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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wechselströme - Weckherlin
durch ihre Bedeutung verloren, daß in Deutschland
und Österreich (Gesetz vom 29. Mai 1868, Gesetz
vom 4. Mai 1868) die Echuldbaft aufgehoben und
der persönliche Sicherheitsarrest nur noch wie für
jede andere Schuldverbindlichkeit zur Sicherung
der gefährdeten Zwangsvollstreckung in das Ver-
mögen zulässig ist, der Wechselprozeß aber zu einem
Verfahren gestaltet ist, dessen Besonderheiten nicht
allein für Ansprüche aus dem Wechsel gelten, l^.
Wechselprozeß.) Bestehen geblieben aber ist die sog.
materielle W., d. h. der aus der abstrakten Natur
der dnrch Ausstellung, Accept, Indossament, Mit-
unterschrift begründeten Verpflichtnng folgende
Grnndsatz, daß jeder Nechselschuldner jedem Wecksel-
gläubiger regelmäßig für Zahlung und Sicherheits-
leistung unbedingt und ohne Rücksicht auf das dem
Wecksel zu Grunde liegende eigentliche Reckts-
verbä'ltnis haftet. Daraus folgt die dem Wechsel-
Prozeß eigentümliche Beschränkung der Einreden.
(S. Wechselklagcn.)
Wechselströme, elektrische Ströme, welche in
ibrer Richtnng ganz regelmäßig abwechseln, so daß
auf jeden positiven ein negativer und umgekehrt
folgt. - Über die N. in der Telegrapbie s. Telc-
graphenbetriebsweisen und Telegraphenschaltungen.
- In der Startstromtechnik sind W. die von Wech-
s e l st r o in m a s chinen l s. Dynaniouiasckinen) er-
zeugten Ströme. (Ausführliches über die Theorie
der^W. f. Wechselstrom, Bd. 17.) - Über W. mit
hobcr Freqllellz f. Teslasche Versuche.
Wechfelstuhl, s. Weberei.
Wcchsclsumme, der im Wechsel bezeichnete
Betrag, der gezahlt werden soll; er muß eine be-
stimmte Geldsnmme sein und wird nach der Übung
in Zahlen und Buchstaben ausgedrückt' bei Disse-
renz gilt der Betrag in Buchstaben. Anf Waren
oder Wertpapiere darf der Wechsel nicht lauten.
Das bedeutet aber der vielfach vorkommende Zufatz
neben der Geldsumme "oder Wert", "o. W." (Wert-
w ecksel) nicht, sondern nur, daß statt der angegebe-
nen Geldsorte eine andere, nämlich die am Zahlnng^-
ort übliche Münze, nach Wert oder Kurs zu zahlen
freistehen foll. In demselben Sinne gilt der Zuscch
"oder Äiünze nach Kurs". Es kommt vor, daß nack
dem Kurs zur Zeit der Begebung gezahlt werden
soll ("Kurs laut Indossament", ^xcliai^e ^8 i)6v
tMlIoi'8oili6M); dann wird der Kurs, zu welchem be-
geben wird, im Indossament angegeben. Ist im
Wechsel angegeben "Kurs vom Tage der Aceepta-
tion" lexcIiÄiiFo ol t1i0 ä^ ot' ^coL^tanc"), so ist
im Aeeept der Kurs zu vermerken' nach diesem wird
dann bezahlt. Wird beabsichtigt, daß die im Wechsel
angegebene Münzsorte gezahlt werden soll, obwohl
sie am Zahlungsorte keinen Umlauf hat, fo wird
dies durch den Zusatz "effektiv" ausgedrückt. Die
W. muß ebenso wie die Zahlnngszeit eine einzige be-
stimmte sein; deshalb sind die sog. Ratenwechsel
("am ... zahlen Sie 5>0 Mark", "am ... zahlen ^ie
109 Mark") nngültig. Verzinslich darf die W. im
Wechsel nicht gemacht werden; nach der Teutschen
Wechselordnung gilt das Zinsversprechen als nicht
geschrieben, nach der Österr. Wechselordnung macht
es den Wechsel ungültig. jWechselregreß.
Wechselverjährung, s. Wechseltlagen und
Wechsel von der Hand, s. Gemachtes Papier.
Wechsclvorvertrag, s. Wcchseischluß.
Wechselwarme Tiere, s. Wärme (tierische).
Wcchfelweizen, Neizensorte, die sowohl als
Winter- wie als Sommetfrucht angebaut wird.
Wechselwild, s. Wechseln.
Wechselwirkung, ein Verhältnis wechsel-
seitigen Wirkens und Erleidens, d. h. ein Verhältnis
zweier Substanzen ^ und 1^ von der Art, daß zu-
gleich ^ auf 15 und N auf ^ eine Wirkung ausübt;
das typische Beispiel einer solchen ist die Wechsel:
seitige Anziehung zweier Körper.
Wechselwirtfchaft, s. Betriebssystem.
Wechselzersetzung, s. Chemische Prozesse.
Wechselzinsfuß, s. Zinsen.
Wechfelzüge, s. Echiebezüge.
Wechsler, s. Geldwechselgeschäft.
Wecke, in der Heraldik eine der Raute ls. d.)
verwandte Figur, welche sich von dieser durch ihre
schlankere Gestalt unterscheidet. Das bekannteste
Weckenwappen (geweckt) ist das von Bayern. (S.
Tafel: H eraldischeTypenI, Fig. 18; II, Fig. 1-1.)
Weckelsdorf oder W eke ls d orf, ezech. 'loMcö,
Marktflecken im Gerichtsbezirk Politz der österr. Be-
zirkshauptmannschast Braunan in Böhmen, an dem
zur Elbe gehenden Adersbach und der Linie Chotzen-
.Valhstadt der Osterr.-Ungar. Staatsbahn, hat (1890)
1219 deutsche E., Schloß, Brauereien, Leinen- und
Baumwollweberei, Gerberei, .Holzstofffabrik, Lein-
wand- und Garnbleiche. W. ist berühnit durch die
Weckelsdorf e rFel s enstadt, großartigen Felsen-
gebilde, welche die Adersbacher Felsen (s. Aders-
bacb) bei weitem übertreffen. Die Felfen (feit 1817
für Fremde zugänglich gemacht) bestehen ans Quader-
sandstein lTuroner Region, Iserschichten), der vom
Wasser ausgehöhlt ist, und haben eine Köhe von
36 bis 70 m. Etwa 4 kin westlich von Braunau, bei
dein Torfe Weckersdorf, ist eine ähnliche Felsen-
bildung, Stern genannt.
Wecker, W e ck eruh r, eine Vorrichtung an Uhren,
die zu einer beliebig festgesetzten Zeit von dem Uhr-
werk selbstthätig ausgelöst werden kann und dann
ein scharf tonendes Klingelwerk in Bewegung setzt.
- Über elektrische W. s. Elektrische Klingeln und
Anrufapparate sowie Elektrische Telegraphen.
Weckersdorf, s. Weckelsdorf.
Weckeruhr, f. Wecker.
Weckherlin, Georg Rudolf, Dichter, geb.
15. Hept. 1581 in Stuttgart, studierte in Tübingen
die Reckte und lebte dann längere Zeit in Frankreich
und in England. Nach seiner Rückkehr (Kill)) wurde
er Sekretär in der herzogt. Kanzlei zu Stuttgart,
1<)'2<> erhielt er eine Anstellung in der deutschen
Kanzlei in London, welche während des Dreißig-
jährigen Krieges dort errichtet wurde. Durch den
Krieg verlor er sein väterliches Erbe, und auch ein
großer Teil seiner Iugendgedichte ging dabei zu
Grunde. Er selbst blieb in London und starb daselbst
13. Febr. 1l)53. Ein gebildeter.Hofpoet, der nur für
Adel und Gelehrte dichtet, steht W. an der Spitze
unserer Renaissaneedichtung. Die Ode, das Sonett,
die Ekloge und das Epigramm führte er eigentlich zu-
erst in die dentschc Litteratur ein. Gegenüber den stren-
gern metrischen Gesetzen, wie sie Opitz anwendete,
stand W. im Versbau anfangs mehr auf dem Boden
der ältern Zeit, eignete sich aber allmählich manches
aus engl. Vorbildern und von Opitz an. Zwei voll-
ständige Ausgaben feiner Dichtungen besorgte er
selbst von London ans (2 Bde., Amsterd. 1611,1648).
Kritische Ausgabe von h. Fischer (2 Bde., Tüb.
1801,1895- Nr. 199, 200 der Bibliothek des Stutt-
garter Litterarischen Vereins); Auswahl von Goe-
deke (in den "Deutschen Dichtern des 17. Jahrh.",
Bd. 5, Lpz. 1873). - Vgl. E. Hopsner, W.s Oden