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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Schottland

umlagert wurde, starb sie 10. Juni 1560. Ihre Tochter, die inzwischen durch die Thronbesteigung ihres Gatten Königin von Frankreich geworden war, hatte Elisabeth die Anerkennung verweigert und selbst Wappen und Titel von England und Irland angenommen. Den von engl., schott. und franz. Bevollmächtigten 30. Juli 1560 geschlossenen Edinburgher Vertrag, der den Verzicht Marias forderte, ratifizierte sie nicht, so daß sie 1561 in offenem Gegensatz zur Nachbarkönigin nach dem Tod ihres Gemahls in ihr Königreich zurückkehrte.

In der Zwischenzeit war dort durch Parlamentsbeschluß der Calvinismus zur alleingültigen Staatsreligion erhoben und nach seinen Regeln die Presbyterialverfassung der Kirche eingeführt worden. Die Hälfte der reichen Kirchengüter kam dabei in die Hand des schott. Adels. Die kath. Königin mußte diese Verhältnisse hinnehmen, wie sie sie fand. Den leitenden Einfluß in der Regierung erhielt ihr Halbbruder James Stuart, Graf von Murray (s. d.); aber nach Marias Vermählung mit ihrem Vetter Henry Darnley kam es zum Bruch, Murray trat der höfischen Katholikenpartei an der Spitze der Protestanten gegenüber, erlag aber 1565 vor Maria und mußte fliehen. Für die Königin folgte nun eine Katastrophe der andern (s. Maria Stuart); schließlich erfolgte ihre Gefangennahme bei Carberry-Hill und ihre Einkerkerung im Schloß bei Kinroß. Murray zwang sie zur Abdankung für ihren 19. Juni 1566 geborenen Sohn Jakob und trat wieder als Regent an die Spitze des Staates. Als Maria, ihrer Haft entkommen, ihre Anhänger um sich sammelte, schlug er sie bei Langside 13. Mai 1568. Maria suchte Schutz bei Elisabeth in England. Dort wurde sie als Gefangene behandelt, Murray fiel 1570 durch Mord, und nach der kurzen Zeit der Rube unter seiner energischen und klugen Leitung folgte neue Zerrüttung in S. Sein Nachfolger, der Vater Darnleys, Graf Lennox, wurde schon 1571 ermordet, dessen Nachfolger Graf Mar starb 1572, und die Regentschaft übernahm der verschlagene, aber thatkräftige James Douglas, Graf von Morton. Mit Härte schlug er die kath. Partei der gefangenen Königin nieder; aber der Druck seiner anmaßenden Regierung erweckte ihm erbitterte Gegner, die ihn 1578 zum Rücktritt zwangen, worauf nominell der für mündig erklärte zwölfjährige Jakob VI. selbst die Regierung übernahm. Ein Staatsrat von zwölf Männern stand ihm zur Seite. Anfangs zeigte er sich den Katholiken geneigt, bis ihn Elisabeth durch ein Jahrgeld und die Anerkennung als ihren Nachfolger zu dem Vertrag von Berwick (1586) bewog, worauf er den Katholicismus preisgab und auch der Hinrichtung seiner Mutter (1587) ruhig zusah. Dennoch behielt er seine katholisierenden Neigungen bei, wie er auch prot. Bistümer in S. einrichtete, überhaupt die Macht der Presbyterialkirche möglichst beschränkte. Auch den Kampf des Königtums gegen die Übermacht des hohen Adels setzte er fort und suchte diesem durch die Aufnahme des niedern Adels in das Parlament ein Gegengewicht zu schaffen. Als Elisabeth 1603 starb, erfolgte seine Thronbesteigung in England ohne jede Hinderung, und durch die zunächst ausschließlich in der Person des Königs dargestellte Union der beiden Reiche war der erste wichtige Schritt zu einer völligen Vereinigung geschehen.

Wenn auch der König, der sich jetzt Jakob I. (s. d.) nannte, sein Hauptinteresse England zuwendete, so blieb doch S. in seiner Verfassung und Verwaltung völlig selbständig wie bisher, und nur die endlosen Kriege zwischen beiden Nachbarreichen hatten ein Ende. Die Versuche Jakobs, die Personalunion zu einer völligen Einheit zu erweitern, scheiterten schon am Widerstand des engl. Parlaments. Dagegen wurde S. sehr bald in die England bewegenden Ereignisse mit hineingezogen, besonders als der unter Jakob bereits weit gediehene Zwist des Königs mit dem engl. Parlament unter seinem Sohne Karl I. (1625-49) zum offenen Ausbruch kam. Als der vom Erzbischof Laud (s. d.) beratene König den Gottesdienst wie in England so auch in S. nach streng anglikan. Ritus umgestalten wollte (1637), rief er hier zuerst offenen Widerstand hervor. Die Schotten vereinigten sich in dem religiös-polit. Bunde, dem Covenant, zur Verteidigung ihres Glaubens, und 1639 kam es zum ersten ergebnislosen sog. Bischofskrieg Karls gegen seine schott. Unterthanen. Noch weniger Erfolg hatte der König 1640 im zweiten Bischofskrieg. Die Schotten unter Leslie besetzten den Norden Englands. Vor dem weit gefährlichern Kampf mit seinem engl. Parlament stehend gab Karl, der im Herbst 1641 selbst in S. erschienen war, dem Grafen Argyll, der die Leitung hatte, in allen Forderungen nach. Trotzdem ließen die Schotten sich zum Anschluß an die engl. Revolution bewegen. 1644 rückten ihre Truppen dem Parlamentsheer zu Hilfe, unterstützten es bei Marston-Moor (s. d.), und als der König sich nach seiner Niederlage bei Naseby (15. Juni 1645) in ihre Hände gab, lieferten sie ihn an das engl. Parlament aus (Jan. 1647). Der Wandel, der durch die Vorherrschaft des Independentismus unter Oliver Cromwell eintrat, hatte den Bruch der Armee mit dem engl. Parlament, noch mehr aber mit den streng presbyterianischen Schotten zur Folge. Diese traten sogar mit dem gefangenen König in Verbindung und riefen durch ihren Einfall in England 1648 den zweiten Bürgerkrieg hervor. Jedoch erlagen sie bei Preston gänzlich vor Cromwell. Der Gegensatz wuchs mit der Hinrichtung Karls und der Errichtung von Republik und Protektorat in England. Des Königs Sohn, der spätere Karl II., erschien in S., wurde dort gekrönt; aber auch diesmal schlug Cromwell das Heer bei Dunbar (1650) und nach einem kecken Einfall in England bei Worcester (1651) vernichtend aufs Haupt. Er und nach ihm Monk unterwarfen S. vollständig und zwangen es zum Anschluß an die beherrschende engl. Republik.

Dafür begann nach Cromwells Tod (1658) von S. aus die durch Monk bewerkstelligte Herstellung des Königtums unter Karl II. (1660-85). Auch unter ihm wurde das dem Presbyterianismus feindliche Vorgehen zum Zweck anglikan. Uniformierung wieder aufgenommen, diesmal die Bischofskirche wirklich eingeführt, presbyterianische Regungen mit Strenge unterdrückt und die Schar der aufständischen Covenanters durch den Herzog von Monmouth bei der Bothwellbrücke auseinander gesprengt (1679). Die Befürchtungen kath. Reaktion unter Jakob II. (1685-88) wurden durch dessen Vertreibung beseitigt und vom engl. sowohl wie vom schott. Parlament die Nachfolge von Jakobs Tochter Maria und ihrem Gemahl Wilhelm III. anerkannt (1689). Aber der Anhang des alten Königshauses war in seinem Stammland weit stärker als in England. Unter John Graham, Viscount Dundee, sammelten sich die Hochländer und schlugen die unter Mackay heranrückenden