Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

284

Steiermark

in Leoben, 5 Obergymnasien, 3 Untergymnasien, 2 Ober-, 1 Unterrealschule, 1 städtisches Mädchenlyceum in Graz, 2 Lehrer- und 2 Lehrerinnen-Bildungsanstalten, 1 Staatsgewerbeschule in Graz, 2 gewerbliche Fachschulen und 16 gewerbliche Fortbildungsschulen, 1 höhere und 7 niedere Handels- und 1 Bergschule, 4 niedere land- und forstwirtschaftliche Schulen, 22 Gesang- und Musikschulen, 1 Hebammenschule, 8 weibliche Arbeitsschulen, 17 sonstige besondere Lehr- und Erziehanstalten und (1892) 851 Volks- und 10 Bürgerschulen mit 173992 schulbesuchenden Kindern (93,8 gegen 74,2 Proz. der schulpflichtigen Kinder im J. 1875). Außerdem bestehen: das landschaftliche Joanneum in Graz mit vortrefflichen Sammlungen, je ein histor., geognostisch-montanistischer, naturwissenschaftlicher und juridischer Verein, eine Landwirtschaftsgesellschaft, je ein Gartenbau-, Seidenbau-, Forstverein, ein Verein zur Beförderung der Industrie, sämtlich in Graz, mehrere Musik- und Gesangvereine.

Verfassung und Verwaltung. Die Verfassung beruht auf der Landesordnung und Landtagswahlordnung vom 26. Febr. 1861. Der steiermärk. Landtag, der vom Kaiser jährlich nach Graz berufen wird, ist zusammengesetzt aus den beiden Fürstbischöfen von Seckau und Lavant, dem Rektor der Universität Graz und aus 60 auf sechs Jahre gewählten Abgeordneten, nämlich 12 vom großen Grundbesitz, 19 von den Städten und Märkten, 6 von den Handels- und Gewerbekammern zu Graz und Leoben und 23 von den Landgemeinden. Der Vorsitzende (Landeshauptmann) wird vom Kaiser ernannt. S. sendet nach dem neuen Wahlgesetz (1896) 27 Abgeordnete in das österr. Abgeordnetenhaus, und zwar 4 Vertreter des Großgrundbesitzes, 8 der Städte und Märkte, 2 der Handels- und Gewerbekammern in Graz und Leoben, 9 der Landgemeinden, 4 der Allgemeinen Wählerklasse (gewählt durch allgemeines Stimmrecht).

An der Spitze der Verwaltung steht der Statthalter, zugleich Vorsitzender des Landesschulrates in Graz. Ihm unterstehen 4 Städte mit eigenem Statut und 20 Bezirkshauptmannschaften (1890):

^[Leerzeile]

Städte mit eigenem Statut und Bezirkshauptmannschaften qkm Häuser Wohnparteien Einwohner Einw. auf 1 qkm

Städte:

Graz 21,56 4637 25472 112069 5198

Cilli 1,68 319 1141 6264 3729

Marburg 7,03 867 3948 19898 2830

Pettau 2,71 307 754 3924 1448

Bezirkshauptmannschaften:

Bruck a. d. Mur 2155,71 7543 12871 65877 31

Cilli (Umgebung) 2001,22 23849 27186 129457 65

Feldbach 987,88 13373 15474 84340 85

Graz (Umgebung) 1145,54 10892 16123 82273 71

Gröbming 1877,73 6378 5704 29116 16

Hartberg 988,94 8874 9248 52890 53

Judenburg 1675,03 6414 10532 56326 34

Deutsch-Landsberg 802,01 9016 10707 51896 65

Leibnitz 743,07 10848 12478 63981 86

Leoben 1094,82 4813 9707 47570 43

Liezen 1397,30 4245 4404 23416 17

Luttenberg 316,12 5892 6001 26672 84

Marburg (Umgebung) 1186,23 16364 18375 88659 75

Murau 1385,10 4337 4649 26735 19

Pettau (Umgebung) 984,77 18613 17362 79150 80

Radkersburg 449,09 6477 7680 39547 88

Rann 612,85 9264 10074 48010 78

Voitsberg 675,95 5124 8003 41216 60

Weiz 1080,29 9681 10876 61156 57

Windischgraz 836,76 7020 8488 42266 51

^[Leerzeile]

Die Finanzverwaltung besorgt die Finanz-Landesdirektion in Graz, unter ihr drei Finanz-Bezirksdirektionen für den indirekten und die Steueradministration in Graz sowie 6 Haupt- und 57 Steuerämter für den direkten Steuerdienst. Die Salinenverwaltung in Aussee untersteht direkt dem Finanzministerium in Wien. Für die Rechtspflege bestehen das Oberlandesgericht in Graz (zugleich für Kärnten und Krain) als zweite Instanz, ein Landesgericht in Graz und zwei Kreisgerichte in Cilli und Leoben sowie 72 Bezirksgerichte als erste Instanz. Dritte Instanz ist der Oberste Gerichts- und Kassationshof in Wien. Militärisch gehört S. zu dem Gebiet des Korpskommandos in Graz, welches außer S. auch Kärnten, Krain und das Küstenland umfaßt. Das Landeswappen zeigt einen Feuer speienden aufrechten, rotgehörnten, silbernen Panther mit vierfachem Schwanze in Grün. Auf dem Schilde ein Fürstenhut. (S. Tafel: Wappen der Österreichisch-Ungarischen Kronländer, Fig. 4, Bd. 12, S. 726.) Die Landesfarben sind Grün-Weiß.

Geschichte. Unter röm. Herrschaft gehörte der östl. Teil von S. zu Pannonien, der westliche zu Noricum. Schon damals war das von den kelt. Tauriskern bewohnte Land seines Eisens und Stahls wegen berühmt und auch seiner Viehzucht halber bekannt. Nach den Stürmen der Völkerwanderung, während deren es von den verschiedensten Stämmen durchzogen wurde, ließen sich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrh. auch hier Winden oder Slowenen nieder, und das Land bildete einen Teil Karantaniens (s. Kärnten), mit dem es in Abhängigkeit vom Herzog von Bayern und dann unter die Herrschaft Karls d. Gr. und seiner Nachfolger kam. Als Otto I. nach dem Siege auf dem Lechfelde (955) die Verteidigung der Ostgrenze Deutschlands gegen die Ungarn organisierte, errichtete er auch eine "Kärntner Mark", die das Gebiet an der mittlern Mur und obern Raab umfaßte und vom Röthelstein südlich von Bruck bis Radkersburg reichte. Der erste Markgraf, der 970 erwähnt wird, ist Markward, der Stammvater der Eppensteiner, dessen Sohn Adalbero auch als Graf in den nordwestlich anstoßenden Grafschaften erscheint. 1035 erhielt die Mark Arnold von Lambach, dessen Sohn Gottfried den Ungarn Pütten jenseit des Semmering entriß. Arnolds Verwandter Ottokar, Graf im Traungau, von bayr. Geschlecht, der 1056 vom Kaiser mit der Kärntner Mark belehnt wurde, nannte sich wie seine Nachfolger nach seiner Burg Steier "Markgraf von Steier", bis dieser Name endlich auch auf das Land übertragen wurde. Ottokars I. Nachkommen erwarben, meist durch Erbschaft, ausgedehnte Gebiete, so daß die S. bis nach der Mitte des 12. Jahrh. fast überall die heutigen Grenzen erhielt. Ottokar IV. wurde 1180 zum Herzog erhoben, vermachte aber, da er kinderlos war, 1186 seine Besitzungen seinem Verwandten Leopold V. von Österreich, der 1192 auch vom Kaiser mit S. belehnt wurde. Nach dem Tode des letzten Babenbergers (1246) brachen um den Besitz der S. Streitigkeiten aus, bis sich 1259 die Bewohner gegen die Ungarn, die sie vorübergehend an sich gebracht hatten, erhoben und Ottokar II. von Böhmen als Herrn anerkannten. Dieser mußte S. 1276 an Rudolf von Habsburg abtreten, der 1282 seine Söhne damit belehnte. Bei der 1379 zwischen Albrecht III. und Leopold III. vorgenommenen Länderteilung wurden die Gebiete von Steier, Hallstadt und Ischl zu Österreich geschlagen, und