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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Siebenbürger Eisenbahnen - Siebengebirge
diges Glied mit der ungar. Krone wieder vereinigt und 1697 Apafys Sohn gegen eine Entschädigung zur Verzichtleistung bewogen. Maria Theresia erhob S. 1765 zu einem Großfürstentum.
Im J. 1848 setzte die ungar. Partei vorübergehend die Union S.s mit Ungarn durch; aber bei dem revolutionären Verlaus der Dinge widersetzte sich besonders die deutsche und Walach. Bevölkerung standhaft jener Vereinigung, wofür S. 1849 von dem Insurgentenheere furchtbar heimgesucht wurde. Auch war es der Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen dem Insurgentengeneral Bem (s. d.) und den hier zuerst eindringenden russ. Hilfstruppen. Durch die österr. Reichsverfassung vom 4. März 1849 wurde S. gänzlich von Ungarn getrennt, verlor aber seine frühern nationalen Institutionen und trat, dem österr. Ministerium in Wien unterstellt, in die Reihe der österr. Kronländer; auch erhielt es diejenigen Gebietsteile (die Komitate Kraszna, Mittel-Szolnok und Zaránd nebst dem Distrikt Kövár) zurück, die 1835 abgetrennt und mit Ungarn vereinigt waren. Die kaiserl. Entschließungen vom 20. Okt. 1860 riefen die frühere ungar. und siebenbürg. Verfassung wieder ins Leben; S. erhielt hiermit wieder seine vollkommene Autonomie mit besonderm Landtage und eigener oberster Zentralstelle (der königlich siebenbürg. Hofkanzlei), mußte aber auch die vorhin genannten Gebietsteile an Ungarn zurückgeben. Entgegen dem Verhalten der übrigen ungar. Länder beschickte der 1863 in Hermannstadt tagende Landtag den österr. Reichsrat und trennte sich somit von Ungarn vollends, doch nur auf kurze Zeit. Denn infolge der geänderten Politik sanktionierte das königl. Reskript vom 17. Febr. 1867 die Union S.s mit Ungarn. Die siebenbürg. Hofkanzlei wurde aufgehoben und der siebenbürg. Landtag aufgelöst. S. wurde unter das ungar. Ministerium gestellt und mit Ungarn vereinigt. Die siebenbürg. Militärgrenze war bereits 1851 aufgelöst und ihr Gebiet zur Civilverwaltung gezogen worden. Am 1. Jan. 1868 wurde auch der oberste Gerichtshof zu Klausenburg aufgehoben und das Land in 15 Komitate eingeteilt, wobei auch die Municipalautonomie des Sachsenlandes beseitigt und die Einheitlichkeit dieses siebenbürg.-sächs. Königsbodens zertrümmert wurde. Seitdem klagen Rumänen und Sachsen über Rechtskränkungen und Bedrohung ihrer Nationalität durch Magyarisierungsbestrebungcn.
Litteratur. Benigni Edler von Mildenberg, Handbuch der Statistik und Geographie des Großfürstentums S. (3 Bde., Hermannst. 1837); Lenk von Treuenfeld, S.s geogr., topogr., statist., hydrogr. und orogr. Lexikon (4 Bde., Wien 1839): Söllner, Statistik des Großfürstentums S. (Bd. 1, Hermannst. 1856); Boner, S. Land und Leute (Lpz. 1868); Reissenberger, Siebenbürgen (Wien 1881); Bielz, Reisehandbuch für S. (2. Aufl., ebd. 1885); ders., Die Mineralquellen und Heilbäder S.s (Hermannst. 1883); Fronius, Bilder aus dem sächs. Bauernleben in S. (2. Aufl., Wien 1883); Bergner, Siebenbürgen (Lpz. 1884); Haltrich, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen (Wien 1885); von Hauer und Stäche, Geologie S.s (ebd. 1885). - Gebhardi, Geschichte des Großfürstentums S. (Wien 1803); Urkundenbuch zur Geschichte S.s (hg. von Firnhaber und Teutsch, Bd. 1, ebd. 1857); Monumenta comitialia regni Transsylvaniae (hg. von Szilágyi, Pest 1880 fg.); Teutsch, Geschichte der siebenbürg. Sachsen (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1874); Zimmermann und Werner, Urkundenbuch zur Geschichte der Deutschen in S. (Bd. 1, Hermannst. 1892); Archiv des Vereins für siebenbürg. Landeskunde (Nene Folge, 26 Bde., ebd. 1854-94).
Siebenbürger Eisenbahnen. Die S. E. hatten 1895 eine Gesamtlänge von etwa 1250 km, von denen gegen 800 km dem ungar. Staate und gegen 300 km Privatgesellschaften gehören, aber von den ungar. Staatsbahnen betrieben werden. Nur eine Privatbahn, die Szamosvölgyer Eisenbahn (Szamosthaler Bahn), verwaltet ihr 222 km langes Netz, von welchem der kleinere Teil in Ungarn liegt, selbst. Die erste Eisenbahn war die "Siebenbürger Eisenbahn", deren Strecken teils in Ungarn (101,83 km), teils in Siebenbürgen (188,24 km) lagen; die Bahn, deren Linien Arad-Karlsburg 22. Dez. 1868 und Piski-Petroseny 28. Aug. 1870 eröffnet wurden, gehörte einer Privatgesellschaft und wurde 1884 verstaatlicht. Unter den Staatsbahnstrecken sind 1895 hervorzuheben (Großwardein-) Ungar. Grenze bei Csucsa-Klausenburg-Tövis-Hejjasfalva-Kronstadt-Predeal (rumän. Grenze, 428 km), Kis-Kapus-Hermannstadt (45 km, 1. Okt. 1872 eröffnet), Tövis-Piski-Zám (ungar. Grenze, Richtung auf Arad) u.s.w. Von den Privatbahnen unter Staatsverwaltung sind zu erwähnen: Maros-Vásárhely-Szász-Regen, Maros-Ludas-Bistritz (109,4 km, 13. Juli 1888 eröffnet), Kronstadt-Kézdi-Vásäárhely (76,7 km), Kronstadt-Zernest (27,9 km) und Kronstadt-Bertalan-Hoszufalu (15,84 km, 7. März 1892 eröffnet) u.s.w. Die Fortsetzung der Linie Großwardein-Tövis führt von der an der rumän. Grenze bei Predeal (1025 m) gelegenen Station über Sinaia und Ploesci nach Bukarest (s. die Karte zum Artikel Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen).
Siebenbürgisches Erzgebirge, Teil der Karpaten (s. d., Bd. 10, S. 186 b).
Siebendörfer, die im Komitat Kronstadt in Siebenbürgen, östlich von Kronstadt, in langer Reibe am Fuße des Riesensteins (Piatra mare) in malerischer Umgebung liegenden sieben Dörfer: Bácsfalu (1862 E.), Csernátfalu (2628 E.), Hosszúfalu (s. d., 6420 E.), Pürkerecz (2036 E.), Tatrang (3251 E.), Türkös (3277 E.) und Zajzon (1329 E.), von Csango-Magyaren (s. d.) und griech.-orient. Rumänen bewohnt. Sie sind wahrscheinlich zur Sicherung der Grenzpässe angelegt worden.
Sieben freie Künste, s. Freie Künste.
Sieben Freuden Mariä, s. Mariä sieben Freuden.
Siebengebirge, Teil des Westerwaldes auf dem rechten Rheinufer südlich von der Sieg, in der Gegend der Stadt Königswinter im preuß. Reg.-Bez. Köln, hat seinen Namen von einer Gruppe von Basalt-, Dolerit- und Trachytkegeln, die aus der etwa 55 qkm bedeckenden Bergreihe hervorragen. Die bedeutendsten sind: der Große Ölberg 464 m, die Löwenburg 459, der Lohrberg 440, der Nonnenstromberg 336, der Petersberg 334, mit einer Wallfahrtskapelle des heil. Petrus, die Wolkenburg 328 und der Drachenfels 325 m hoch. Andere zählen auch den Hemmerich, die Rosenau, den Breiberg oder den Zankberg in die Kette. Die besuchtesten sind der Drachenfels (s. d.), ferner die Löwenburg mit ihrer prächtigen Waldkuppe und der Ölberg. Ebenso ist die alte Abtei Heisterbach (s. d.) das Ziel vieler Besucher. Überhaupt zeichnet sich die Gegend durch ihre Anmut sowie durch Sagenreichtum und histor. Erinnerungen aus. In Königswinter wird der in großen Steinbrüchen gewonnene Trachyt zu Bausteinen verarbeitet, die das hauptsächlichste