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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schmalspurbahnen
Weltausstellung 1889 erbaut hatte, und welche in
6 Monaten 6202670 Personen ohne Unfall beför-
derte (höchste Leistung an einem Tage - 63276 Per-
sonen), brachten die S. zu immer größerer Geltung,
so daß Ende 1890 die S. etwa 14 Proz. der sämt-
lichen Eisenbahnen der Erde ausmachten. England
besitzt in der 1832 als Schmalspurbahn (0,59 m)
eröffneten Festiniogbahn (22,8 km) von dem Hafen
Portmadoc nach Dinas die erste Schmalspurbahn
der Welt, aber trotz des finanziellen Erfolgs hat sich
die schmale Spur dort nicht einbürgern wollen, nur
in Irland sind gegen 150 km S. mit 0,9i4, 1,070,
1,220 und 1,416 m Spurweite vorhanden (0,914 m ist
vorherrschend).
Unter den deutschen Staaten hat Sachsen nack
Preußen die meisten S., nämlich (1. Jan. 1891)'.
311,87 km, darunter 327,42 km Staatsbabncn. Die
erste Schmalspurbahn wurde 1880 eröffnet mit einer
weite von 0,75 m. In Preußen wurde, abgesehen von
den im oberschles. Bergwerks- und Hüttenbezirk in
den 1.1853-56 erbauten S., die Brölthaler Bahn
<18,i9 km) mit 0,785 m Spurweite als erste schmal-
spurige Privatbahn 1863 für den Güterverkehr er-
öffnet (10 Jahre später auch für Personenverkehr).
Nach der Bahnordnung für die Nebeneiscnbahncn
Deutschlands vom 5. Juli 1892 soll die Spurweite
der S. 1 m oder 0,750 m betragen; Ausnabmen
hiervon sind zulässig mit Genehmigung der Landes-
Aufsichtsbehörde unter Zustimmung des Reichs-
Eisenbahnamtes. In Preußen sind nach dem Gesetz
vom 28. Juli 1892 für Kleinbahnen (f. 0.) außer der
Normalspur die Spurweiten von 1 m, 0,75 und
0,6 m für zulässig erachtet worden, über Vetriebs-
ergebnisse der E. im Deutfchen Reiche lohne Klein-
bahnen) f. Dcutfche Eisenbahnen, Übersicht I).
Die Verteilung dieser S. auf die einzelnen deut-
schen Vundesstaaten im I. 1894:
Vundesstaat
Staatsbahnen
Privat-dahnen
Zu-
sammen



Königreich Preußen......
109,26
247,64
356,90
>> Bayern......
5,17
47,48
52,65
" Sachsen......
327,42
14,45 !
341,87
" Württemberg . . .
15,11
14,68
29,79
Großherzogtum Baden ...
-
154,06
154,06
" Hessen ....

39,01
39,01
" Mecklenburg-



Schwerin . .
6,61
__
6,61
" Sachsen-Weimar
37,70 2
53,87
91,57
" Oldenburg . .

7,001
7,00
Herzogtum Vraunschweig . . .

9,40
9,40
" Sachsen - Meiningen
54,28 2
-
54,28
" Anhalt

34,10
34,10
Fürstentum Wald eck.....
__
2,06
2^,06
Elsaß-Lothringen.......
27,99
133,05
161,04
583,54 j 756,80 i 1340,34
l In Verwaltung der anschließenden sächs. und oldenb.
Staatsbahnen. 2 In Privatverwaltung.
Die zu den Bahnen des Vereins deutscher Eifen-
bahnverwaltungen (f. Eifenbahnverein) gehörenden
S. hatten 1893 bei einer Länge von 690,95 km
eine Gesamteinnahme von 3 289 395 M., welker
eine Ausgabe von 2 221600 M. gegenüberstand;
der Überschuh ließ eine Verzinsung des Anlage-
kapitals mit 2,ii Proz. zu. Für den Betrieb standen
157 Lokomotiven, 500 Personenwagen und 4818
Gepäck- und Güterwagen zur Verfügung, welche
zusammen. 2 414157 Lokomotivnutzkilometer und
50916 671 Wagenachskilometer zurücklegten. Be-
fördert wurden 4 742 748 Personen (38 468114
Personenkilometer) und 3 524 767 t Güter (42 661293
Tonnenkilometer). Von den Bahnen stehen 549,80 kni
unter 8 deutschen und 108,60 km. unter 4 östcrr.-
ungar. Verwaltungen: hierzu kommt die zu den
rumän. Staatseisenbahnen gehörige 32,55 km lange
Schmalspurbahn Crasna-Dobrina-Kusi.
In Ost erreich ist die Strecke Linz-Gmunden als
erste schmalspurige Pferdebahn 1836 eröffnet wor-
den (1,i06 m), Lambach-Gmunden (27,49 km) wurde
später in eine Lokomotivbahn umgewandelt, während
die Reststrecke infolge weitern Ausbaues des Eifen-
dahnnetzes wieder aufgenommen wurde. Mitte 1893
waren vorbanden: 166,974 km Lokalbahnen von
1,106, 1,0, l),76 und 0,75 m Spurweite, 11,678 km
Zahnradbahnen, die Trambahn Innsbruck-Hall
< 12,ii3 Km), die elektrische Bahn Mödling-Zinter-
drühl (4,476 km) und 0,705 km Seilbahnen (sämtlich
mit Spurweite von 1 m).
Die erste Schmalspurbahn in Nngärn war die
Pferdebahn Preßburg-Tyrnau (1,io6 m), die fpäter
in eine Lokomotivbahn umgewandelt wurde; I.Ian.
1892 waren 156 S. vorhanden, die mehr oder weniger
den Charakter als Gebirgsbahnen tragen und in
sieben verscbiedenen Spurweiten von 0,60 bis 1 m
ausgeführt sind. Außerdem sind 1041 km schmal-
spurige Industriebahnen vorhanden. Die Ausfüh-
rung eines nordwestungar. zufammcnhängenden
Valmnetzes von 363 km ist in Aussicht genommen.
Günstige Ergebnisse haben die S. in der Herze-
gowina u n d B o s n i e n (ein zusammenhängendes
Netz von 609,3 km mit 0,76 m Spurweite) auszu-
weisen; so bat die Bosnabahn (268,2 km) 1891 be-
reits 254669 Personen und 1722635 t Güter be-
fördert, und das Anlagekapital der alten Strecke
Bosnisch-Vrod-Zenica (78167 M. für 1 km) hat sich
mit 5,73, der Strecke Zenica-Serajewo (99288 M.
für 1 km) mit 4,39 Proz. verzinst.
Die Sckweiz besaß (1. Jan. 1863) 20 schmal-
spurige Vabnen mit einer Gesamtlänge von 442 km,
darunter 25,9 km Zahnstangenstrecken. Außerdem
sind zahlreiche Zahnrad- und Seilbahnen in schmaler
Spur ausgeführt. (S. Schweizerische Eisenbahnen.)
Frankreich besaß (Anfang 1892) außer zahl-
reichen nichtöffentlichen schmalspurigen Privat-
! bahnen 2957 km S., Belgien 1893: 1162 km; in
den Niederlanden giebt es nur fchmalfpurige
Dampfstraßenbahnen; Italien hatte(1892) 218km
Dampfstraßenbahnen und 805 km S. Norwegen
und Schweden hatten (Ende 1891) 969 und 1675 km
S., darunter die 436 km lange Strecke .hamar-
Tbrondbjcm (43,6 km), die Iäderbahn (76,3 km)
u. a. Spanien hatte (1. Jan. 1893) 950 km und
R u siland 850 Km S. Auch in den Vereinig-
ten Staaten von Amerika finden die S. immer
größere Beachtung; während 1880 diefelben nur
4 Proz. des Gesamtnetzes ausmachten, waren 1889
bereits 15437km vorhanden (6,i Proz.). In Argen-
tinien waren (Anfang 1892) 3598 km S., d. h. fast
ein Viertel sämtlicher Bahnen (12353 km); Bolivia
dat 615 km S., Brasilien besitzt außer einem Netz
von weitspurigen Bahnen (1,60 m) nur S. (1892:
8927 km); darunter waren 7938 km Meterspur-
babnen, weitere 5334 km befanden sich im Bau,
7769 km sind zum Bau vorbereitet und 13500 Km
geplant. In Asien giebt es verhältnismäßig wenig
^2.; in Indien waren (Anfang 1890) 9674 Km vor-
handen, in Japan 1894 etwa 3000 km. Von den
afrikanischen Bahnen haben die Strecken Port-
34"°