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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vereinigte Staaten von Amerika (Geschichte bis 1861)

ordentliche ereignet, daß keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhielt und deshalb das Repräsentantenhaus zwischen den drei Männern, welche die meisten Elektorenstimmen erhalten hatten, zu wählen hatte. Es entschied für Adams gegen Jackson, obgleich letzterm 99, ersterm bloß 84 Stimmen zugefallen waren. Der Interessenkampf brach auf das heftigste aus, als 1828 das sog. Amerikanische System des Hochschutzzolls eingeführt wurde, eine Maßregel, in der die südl. Pflanzer- und Ackerbaustaaten eine Begünstigung der nördl. Industriestaaten erblickten und neuen Ansporn zur Befestigung ihrer eigenen Macht fanden.

IV. Die Periode der Vorherrschaft des Südens (bis 1861). Die Erregung der Südstaaten, mit denen die Demokraten des Nordens Hand in Hand gingen, verhalf nach einem beispiellos heftigen Wahlkampfe dem energischen, demagogisch-demokratischen Andrew Jackson (s. d.) zum Präsidentenamte, das er zwei Termine hindurch (1829-37) behauptete. Seine Persönlichkeit und seine Verwaltung stand in schroffem Gegensatz zu denjenigen seiner gemäßigten Vorgänger. Er führte zuerst das System einer durchgreifenden Parteiherrschaft ein nach dem Grundsatze "Dem Sieger gehört die Beute" und dehnte die Parteiherrschaft auch auf die ganze Regierungspolitik aus, so in der Tariffrage, indem er eine gründliche Abänderung der erst kürzlich eingeführten Zollsätze (1833) durchsetzte, so in der Bankfrage, bei der er, selbst gegen den ausdrücklich erklärten Willen des Kongresses, der seit 1816 bestehenden Nationalbank zunächst die Regierungseinlagen entzog und sodann auch die Nichtverlängerung ihres Privilegiums durchsetzte. Beide einschneidenden Maßregeln führten eine beispiellose Finanzkrisis herbei, die nicht wenig zum Sturze der Demokratischen Partei beitrug. Es ist bezeichnend, daß unter Jacksons Verwaltung die südländische Theorie der "Nullifikation", d. h. die Berechtigung eines Staates, ihm mißliebige Gesetze des Bundes nicht anzuerkennen, Gestalt annahm und zwar zunächst in Südcarolina, das 1832 aus Anlaß der Tariffrage sogar Anstalten traf, mit bewaffneter Macht für das Recht der Nullifikation einzutreten. Jackson trat zwar mit großer Energie gegen die Secessionisten auf, in der That setzten aber diese ihren Hauptzweck, Änderung des Tarifs, durch. Inzwischen war übrigens bereits durch die Zölle die Staatsschuld der Union völlig getilgt worden (1834). Arkansas und Michigan wurden 1836 und 1837 neue Staaten der Union.

Unter Jacksons Nachfolger, Van Buren (s. d.) von Neuyork (1837-41), kam die Finanzkrisis zum vollen Durchbruch, und die Union mußte wieder 12 Mill. Doll. Schulden machen. Der Präsident unterlag bei der Neuwahl dem von den Whigs aufgestellten Gegner, General Harrison (s. d.). Da dieser aber schon einen Monat nach Antritt der Präsidentschaft starb (4. April 1841), gelangte der Vicepräsident John Tyler (s. d.) ins Amt (1841-45). Dieser, ein früherer Demokrat, fiel alsbald, obgleich von den Whigs gewählt, dem Einfluß seiner ehemaligen Parteigenossen anheim. Das trat namentlich in der eben wieder stark auftauchenden Sklavenfrage hervor. Da den Sklavenstaaten eine Ausdehnung nach Norden vorläufig durch das Missourikompromiss noch unmöglich gemacht war, hatten sie ihr Augenmerk auf die benachbarten mexik. Gebiete gerichtet. Sie förderten die Unabhängigkeitsbewegung von Texas, und ihr Führer, John C. Calhoun (s. d.), schloß bereits 12. April 1844 mit diesem Staat einen Einverleibungsvertrag ab. Der Widerstand der Whigs gegen dieses Vorgehen hielt den Präsidenten nicht ab, dem Vertrage 1. März 1845 seine Zustimmung zu geben, er führte auch dazu, daß ein sehr unbedeutender Demokrat, James Polk (1845-49), im Kampfe um die Präsidentschaft den genialen Whigführer Henry Clay (s. d.) lediglich deshalb besiegen konnte, weil Polk die Annexion von Texas um jeden Preis vertrat. Es kam nun zum Kriege mit Mexiko, der von den Unionstruppen unter den Generalen Taylor und Winfield Scott äußerst glücklich geführt wurde und mit der Einnahme der Hauptstadt Mexiko (15. Sept. 1847) durch Scott sein Ende fand. Der Friede von Guadelupe-Hidalgo (2. Febr. 1848) überließ der Union Texas, Neumexiko und das von Oberst Fremont (s. d.) und Kommodore Stockton (schon 8. Febr. 1847) annektierte Kalifornien, wogegen die Union an Mexiko 15 Mill. Doll. zu zahlen und etwa 3 1/2 Mill. Schulden Mexikos zu übernehmen hatte. Damit hatte die Union in überaus rascher Ausdehnung bereits die ganze Breite des Weltteils vom Atlantischen bis zum Stillen Ocean umfaßt. Da 1846 auch der langwierige Grenzstreit mit Großbritannien bezüglich Oregon durch einen Vergleich beendet wurde, war unter Polk der Union ein Gebietszuwachs von mehr als 3 Mill. qkm geglückt.

Die Entdeckung der Goldfelder in Kalifornien hatte zu einer unglaublich raschen Entwicklung des Goldlandes geführt, so daß Kalifornien bereits 1850 als neuer Staat anerkannt wurde, nachdem ihm 1845 Florida und Texas, 1846 Iowa, 1847 Wisconsin vorangegangen waren. Abermals war es jedoch die Sklavereifrage, die vor der Aufnahme Kaliforniens die heftigsten Parteikämpfe veranlaßte. Das starke Anwachsen der Bevölkerung in den nördl. Staaten und die damit verbundene Gefahr einer dauernden Steigerung des nördl. Einflusses drängte die südl. Sklavenhalter zu immer extremern Maßregeln. Daß es bei der Präsidentenwahl im Nov. 1848 den Whigs abermals gelingen konnte, ihren Kandidaten General Taylor durchzusetzen, war für die Südländer eine noch schärfere Mahnung, als die zwei Jahre vorher nur mit äußerster Mühe durchgesetzte Beseitigung des sog. Wilmot-Provisos, wonach in den von Mexiko zu erwerbenden Gebieten Sklaverei für immer ausgeschlossen bleiben sollte. Zudem hatten im Norden die Gegner der Sklaverei (s. Abolitionisten) bereits angefangen sich zu organisieren und aggressiver vorzugehen. Deshalb widersetzten sich die Südländer energisch der Zulassung des freien Staates Kalifornien. Nach schweren Kämpfen setzte Henry Clay 1850 ein Kompromiß durch, daß zwar Kalifornien zugelassen und die Sklaverei im Distrikt der Bundeshauptstadt aufgehoben, zugleich aber den Territorien Neumexiko und Utah Sklaverei gestattet, Texas zur Regulierung der Grenzen 10 Mill. Doll. erhalten und ein strenges Gesetz für Verfolgung und Auslieferung flüchtiger Sklaven erlassen werden solle. Während dieses Konflikts starb Präsident Taylor, und der Vicepräsident Fillmore (1850-53) kam zur Regierung, abermals ein dem Süden gefügiger Mann. Ein Konflikt mit England in der Fischereifrage wurde 1852 friedlich beigelegt. Ein durch eine energische Expedition unter Kommodore Perry Japan 31. März 1854 abgerungener Handelsvertrag eröffnete dieses Land dem Welthandel.

Unter dem nächsten Präsidenten Franklin Pierce (1853-57), der völlig zum Werkzeug der Sklaven-^[folgende Seite]