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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Veronese - Verordnung
eines röm. Doppelthores, init teilweise erhaltener
Inschrift, stammt aus derselben Zeit wie die Porta
de' Borsari. An die alte.hauptwache, Gran Guardia
antica, 1609 von Curtoni, einc^n Neffen San-
michelis, erbaut, setzt als Getreidemarkt und zu Aus-
stellungen benutzt, stößt ein altes Thor, Portenone.
Im Hofe des Teatro Filarmonico, unter den 1745
erbauten Arkaden, befindet sich das von Scipione
Maffei gegründete Museo Lapidario mit Inschrifteli
und Skulpturen. Der Giardino Ginfti enthält röm.
Altertümer und zahlreiche Cypressen, von denen
viele 400 bis 500 Jahre alt und 40 in hoch sind; der
großartige Cimitero (Friedhof) hat Marmorgruppen
von Spazzi, stattliche Propyläen, eine Kuppelkirche
und marmorne Grabmäler.
An Unterrichtsanstalten bestehen ein Lyceum,
Gymnasium, bischö'fl. Seminar, technisches Institut,
eine Maler- und Bildhaucrakademie, eine landwirt-
schaftliche Akademie, die Gesellschaft für Bienen-
knltur, die erste nach deutschem Vorbilde in Italien,
und das von Nicola Mazza gestiftete Privatinstitut
für arme Mädchen, in welchem Stickerei sowie Her
stellung künstlicher Blumen betrieben werden. Die
Industrie ist nicht bedeutend, mehr der Handel mit
Seide, Wein, Getreide und Ol.
Als Festung ist V. wichtig als Hauptstützpunkt
der Etfchlinie. Die bis ins 10. Jahrh, zurück-
reichende bastionierte Umwalluug wird im N. durck
das hoch gelegene Castello S. Felice laus dem
14. Jahrh.) überragt. Am rechten Ufer liegt eine
Kette meist kleiner, 1848-49 erbauter Werke; da
vor auf 4 Inn von der Stadt eine Gürtellinie von
7 Forts (1859). Am linken Ufer liegt im O. auf
etwa 4 km die Gruppe der Forts S. Michele, Ca-
Bellina, Montorio und Preare, im N. auf dem
Montc-Gaina die Forts Sta. Sofia, ^. Leonardo
und S. Mattia neben kleinern Anlagen.
V. wurde von Rhatiern und Euganeern gegründet,
war seit 89 v. Ehr. röm. Kolonie und hatte in den
got.-laugobard. Zeiten große Bedeutung, unter an-
derm als Residenz des Ostgotenkönigs Theodorich, der
daher in der Sage Dietrich von Bern (d.i. Verona)
beißt. Längere Zeit Hauptstadt des Gebietes der
oellaScala (s.d.), kam es dann unter mailünd., venet.
und 1814 österr. Herrschaft. Seit 1866 ist es italienisch.
Der vom Okt. bis Dez. 1822 abgehaltene Kon-
greß von V. wurde namentlich durch die ital.
und span. Revolutionen veranlaßt. Das Haupt-
ergebnis war das Zugeständnis an Frankreich, mit
bewaffneter Macht die Pyrenäifche Halbinsel zur
Wiederherstellung der Monarchie zu zwingen. (S.
Spanien, Geschichte.)- Vgl. Nonzani, 1^6 anti-
cditü. äi V. (Verona 1833); Perini, 8toi'ia äi V.
dlü 1790 l^I 1822 (3 Bde., ebd. 1873-85).
Veronese, Paolo, s. Paolo Veronese.
Veroneser Erde, s. Grünerde.
Veroncser Gelb, s. Antimongelb.
Veroneser Grün, s. Grünerde.
Vsroliioa. ^., Ehrenpreis, Pflanzengattung
aus der Familie der Scropbulariaceen (s. d.) mit
gegen 200 fast über die ganze Erde verbreiteten Arten,
charakterisiert durch den vierteiligen Saum der mei-
stens blauen Blumen, deren unterer Abschnitt sckmä-
ler ist, zwei Staubgefäße mit zwei schuppigen Über-
stanbgefäßen und eine ausgerandete, zweifücherigc
FruWaMl. Sie unvfaßt sowohl einjährige und
ausdauernde Kräuter wie Halbsträucher und ist in
Neuseeland sogar durch Sträucher und Bäume ver-
treten. Ihre Arten haben gegenständige oder quir-
lige, selten wechselständige Blätter, und ihre Blü-
ten bilden entweder achsel- oder am Stengel und an
den Asten endständige Trauben. Mehrere einjährige
Arten, wie V. ln-vonsig ^,. (Feld eh renpreis,,
V61-N3. ^., IiLäm-aet'olia ^). u. a. sind überall als
Unkräuter gemein. Einige ausdauernde Arten wach-
sen in Bächen und an Ufern, unter diesen V. an^-
Miiig ^. und V. dcceHliiiiiFH ^., beide als Bach-
bunge (s. d.) für die Küche als Gemüfepflanze ge-
sammelt. Früher als heilkräftig geschätzt war V.
<Mcina1i8 ^., guter Ehrenpreis und Kohler-
kraut genannt, überall in trocknen Wäldern, mit
vielblütigen Trauben kleiner lilafarbiger Blüten.
Als Gartenzierpflanzen werden von den in Deutsch-
land einheimischen hauptsächlich V. 8picat^ ^. und
lon^it'uliH I>. wegen ihrer schönen Blütentrauben
kultiviert, ferner V. mm-itim^ !>., der Strand-
! ehrenpreis, gleichfalls eine europ. Art, mit
">!)-60 cmi hohen Stengeln und rifpigen Endtrauben
blauer Blumen. Eine für Gewächshäuser und Wohn-
räume sebr wertvolle Zierpflanze ist die nensee-
ländiscke V. 8p6eio83. /Zoo/.-., ein immergrüner
Strauch mit etwas fleischigen, verkehrteirunden,
meergrünen, oberseits glänzenden Blättern und vio-
letten Blumen in ährcnförmigen Trauben, und
Vcn-. i-udi'll, init amarantroten Blumen und meb-
rern schönen Blendlingsformen. Sie blühen von
August au bis tief in den Winter hinein und lassen
sich durch Stecklinge leicht vermebren.
Veronika, die Heilige, eine fromme Frau, die
in Rom gestorben sein soll, reichte nach der Legende
Christus auf seinem letzten Gange ihr Sckweißtuä-"
(s. d.) zum Abtrocknen dar. Christus nabm es an,
und auf dem Tuche drückte sich sein Gesicht <das sog.
Heilige Gesicht, Voroniccm) ab. Der Geda'chtnic--
tag der V. ist der 4. Febr.
Eine andere Heilige, V. von Mailand, war
Nonne im Kloster der Augustinerinncn zu Sama
Marta in Mailand, starb 1497 und wurde wegen
ihrer Wunderthaten heilig gesprocken.
Verordnung, Verördnungsrecht. Verord
nung beißt jede Rechtsvorschrift, welche nicht in der
Form des Gesetzes, insbesondere also ohne Zustim-
mung des Landtags erlassen wird. Sie steht im
Gegensatz zur Verfügung und zur Entscheidung,
welche nur einen einzelnen Fall betreffen (doch ist hier
die Grenze schwankend) und andererseits in formeller
Beziehung zum Gesetz. Die sog. Vollzugs- oder Aus-
führungsverordnungen dienen speciell zur Durch-
führung und Handhabung der Gefetzc und dürfen
nichts enthalten, was dem Gefetz widerfpricht. Nur
diejenigen Verordnungen, welcke nach einigen Ver-
fassungen, z. V. der preußischen, im Falle dringenden
Notstandes vom Landesherrn unter Verantwortlich-
keit des Ministeriums erlassen werden können, wenn
der Landtag nicht versammelt ist, die sog. Not-
standsvcrordnungen, können sicb auf den ge-
samten Vereich der Gesetzgebung erstrecken, also auch
Gesetze, mit Ausnahme der Verfassung, rechtsgültig
abändern oder aufheben; sie müssen aber dem Land-
tage bei seinem nächsten Zusammentreten vorgelegt
werden und verlieren ihre Geltung, wenn derselbe die
Genehmigung versagt (Preuß. Verfassung Art. 63:
die Reichsverfassung enthält eine analoge Vorschrift
nicht). Das Recht zum Erlaß von Verordnungen
steht dem Landesherrn als dem Chef der Reglel'tttt^
zu, es kann aber auch den Ministern und andern Be-
börden delegiert werden. Von besonders praktischer
Wichtigkeit sind diePolizeiverordnungen. Die