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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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5cham - Schamyl
und dazu bestimmt ist, die Verbindung mit dem
Lande zu unterhalten. Die S. werden durch Ruder
oder Eegel oder durch beide zugleich fortbewegt.
In der Ostsee führen einmastige Küstenfahrzeuge
von 20 bis 40 t Gehalt den Namen S. (s. Slup).
Kanonenschaluppen waren große Boote von
starker Bauart, die ein schweres Buggeschütz hatten
und durch 30-40 Ruder fortbewegt wurden.
Scham, asiat.-türk. Wilajet, s. Svrien.
Schamachä, Kreis und Stadt im russ. Gou-
vernement Baku, s. Schemacha.
Schamade, Signal, s. Chamade.
Schamadrofsel (KittÄcincia luacroura <5me?.),
ein zu der den eigentlichen Drosseln nahe stehenden
Gattung Elsterdrosseln ((^o^Lv^liug i^a^l. et
Xittaciueig. ^lcl.) gehöriger Vogel, erst seit kurzer
Zeit lebend bei uns eingeführt, aber bereits von
allen Vogelgefangskennern als der hervorragendste
Sänger überhaupt anerkannt. Die S. übertrifft
Nachtigall und Sprosser sowie die amerik. Spott-
drossel bei weitem an Wohltlang und Fülle, Reich-
haltigkeit und Abwechselung der Töne. An Kopf,
Hals und ganzer Oberfeite blauschwarz, Schwanz
reinschwarz, Bürzel und äußersten Schwanzfedern
weiß, Brust und übriger Unterseite brüunlichgelb-
rot, von Drosselgröhe, aber mit ausfallend langem
Schwanz, erscheint sie als ein schöner Vogel. Ihre
Heimat ist Indien und die Sunda-Inseln. Da sie
von der Einführung her an Universalfutter (s. Stu-
benvögel) gewöhnt und wenig anspruchsvoll ist, so
ergiebt ihre Haltung und Verpflegung keine Schwie-
rigkeit. Sie gehört zu den ausdauerndsten Stuben-
vögeln. Preis 45-60 M.
Schamanen, soviel wie Samogitien.
Schamanismus, die eigentümliche Religion
eines Teils der ural-altaischcn Völker, die jetzt
durch den Buddhismus und das Christentum sehr
eingeschränkt worden ist. Das Wort S. stammt
wahrscheinlich aus dem Sanskrit crawana, "Bettel-
mönch", das besonders auch von den buddhistischen
Priestern gebraucht und von diesen (wobl durch die
Chinesen) auf die Priester der ural-altaischen Völker
übertragen wurde, die man Schamanen nennt.
Heute bekennen sich zum S. nur noch die Samo-
jeden, Tungusen (außer den Mandschu), die Nord-
mongolen oder Burjaten am Vaikalsee, von den
Türkstämmen die Jakuten und einige Stämme im
Altai, die Ostjaken, Wogulen und ein Teil der
Wolgasinnen. Dem S. eigen ist der Glaube an die
enge Verbindung, die zwischen den jetzt lebenden
Menschen und ihren längst verstorbenen Ahnen be-
steht, vereint mit dem Glauben an Zauberei und
Geister. Die Geister, deren es unzählige giebt, wer-
den fast ausnahmslos als Geister der Verstorbenen
angesehen, und man hat vor den Toten Furcht und
Grauen. Der Kultus des S. ist wesentlich ein
Totenkultus, dessen Hauptelement die Geister-
beschwörung bildet, die der Schamane ausübt, der
auch die Opfer darbringt und als Arzt auftritt.
Wie der Priester bei vielen andern Völkern in
Afrika, Amerika, Südindien u. s. w., versetzt sich der
Schamane vor seiner Tbätigkeit durch allerhand
Mittel in Ekstase, die er oft bis zur Raserei steigert,
so daß er sich nicht selten in epileptischen Zuckungen
am Boden wälzt und völlig gefühllos wird. Schließ-
lich ergreift er eine Trommel, bei deren Ton er sich
allmählich beruhigt. Seine größte Kunst ist "die
Reinigung der Jurte", d. h. die Austreibung des
Geistes eines Verstorbenen aus dem Zelte. Er tritt
in phantastischer Kleidung auf, die bei den Jakuten
reicb mit Schmiedearbeit versehen und daher sehr
kostspielig ist. Meist sind die Schamanen aber arme
Leute, deren Kunst sich nur bei einem Teile der
ural-altaischen Völker vom Vater auf den Sohn
vererbt. Neben dem Geisterglauben findet sich bei
allen Stämmen, ganz wie bei den Negern und In-
dianern, auch die Verehrung höherer Götter. -
Vgl. Castre'n, Vorlefungen über die sinn. Mytho-
logie (Petersb. 1853); Hiekifch, Die Tungusen (ebd.
1879); Radloff, Das Schamanentum und fein Kul-
tus (Lpz. 1885); Priklonskij, Das Schamanentum
der Jakuten (deutsch von Krauß; Bd. 18 der "Mit-
teilungen der Wiener Anthropologischen Gesell-
schaft", Wien 1888). "om.).
Schambein, Schambeinfuge, s. Becken (ana-
Schamberg, f. Geschlechtsorgane.
Schamblume, s. ^liwiia.
Schambogen, s. Becken (anatom.).
Schamfielingsmatte, eine Matte aus weichem
Tauwerk, die in der Takelung der Rahen und Sten-
gen und auch Salingen befestigt wird, um das
Durckscheuern, Schamfielen, des Tauwerks zu
Schamil, f. Schamyl. ^verhüten.
Schammar, Stamm und Staat im nördl. Ara-
bien, mit unsichern Grenzen, umfaßt das granitische
Plateau des Innern am Dschebel Aga und die
Sandwüsten Nefud, soll abn vor 1885 brs weit über
die Syrische Wüste und bis Medina ausgedehnt
worden sein. Man rechnet jetzt 50000 seßhafte und
100000 nomadische E., davon sehhaste im Haupt-
gebiet im Hall 25 000, im Wadi Serhan 20000.
Hall, 1067 N hoch am Rande der Wüste gelegen, ist
der Hauptort; bekannt sind serner Gobba, Te'ima,
Schekaky (Sekaka oder Meskaky), Dschof, Faid, Khei-
ber (Cheiber) und El-Ala.
Schammatha, s. Kirchenbann.
Scha-mo, chines. Sandwüste, s. Gobi.
Schamotte, s. Chamotte.
Schampflanze, s. Mimose.
Schamröte, s. Erröten.
Schams, Kreis im Bezirk Hinterrhein des schweiz.
Kantons Graubünden.
Schamserthal, s. Viamala.
Schamteile, s. Geschlechtsorgane.
Schamhl (Schamil, d. i. Samuel), auch Ben
Mohammed S. Effendi, Prophet und Sultan
der kaukas. Bergvölker, geb. 1797 im Aul Himry
im Gebiete der tatar. Kojsubelinen im nördl. Dage-
stan, studierte arab. Grammatik und Philosophie
und neigte in religiöser Beziehung sich der Lehre
des Kasi-Mollah zu, einer Erneuerung des Sufts-
mus, welche bald zu einem Bande der Einigung für
die zersplitterten Stämme Dagestans wurde. Als
1824 der Aufstand gegen die Russen losbrach, schloß
sich S., der bis dahin als Murid (Geistlicher) ge-
lebt hatte, mit Kasi-Mollah dem Kampfe an. Beide
warfen sich, als die Russen unter Rosen gegen den
^ojsu siegreich vordrangen, in die Bergfeste Himry.
Bei dem Sturm 18. Okt. 1831 fielen sämtliche Ver-
teidiger. Nur S., obschon schwer verwundet, ent-
ging dem Tode. Der Ruf der Heiligkeit, in dem S.
bereits stand, wurde durch diese Rettung noch er-
höht, so daß er, als Hamsat-Veg, der Nachfolger
Kasi-Mollahs, 1835 durch Meuchelmord gefallen
war, zum Haupt der Sekte gewählt wurde. Er war
von nun an bestrebt, durch die Macht religiöser Be-
geisterung die Bergvölker Dagestans einheitlich zu
organisieren, nach Art eines theokratischm Staats-