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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tabak

in Matten von Schilf, Körben von Rohr (Varinaskanaster von Venezuela), Bastmatten oder in ähnlicher Form vor. Haupthandelsplätze für überseeische T. sind Bremen, Hamburg, Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und Neuyork; für den inländischen Markt ist Mannheim von hervorragender Bedeutung.

Technische Behandlung (Tabakfabrikation). Der zum Rauchen aus Pfeifen bestimmte T. (Rauchtabak im engern Sinne) erfordert sorgfältige Sortierung des Rohtabaks nach Farbe und Art sowie auch eine Mischung der Sorten. Zuerst erfolgt das Anfeuchten der Blätter, um ihnen die für die weitere Verarbeitung nötige Geschmeidigkeit zu geben. Es kann durch einfaches Begießen mit Wasser, welchem oft ein gewisser Prozentteil Salz zugesetzt wird, geschehen oder durch besondere Apparate in Form einer Trommel, durch welche die Blätter laufen, während ein feiner Sprühregen von Wasser zur Wirkung kommt; manche Fabriken benutzen Dampf statt Wasser. Die angefeuchteten Blätter bleiben dann noch auf Haufen liegen, damit sie gleichmäßig durchziehen. Dem darauf folgenden Schneiden des T. geht in vielen Fällen eine Reihe von Vorarbeiten voraus, welche einerseits die Beseitigung der stärkern Stengel und Rippen, andererseits die Veredelung der Qualität des T. durch besondere Zubereitung zum Zweck haben. Das Entrippen geschieht bei Blättern mit starken Rippen (Blattnerven) durch Auslösen der Rippe mittels eines kurzen Messers mit abgerundeter Spitze oder durch Abschneiden des vorstehenden Teiles mittels eines schweren, scharfen Messers oder mittels besonderer Schneidzeuge mit zwei am Vorderende scharfen Klingen, die so weit voneinander gestellt sind, daß eine Rippe von gewöhnlicher Stärke gerade zwischen ihnen Platz hat. Die ausgeschnittenen Rippen werden durch ein Rippenwalzwerk (s. Tafel: Tabakfabrikation, Fig. 1) gepreßt, wodurch eine leichtere Verbrennung und auch größere Gleichmäßigkeit des gemischten Materials erzielt wird. Besondere Blattglättmaschinen walzen außerdem die ganzen Tabakblätter glatt. Die Verbesserung der "roh" und "wild" schmeckenden Sorten geschieht zunächst durch Auslaugen mittels Lösungen von Alkalien, Salzen oder Säuren, seltener durch Rösten auf erhitzten Eisenplatten oder in besondern Apparaten, am zweckmäßigsten aber durch einen zweiten rationell geleiteten Gärungsprozeß, zu welchem Behuf die Blätter in feuchtem Zustand in geräumige Gefäße eingepreßt und bei gelinder Wärme sich selbst überlassen werden.

Eine Geschmacksveredelung des T. erreicht man ferner durch das Saucieren, d. h. durch Zusatz von Beizen, Brühen oder Saucen. Die Saucen, welche fast von jeder Fabrik anders gemischt werden, sind meist wässerige Auszüge von Zuckerstoffen, allerlei Gewürzen, Salzen, Färbemitteln, wohlriechenden Substanzen und Alkohol. In der einfachsten Weise pflegt man das Saucieren derart vorzunehmen, daß man die in Bündel gebundenen Blätter in die Sauce taucht, hierauf einige Augenblicke mit der Spitze auswärts gekehrt über den die Sauce enthaltenden Bottich hält, um die überflüssige Brühe ablaufen zu lassen, und sie dann aufgeschichtet oder in Tücher eingeschlagen liegen läßt, bis sie gleichmäßig durchzogen sind. Vielfach bedient man sich auch mechan. Vorrichtungen von der Art der Auslaugepressen, durch welche in kürzerer Zeit ein besseres Resultat erreicht wird. Um Blättern, welche von Natur oder infolge der Gärung sehr dunkel sind, eine hellbraune oder gelbe Farbe zu geben, werden dieselben mit Ocker und Curcuma gefärbt oder besser durch Schwefeln gebleicht.

Das Schneiden des T. geschieht unmittelbar nach dem Anfeuchten der Blätter, oder nach dem Saucieren oder Färben. Die einfachste Vorrichtung hierzu ist die Schneidlade mit Handbetrieb, die ähnlich einer Häckselmaschine eingerichtet ist. In größern Fabrikbetrieben werden Tabakschneidmaschinen benutzt, deren Messer gleich einer Schere wirkt oder an einem um einen festen Punkt drehbaren Hebel schwingt, oder eine Kreisbewegung ausführt und bei jeder Rotation einen oder mehrere Schnitte macht. In Fig. 2 ist eine Tabakschneidmaschine der erstgenannten Art abgebildet.

Der geschnittene T. wird in der Regel noch geröstet, um ihm das Wasser zu entziehen und etwa vorhandenen scharfen Geschmack und dumpfigen Geruch zu nehmen. Die Tabakröstmaschine oder der Dörrapparat besteht aus einer mit einem Mantel aus Eisenblech umgebenen drehbaren Trommel aus Eisenblech, welche mittels Dampf oder Koksfeuer erhitzt wird. Im Innern der Trommel wird der T. durch zwei der Längsrichtung nach angebrachte Rechen gelockert und gewendet, und die durch die Feuchtigkeit des T. entstehenden Dämpfe werden durch einen Saugapparat ins Freie geführt. Von der franz. Tabakregie ist der Rollandsche Dörrapparat (Torrefacteur) mit Erfolg eingeführt. Derselbe gestattet eine ununterbrochene Zuführung des T., während am entgegengesetzten Ende das fertig geröstete Produkt ausgeworfen wird. Der Unterbau dieses Dörrapparats ist mit Kanälen durchzogen, die frische Luft unter den Mantel der Maschine zuführen, wo dieselbe erwärmt und dann in das Innere der Trommel eingeführt wird. Für große Mengen T. von einer und derselben Sorte, wie sie nur in Fabriken, die von einem Staate in großartigem Maßstabe angelegt sind, vorkommen können, ist dieser Apparat praktisch; für die Bedürfnisse der freien Tabakindustrie, die mit kleinern Mengen viel verschiedenartigerer T., deren Wassergehalt und Röstzeit nicht gleich sind, zu rechnen hat, eignet er sich weniger und wird vorteilhaft durch die von Ferd. Flinsch, W. Fredenhagen u. a. konstruierten Maschinen ersetzt, bei denen unter Beibehaltung der Grundprincipien des Rollandschen Apparats die periodische Füllung und Entleerung gewählt ist (Fig. 5). Kleine Fabriken kommen mit der flachen Darre aus, wie sie z. B. A. Heinen in Varel liefert. Bei ihr cirkuliert das Feuer unter einer starken gußeisernen Platte, welche noch eine Schutzplatte direkt über dem Feuer hat. Der flache Blechkasten, welcher den zu röstenden T. enthält, ruht auf einer etwa 5 cm hohen Sand- und Lehmschicht.

Nach dem Rösten muß der T. schnell abgekühlt werden. Während er in kleinen Betrieben in möglichst dünnen Lagen auf große Flüchen ausgebreitet wird, benutzt man im großen vielfach die Tabakverkühl- und Siebmaschine (Fig. 4). Der T. wird bei A aufgegeben, durchläuft die rotierende Trommel, deren erste Hälfte C1 mit Blech, die zweite C2 mit Drahtgewebe überzogen ist. Am Ende der Trommel fällt der T. in den Behälter D, dessen Boden durch eine Klappe gebildet wird, die sich öffnet, sobald sich eine bestimmte Menge angesammelt hat, um sich dann durch das Gegengewicht wieder zu schließen. E ist ein Ventilator zur Erzeugung eines kalten Luftstroms, der Staub und Dämpfe durch den Kanal B fortführt.