aufzunehmen vermag.
Endlich braucht man das Wort S. in der orga-
nischen Chemie und unterscheidet gesättigte und un-
gesättigte Koblenstosfvcrbindungen. Die erstern sind
alle jene, bei denen der Kohlenstosskern nur durch je
einwertig verbundene Atome gebildet ist und daher
das mögliche Marimum von andern Elementar-
atomen gebunden hat, während ungesättigte orga-
nische Verbindungen mehrwertige gegenseitige Bin-
dungen der Kohlenstosfatome des Kerns aufweiseu.
Sättigungsdeficit, die zur Sättigung einer
Luft mit Wasserdampf noch erforderliche Wasser-
menge, ausgedrückt in Gramm Wasser pro Kubik-
meter Luft. Ein S. von 6,5 F giebt also an, daß
in einer Luft von dicfem S. noch 6,5 F Wasser pro
Kubikmeter verdunsten können, ehe obige Sättigung
der Luft mit Wasserdampf eingetreten ist. S. ist
also nichts anderes als das Komplement von ab-
soluter Feuchtigkeit und giebt ebenso wie relative
Feuchtigkeit und Tunstdruck ein Bild von dem je-
weiligen Feuchtigkeitsgehalt der Luft.
Sättigungskapacität, in der Cbcmie nach
älterer Ausdrucksweise die Verhältniszahl, die aus-
drückt, wie viel von irgend einer Basis erforderlich
ist, um mit der Säure ein Neutralsalz zu geben,
also das, was beute ihre Vasicität (s. d.) heißt.
Sättigungspunkt, s. Neutralisieren.
Sattler, Gcwerbtreibcnder, der ursprünglich nur
Sättel machte, bicr und da auch Kumte und anderes
Pferde-, namentlich Reitgeschirr. Ferner kam dazu
das Beschlagen der Kutschen, das Polstern von
Stühlen und Kanapees, Anfertigung von Lederarbei-
ten, wie Fellcifen, Koffer. Diese verschiedenen Arten
der Arbeit entwickelten sich zu besondern Gewerben.
Die älteste Urkunde der Berliner Sattlerinnung
stammt aus dem 1.1559. In Preußen bestanden
die 1855 vereinigten S. aus vier scharf getrennten
Innungen, den ^., Riemern, Täschnern und Wagen-