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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Straßenbahnen

(Pferdebahn, genauer Pferdeeisenbahn) oder durch Motoren.

Dampfbetrieb empfiehlt sich besonders überall da, wo mehrere zu einem Zuge vereinigte Wagen gleichzeitig auf längere Strecken ohne zu häufiges Anhalten zu befördern sind (Dampfstraßenbahnen, Dampftrambahnen). Zur Beförderung der Straßenbahnzüge werden Lokomotiven (Straßenbahnlokomotiven) verwendet, die je nach der geforderten Leistung eine Kraft von 15 bis 100 Pferdestärken haben und mit Rauchverbrennungs- und Kondensationsvorrichtungen versehen sind, damit die Straßenanwohner und die auf der Straße verkehrenden Personen nicht durch Rauch und Dampf belästigt werden. Bei dem Rowanschen Dampfwagen sind, wie Taf. I, Fig. 2, zeigt, die bewegende Maschine (Dampfmaschine) und der zur Beförderung der Personen oder Güter dienende Wagen zu einem Ganzen vereinigt, welches das nötige Adhäsionsgewicht besitzt, während bei Anwendung besonderer Maschinen (Lokomotiven) diese selbst das nötige Adhäsionsgewicht haben müssen. Die Leistungsfähigkeit des Rowanschen Dampfwagens ist indessen nur eine beschränkte, da demselben nur bei günstigen Bahnverhältnissen noch weitere Lasten (ein oder mehrere Wagen) zur Mitbeförderung angehängt werden können. Der Rowansche Dampfwagen ist im Gebrauch auf der 9 km langen Trambahn zwischen Kopenhagen und dem Seebad Klampenborg, ferner bei Berlin, vom Nollendorfplatz einerseits über Schöneberg und Friedenau nach Steglitz, andererseits über Zoologischen Garten und Halensee nach Grünewald (Schmargendorf, Paulsborn, Hundekehle) u. s. w. Die Geschwindigkeit der Wagen auf der Trambahn Kopenhagen-Klampenborg ist auf 16 km für die Stunde beschränkt. Bei Berlin beträgt die Fahrgeschwindigkeit 10 km in der Stunde. Die Dampfmaschine arbeitet dort zur Verhütung des Ausstoßens von Dampf mit Kondensation, die durch Benutzung des Wagendaches als Kühlfläche unter Anwendung sehr dünner Kupferplatten erreicht wird. Es sind dazu Register aus Kupferwellblech verwendet, die mittels Draht an Eisenbügeln über der Wagendecke aufgehängt sind. Die sog. feuerlosen Dampfwagen haben keine eigene Feuerung und entwickeln daher keinen Rauch. Soll die Maschine zur Wirksamkeit kommen, so wird der mit Wasser gefüllte Kessel mit einem stationären Kessel in Verbindung gesetzt, von dem aus hochgespannter Dampf in das Kesselwasser einströmt und dasselbe auf eine Temperatur erhitzt, welche einem Druck von etwa 15 Atmosphären entspricht. Eine gebräuchliche Konstruktion dieser Lokomotive ist das System Lamm-Francq, das von der Lokomotivfabrik Hohenzollern in Düsseldorf-Grafenberg gebaut wird. Einen von dieser Firma gebauten feuerlosen Dampfwagen von 25 Pferdestärken zeigt Taf. I, Fig. 3.

Neben den Dampfmaschinen finden zum Betrieb von S. vereinzelte Anwendung die Druckluftmotoren. Taf. I, Fig. 4, zeigt einen in Chester fahrenden Druckluftmotorwagen während der Füllung der Luftbehälter an einer Haltestelle. Näheres über diese S. mit Preßluftbetrieb s. Atmosphärische Eisenbahnen.

Der Betrieb von S. durch Gasmotorwagen war zuerst von Hasse & Co. in Berlin in Aussicht genommen durch Konstruktion einer Gaslokomotive (deutsches Patent vom 6. Dez. 1877). Das Problem wurde im In- und Auslande von vielen Konstruk-

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teuren bearbeitet (Daimler in Cannstatt, Gebr. Körung in Hannover, Holt in Manchester u. a.). Der erste praktische Versuch wurde 1885 mit einem Gasmotorwagen in Melbourne gemacht. Eigentliche Bedeutung gewann die Gasbahn erst durch Lührig in Dresden, der 1892 seine Konstruktion veröffentlichte und einen Probebetrieb mit 5 Motorwagen in Dresden einrichtete. Die Lührigschen Patente sind von der im März 1895 gegründeten Deutschen Gasbahngesellschaft in Dessau übernommen worden, nachdem 1894 die Gasbahn in Dessau eröffnet worden war. 1897 wurde die erste größere Gasbahn in Deutschland, die Hirschberger Thalbahn (15,2 km) von Hirschberg über Warmbrunn nach Hermsdorf, eröffnet.

Der Lührigsche Gasmotorwagen (Taf. II, Fig. 2) hat folgende Einrichtung. Unter den Sitzbänken ist auf jeder Seite ein zweicylindriger Deutzer Gasmotor montiert, dessen Bewegung durch Zahnräder und Gelenkketten auf die Wagenachsen übertragen wird. Die 8 Gasbehälter, in denen das Gas auf 6-7 Atmosphären komprimiert ist, befinden sich unter den Plattformen. Für das Kühlwasser ist ein Bassin auf dem Dach aufgestellt. Neuere Wagentypen haben nur einen Motor, ferner statt des Kühlbassins einen Schlangenkühler, der leichter ist als das Bassin, sowie Dberdecksitze. Die jetzigen Motorwagen der Dessauer Gasbahn brauchen durchschnittlich etwa einen halben Kubikmeter Gas pro Wagenkilometer. In der Komprimierstation wird das Gas auf 8-10 Atmosphären komprimiert. Mit einer Gasladung werden 12-16 km und mehr durchfahren. Eine Ladung dauert 2-3 Minuten. Der Gasverbrauch reguliert sich selbstthätig nach dem Kraftverbrauch.

Von stationären Maschinen betrieben werden die besonders in Nordamerika (San Francisco, Chicago, Neuyork) sowie in engl. Städten in Anwendung gekommenen Seilbahnen (auch Kabel- oder Taubahnen). Bei denselben läuft ein Seil ohne Ende, das von einer feststehenden Maschine in beständiger Bewegung erhalten wird, auf Leitrollen in einer eisernen Röhre, die in der Mitte des Bahngleises unter der Straßenoberfläche verlegt ist. Um die Bahnwagen in Bewegung zu setzen, wird ein senkrechter Führungsarm, der am untern Ende eine Klemmvorrichtung trägt, an das Drahtseil festgeklemmt. Zu diesem Zwecke ist die Röhre in ganzer Länge mit einem 2 cm breiten Schlitz versehen. Um den Wagen zum Stehen zu bringen, wird die Klemmvorrichtung gelockert. Die in San Francisco aus zwei Wagen bestehenden Züge verkehren teilweise in starken Steigungen (bis 1:16,5) mit einer Geschwindigkeit von 10 km in der Stunde. Auf der großen, Neuyork und Brooklyn verbindenden East-Riverbrücke (s. Hängebrücken) wird die Straßenbahn mit einem 38 mm dicken, 3492 m langen und 18154 kg wiegenden Drahtseil betrieben. Dasselbe wird mit 15 km Geschwindigkeit in der Stunde täglich 20 Stunden lang im Betrieb erhalten. Die Zahl der Wagen, welche gleichzeitig angehängt sind, beträgt 10 bis 20, das Gewicht derselben durchschnittlich je 10 t. In Taf. II, Fig. 3, ist die Brücke mit den Straßen-, Kabelbahn- und Fußgängeranlagen im Querschnitt gezeichnet. In London sind ebenfalls bereits Pferdebahnen in Seilbahnen umgewandelt und größere Strecken zum Umbau in Aussicht genommen.

Eine immer steigende Verbreitung finden die elekirischen S. (s. Elektrische Eisenbahn).