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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Waldfischbach - Waldhühner
zwischen den in Reihen eingesetzten kleinen Holz-
pflanzen meist Sommergetreide und das erst im
zweiten Jahre nach der Aussaat Frucht tragende
Staudenkorn ausgesät. Manchmal findet nach der
letzten Getreideernte noch Grasnutzung statt. Vor-
teile dieses W. find in waldbaulicher Beziehung
leichte Aufforstung infolge der gründlichen Boden-
lockerung, wiederholte Zerstörung des Nnkrautwuch-
ses, verminderte Gefahr der Austrocknung des tief
gelockerten Bodens, Beseitigung des den Nadelholz-
knlturen oft so nachteilig werdenden Fraßes des
großen brannen Rüsselkäfers, in finanzieller Be-
ziehung die Erträge der landwirtschaftlichen Neben-
nntzungen, die den Aufwand für die Waldkultur
nicht 6loß ersetzen, sondern oft nicht unerheblich
übersteigen. Allerdings tritt später nicht selten ein
Nachlassen des anfänglich sehr günstigen Wachs- '
tums der fo begründeten Bestände ein, auch ist die
Gefahr einer Erschöpfung der Bodenkrast nicht ganz
ausgefchlosfen. Ziemlich ausgebreitet ist diefer W.
im Grohherzogtum Hessen zwischen Main, Rhein
und Neckar (bei Darmstadt und in der Oberförsterei
Viernheim) fowie in Böhmen (Piset). (Vgl. Bericht
über die XV. Versammlung deutscher Forstwirte zu
Tannstadt 1886.) Die erwähnten Vorteile bietet
nur in sehr beschränkter Weise ein einfaches Ver-
fahren des W., bei dem die Kahlschläge ohne tief-
gehende Bodenlockerung gleichzeitig mit der durch
Saat oder Pflanzung erfolgenden Bestandsgrün-
dnng nur einmal mit Sommergetreide oder Stauden -
torn angesät werden. I)Bd. 17.
Waldfischbach, Dorf in der bayr. Pfalz, f.
Waldfläche, die mit Wald bedeckten Boden
flächen. Ganz genane statist. Angaben über die W.
giebt es überhaupt nicht, da die innerhalb des Wal-
des vorhandenen unproduktiven Flächen (Felsen,
Gewässer, Lawinenzüge), ebenso Wege, Steinbrüche,
Lagerplätze u. s. w. nicht immer genügend ausge-
schieden sind. Im großen ganzen kann man etwa
3^5 Proz. der W. als NichtHolzboden rechnen.
Die W. im Deutschen Reiche im 1.1893:
Staaten
Waldfläche in Hektar
FuProz.der Gesamtfläche
Vreuken
8192 505
23,5
2 508088
33,1
387 729
26,0
Württembc-rq.........
599 853
30,8
Baden............
566159
37,5
Hessen............
240706
31,3
Mecklenburg-Schwerin.....
233681
17,8
92 567

Mecklenburg Strelitz......
61010
20^8
Oldenburg..........
67 852
10,6
Braunschweig........
108 648
29,9
Sachsen-Meiningen......
103497
41,9
Sachsen-Altenburg ......
36106
27,3
Sachscn-Coburg-Gotha.....
58 739
30,0
Anhalt............
57 015
24,8
Schwarzburg-Soudershauscn , ,
26 354
30 6
Schwarzburg Rudolstadt , . . ,
41 62"
44,1
Waldeck...........
12 992
38,3
11414
36 1
Neuß jüngerer Linie .....
31132
3/,7
Schaumburg-Lipp" ......
7102
20,9
Lippe , ,'..........
32 978
27,2
Lübeck
4008
13,4
Bremen...........
352
1^4
Hamburg...........
1710

Elsaß Lothringen.......
442 995
30^5
Deutsches Reich I 13 956 827
In der Österreichisch-Ungarischen Monarchie be-
trägt (1892) dic W. 18961005 ka, also 30,47 Proz.
der Gesamtflälbe, in der Schweiz (1894) 836334 na
(20,2 Proz.), in Frankreich (1395) 839713 l. 1i3, also
16 Proz. der Gesamtfläche.
Vollständig unsicher sind die Angaben über die Be-
waldung der meisten übrigen europ. Länder. Man
nimmt an, daß ungefähr von der Gesamtfläche be-
waldet sind in Italien 18, Spanien 17, Portugal 10,
Türkei 22, Griechenland 16, Rumänien 12, Serbien
20, Bosnien 45, Großbritannien 3, Dänemark 5,
Niederlande 8, Belgien 13, Norwegen 24, Schwe-
den 39, Rußland 35 Proz.
Waldstachs, Pflanzengattnng, s. I^inai-ia.
Waldformation, soviel wie Wealdenformation.
Waldfrevel, s. Forstfrevel.
Waldgeier, s. Bussard.
Waldgenossenschaften, Verbände, die den
Zweck haben, für einen stark zersplitterten Wald-
besitz durch gemeinschaftliche Maßregeln und Ein-
richtungen eine angemessene Bewirtschaftung und
wirksamen Forstschutz Zu beschaffen. Nach dem preuß.
Gefetz vom 6. Juli 1875 kann eine solche Genossen-
schaft gebildet werden, wenn eine nach dem Kata-
stralreinertrag zu berechnende Mehrheit der Betei-
ligten sich dafür ausspricht. Die Genossenschaft be-
sitzt jurist. Persönlichkeit, und ihre Auflösung sowie
jede Naturalteilung des Genossenschaftswaldcs kann
nur in gleicher Weise, wie dic Gründung, durch einen
Mehrheitsbeschluß erfolgen. (H. Schutzwald und
Forstpolizei.) ^nus, Waldkult.
Waldgötter, s. Pan, Faunns, Satyrn, Silva-
Waldgräsereiberechtigung, Waldgrund-
gerechtigkeiten, s. Forstberechtigungen (Bd. 17".
Waldhaus, Kuranstalt, s. Flims.
Waldhausen, K onrad v on, der erste Vorläufer
der hussitischen Bewegung (s. Huß und Hussiten),
geboren zu Waldhausen in Oberösterreich, wirkte
zuerst als Prediger und Lehrer in Österreich, wurde
1360 Pfarrer in Leitmeritz, 1364 erster Pfarrer
in Prag und starb hier 8. Dez. 1369. Er verlangte
vor allem eine Reformation der sittlichen Ordnung
und Disciplin. - Vgl. Menzik, K. Waldhäuser
iPrag 1884).
Waldheher, soviel wie Eichelhcher, s. Heher.
Waldheim, Stadt in der Amtshauptmannschaft
Döbeln der sächs.Kreishanptmannschaft Leipzig, an
der Zschopau, der Linie Chemnitz - Riesa und den
Nebenlinien Penig-W. (41,4 km) und W.-Kriebe-
thal (3 km) der Sächs. Staatsbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Chemnitz), hat (1895)
9936 E., darunter 385 Katholiken, Postamt erster
Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Reiterdenkmal
Kaiser Wilhelms I. (1897), Zuchthaus für Männer
und Frauen (1877 Insassen); Fabrikation von Cigar-
ren, Möbeln, Tuch, Bettzeug, Filz, Schuhwaren,
Strumpfwaren und Trikotagen,Serpcntinstein- nnd
Blechspielwaren, Holzschnitzerei, Stuhlbauerei und
lebhaften Getreidehandel. In der Nähe das alte
Schloß Kriebstein (s. Tafel: Burgen I, Fig. 4).
Waldhirse, s. Milwui.
Waldhorn, s. Horn (Musikinstrument).
Waldhufen, s. Dorffystem.
Waldhühner (I^traouinHe), Unterfamilie der
Rauchfußhühner (s. d.), deren Nasengrube mit kleinen
Federn ausgesüllt ist und die kräftige, nicht sehr
hohe, in verschiedenem Nmsange befiederte, aber
stets sporenlofe Länfe haben. Sie bewohnen in 3
(nach Ansicht mancher Forscher in 10) Gattungen
und einigen 20 Arten die nördlichen gemäßigten
und kalten Gegenden bis hoch znm Pol hinauf. Zn
den W. gehören der Auerhahn, das Birkhuhn, das