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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Signalement - Signoria
dem S< gewissermaßen in der Übermittelung einer
chiffrierten Depesche; der Deutsche kann sich z.V.
mit dem Portugiesen mit Hilfe der beiderseitigen S.
verständigen, ohne Portugiesisch zu verstehen. Nm
das Geben der Signale zu erleichtern, sind in einer
zweiten Abteilung des S. nochmals alle Buchstaben-
kombinationen, also Signale, nach der alphabetischen
Reihe der Stichwörter geordnet. Eine dritte Abtei-
lung enthält die Fernsignale, eine vierte, aus vier
Flaggenkombinationen bestehend, steht jedem See-
staat zur Verfügung als Unterscheidungssignale
für seine Kriegs- und Handelsschiffe. Da Schiffe
verschiedener Nationalität dieselben Unterschei-
dungssignale erhalten, so giebt hierbei die National-
flagge, die gleichzeitig wehen muß, Aufschluß, in
welcher Liste der Schiffsname zu finden ist. (Vgl.
S. für Kauffahrteischiffe aller Nationen, und Amt-
liche Liste der Schiffe der deutschen Kriegs- und
Handelsmarine, hg. jährlich vom Neichsamt des
Innern.) Auch die Signale mit dem Semaphor (s. d.)
sind in dem S. enthalten.
Jede Kriegsmarine führt ein besonderes S., das
auch das Signalisieren bei Nacht und Nebel ge-
stattet und namentlich taktifche und Gefechtssignale
in ausführlicher Behandlung enthält. Diese S.
werden streng geheimgehalten. Für den Verkehr mit
fremden Kriegs- und Handelsschiffen wird außer-
dem das Internationale S. und die zugehörigen
Flaggen geführt. (S. auch Signal.)
Signalement (frz., spr. -l'mäng), s. Nationale.
Signalhorn, foviel wie Buglehorn (s. d.).
Signalinstrumente, in der Feldmeßkunst,
s. Meßinstrumente, geodätifche. ftahnsignale.
Signalordnung, s. Bahnpolizei und Eisen-
Signalraketen, s. Raketen.
Signatar (frz.), der Unterzeichner eines Vertrags
u. s. w.; Signatarmächte, Kollektivbezeichnung
für Staaten, die an einem völkerrechtlichen Vertrage
durch Unterzeichnung desselben teilgenommen haben.
Signatur (vom lat. 8iFinim, Zeichen), ein Zei-
chen, wodurch Ordnung, Wert oder Charakter u.s.w.
einer Sache angedeutet werden soll. In der Ge-
schäftssprache heißt S. die Bezeichnung einer
Schrift mit einemNamenszugestatt dervollständigen
Namensunterschrist, was man in Frankreich Para-
phieren nennt. S. nennt man ferner Aufschriften,
Zeichen und Marken auf Warenkisten, Fässern,
Paketen u. s. w. - In der Buchdruckerkunst ist
S. die schon von dem unbekannten Drucker der "^on-
coi-äantiae didliorum" des Conradus de Alemannia
1470 angewandte Art der Bezeichnung der einzelnen
Druckbogen eines Buchs, woraus sich deren Auf-
einanderfolge und der Umfang des ganzen Werkes
erkennen läßt. Die ältere S. geschah durch 23 Buch-
staben des Alphabets, wobei V und W wegfielen;
sie wurden bei den ersten 23 Bogen einfach, bei den
zweiten doppelt gebraucht u. s. w. Daher gab man
auch die Stärke eines Buchs nach den Alphabeten
an und fagte z. V.: ein Buch von drei Alphabeten.
Jetzt wird die S. durch fortlaufende Ziffern ausge-
drückt, welche auf der ersten Seite des ersten Bogens
ohne (1), auf der dritten Seite mit einem Stern
(1*) steht, und so bei allen Bogen eines Werkes fort-
laufend, also z. B. 2-2*, 3-3^, weiter geführt
wird. Hierdurch erkennt der Buchbinder auch beim
Falzen der Bogen, welche Seite des Bogens nach
außen gefalzt werden muß, da die S. ohne Stern
beim Falzen obenauf zu liegen hat. S. ist nicht mit
Norm (s. d.) zu verwechseln. - In der Schrift-
gießerei ist S. ein rundlicher oder eckiger, an der
vordern Seite des Typenkörpers beim Guß oder durch
Hobeln angebrachter Einschnitt zur Unterscheidung
der verschiedenen Sorten eines Schriftgrades.
In topographischenund kartographischen
Arbeiten (Planzeichnen) sind S. alle zur Kenn-
zeichnung bestimmter Gegenstände, Bodenbedeckun-
gcn u. s. w. ein für allemal festgesetzten und ange-
wendeten Zeichen. Da sehr viele und oft besonders
wichtige Dinge in einer Karte (Plan) bei einer dem
Maßstabe derselben genau entsprechenden geome-
trisch richtigen Verkleinerung sehr undeutlich und
kaum erkennbar werden würden, so bedient man sich
der S., um solche Dinge ihrer Bedeutung entsprechend
hervorzuheben. Diese S. sind in verschiedenen Kar-
ten vielfach sehr verschiedenartig gewählt, und zum
Lesen einer Karte ist daher die Kenntnis des zuge-
hörigen Zeichen- oder Signaturenschlüssels
erforderlich, der die Erklärung aller angewendeten
S. enthält, über einzelne S. f. Terrainzeichnung.
Über S. in der Mufik f. Bezifferung.
3iFna.türa.tVlnpori8 (lat.), Signatur der Zeit,
etwas die Zeitverhältnisfe Charakterisierendes.
Signet (lat.), f. Druckerzeichen und Nx lidi-is.
Signeur Metzmahl, f. Grimmelshausen.
Signieren (lat.), bezeichnen, unterzeichnen.
Signifizieren (lat.), bezeichnen, anzeigen, be-
deuten; signifikant, bedeutsam; Signifika-
tion, Bedeutung, Kennzeichen^ Anzeige.
SiFnors (ital., spr. ßinjo-), Herr; 8131101^,
Herrin; beides auch als Höflichkeitsanrede; 813110-
i-lna, Fräulein.
Signorelli (spr. ßinjo-), Luca, ital. Maler, geb.
um 1441 zu Cortona, gest. 1523, wurde zuerst von
umbrischen Meistern, dann von Piero della Fran-
ccsca unterrichtet, mit welchem er eine Zeit lang in
Arezzo arbeitete; später wirkte er in Cittä di Ca-
stello, in Perugia, 1478 in Loretto und um 1484
zu Rom in der Sirtinischen Kapelle (Fresken aus
dem Leben des Moses). Auch in Siena und Flo-
renz war er thätig. S. faßte die verschiedenartigen
Bestrebungen der florentin. Maler nach naturtreuer
Darstellung in erhabenerm Sinne zusammen, doch
sehlte ihm ein höherer Farbensinn. Am schönsten
entwickelte er seine Eigentümlichkeit in den Wand-
gemälden (Das Jüngste Gericht), mit denen er samt
seinen Schülern seit 1499 die von Fra Angelico be-
gonnene Ausmalung der Kapelle der Madonna di
San Brizio im Dom zu Orvieto vollendete. Es
sind mächtig ergreifende, leidenschaftlich bewegte
Kompositionen, meist von nackten Gestalten, die
zwar streng, aber edel gezeichnet und voll gewaltigen
innern Lebens sind (Detail s. Tafel: Italienische
Kunst VII, Fig. 2). S. tritt als Vorgänger Michel-
angelos auf. Zu nennen sind von seinen Schöpfun-
gen noch: Verkündigung (1491; im Dom zu Vol-
terra), Madonna mit vier Heiligen (im Dom zu
Perugia), Einsetzung des Abendmahls (1512; im
Dom zu Cortona), Heilige Familie (Uffizien zu Flo-
renz), Geburt Maria (Paris, Louvre), Geburt Christi
(Hofmuscum in Wien), zwei Altarflügel mit Heili-
gen sowie Pan und die Hirten (im Berliner Mu-
seum). - Vgl. Robert Vischer, Luca S. und die
ital. Renaissance (Lpz. 1879). S.s Illustrationen
zu Dantes "Göttlicher Komödie" gab F. F. Kraus
heraus (11 Lichtdrucktafeln, Freiburg 1892).
Signorm (ital., spr. ßinjo-, "Herrschaft"), in
Florenz der die Republik leitende Rat, in welchem die
Zunftvorsteher und der Gonfaloniere (s. d.) saßen.