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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Zeichenschutz - Zeichnung
dekorierung sowie für Tapetenfabritation auszubil-
den, und die ebenfalls mehrjährigen Kurs bei vollem
Tagesunterricht habcn. In dritter Linie stehen die
gewerblichen Fachzeichenschulen, welche nur
init Sonntags- und Abendunterricht außer Frei-
Hand-, geometrischem und Projektionszcichncn haupt-
sächlich Fachzeichnen für einzelne Gewerbe betreiben.
Die unterste Stufe bilden die gewerblichen Z.,
welche Gewerbtreibende bauptsächlich im Freihand-
zeichnen fördern sollen, schulen der ersten beiden
Gruppen existieren in den meisten größern deutschen
und auch in allen großen außerdeutschen Staaten:
sehr häusig sind die Schulen der dritten und ins-
besondere die der vierten Gruppe, sie finden sich sogar
in kleinen Städten und in großem Dorfgemeinden.
Zeichenschutz, soviel wie Markenschutz ls. d.).
Zeichensprache, jede Art der Mitteilung, welche
nicht mittels der Lautsprache, d. h. durch Töne vor
sich geht, die "Sprache ohne Worte"; sonach geboren
hierher alle natürlichen und theatralischen, rhetori-
schen u. s. w. Gesten, Gebärden, Mienenspiel, Lachen,
Weinen, Zeichen des Beifalls, der Ehrerbietung, der
Verachtung, der Liebe <Kuß); Signale, z. B. dnrcb
Anklopfen, Glocken u. dgl., Pfeifsprachc auf Gomera,
Trommelsprache in Kamerun, Schüsse, Flaggen-
sprache, dann Blumen-, Bilder-, Briefmarken-,
Fächer-, Handschuhsprache u. s. w. Im speciellen
Sinne versteht man unter Z. die Gebärdensprache
is. Gebärden) und Fingersprache (s. d. und Taub-
stummenunterricht). Die Z. findet sich bei fast allen
Völkern und ist besoudcrs bei den Neapolitanern und
den nordamerik. Indianern ausgebildet. Schon Beda
Venerabilis schrieb ein besonderes Wert über die
Z. ("I)<? lo^u^Ia. i)6i' Le8tuin (ll^itoi-uin"). - Vgl.
ferner Andrea de Iorio, I^a miinic.T <Io"1i mitictii
inv68ti^atii noi f^68tire uaMliwuo (Neap. 1832);
Garrict Ätallery, ^i^n^n^ull^e anioiiA ^l)itli Ame-
rican Indianß, com^aioä ^vitii tdat amcmg otiier
P60pl68 anä (ieüfmut"!> lWashingt. 1881); ders.,
^ieture-^viitin^ <^f tlil^ ^mei'iclui IndiliN8 (ebd.
1893); Kleinpaul, Sprache ohne Worte. Idee einer
allgemeinen Wissenschaft der Sprache (Lpz. 1888).
Zeichentelegraphen, s. Optische Telegraphen.
Zeichentinte (W äschezeichentinte), s. Tinte.
Zeichentisch, s. Zeichengeräte; Z. zum Mikro-
skopieren, s. Mikroskop (Bd. 17) und die dazuge-
hörige Taf. II, Fig. 7. Ad.).
Zeichenutensilien, soviel wie Zeichengeräte
Zeichnen, Zeichentun st, die Kunst, durch
Striche mittels eines spitzen Instruments auf einer
Fläche einen Gegenstand der Wirklichkeit oder der
Einbildung anschaulich zur Darstellung zu bringen.
I. Das künstlerische Z. stellt einen Gegen-
stand ineist perspektivisch dar (s. Perspektive) und
zwar durch einfache Wiedergabe seiner Umrißlinien
lKonturz eich nung), oder durch Andeutung
seiner verschiedenen Abteilungen und Nebenfor-
men mittels einfacher Linien, oder durch Andeu-
tung von Licht und Schatten mittels der Schraf-
fierung, endlich durch Darstclluug der den Körper
bildenden Flüchen durch breite Strichlagen, ohne
Angabe der Umrißlinien. Im letztern Fall nähert
sich die Zeichnung der Malerei. Unter Tusch zeich-
nung versteht man ein Mittelglied zwischen diesen
beiden, nämlich das Ausmalen der Umrißzeich
nung an Stelle des Echrafficrens zunächst mit
einem Ton (Tusche, Sepia, Bister, Neutraltinte,
Karmin), später mit mehrcrn, endlich mit einer der
Wahrheit sich näbernden Farbenskala (Illuminieren >.
Das Z. kann geschehen mit der Feder, mit dein
Stift (Silberstift, Bleistift, Graphitstift, Rötel, Kreide,
Kohle, Farbenstift, Pastellstift) oder, wie es die
Japaner vorzugsweise thun, mit spitzem Pinsel.
Je nach der Ausführung der Zeichnungen unter-
scheidet man: Skizzen (s.d.), sorgsam ausgearbeitete
Zeichnungen mit Andeutungen aller Einzelheiten,
Studien <s. Studium, Studienkopf), Akte (s. d. und
Gliedermann), Kartons (s. d.), Pausen (s. d.).
II. Das technische Z. dient zur Darstellung
technischer Gegenstände, die nach der betreffenden
Zeichnung ausgefübrt werden sollen. Da aus einer
technischen Zeichnung die Vtaße bequem zu entnehmen
sein müssen, werden diese Zeichnungen nicht in Per-
spektive, wie die meisten künstlerischen Zeichnungen,
sondern in Parallelprojektion ls. Projektion) auf-
geführt. Hierbei ergeben sich vielfach Scharen von
geraden Linien, deren Gewinnung nach den rein
aeometv. Konstruktwnsregcln zu umständlieb ist, so
daß man sich praktischer Hilfsmittel zu ibrer rascben
Gewinnung bedieut. Die Reißschiene (s. Zeichen-
geräte) liefert durch Verschieben an der linken Zeichen-
brettkante lauter parallele Horizontallinien. Ein auf
der Reißschiene längs einer Kathete verschobenes
Dreieck (s. Dreiecke) dient mit der andern Kathete
zur Erzeugung voil beliebigen Vertikallinien. Anderc-
als horizontal oder vertikal gerichtete Parallelen
erzeugt man durch zwei aneinandergelegte Dreiecke,
indem man das eine Dreieck mit einer Seite in der
gewünschten Richtung einstellt und an der benach-
barten Seite des andern Dreiecks verschiebt. Lote
fällt man durch Verschieben der Hypotenuse des einen
Dreiecks. Eine technische Zeichnung wird mit Bleistift
angelegt und dann mit chines. Tusche nachgezogen.
Nachdem die Bleistiftlinien mit einem Radiergummi
entfernt sind, werden Querschnitte mit einer be
stimmten, das Material bezeichnenden Farbe (z. B.
blau für Schmiedeeisen, violett für Stahl, ^elb für
Messing u. s. w.) angelegt; oft werden auch Schatten
getuscht. Eine fertige technifche Zeichnung kann aus
Pauslcinwand (s. d.) oder Pauspapier (s. d.) durch-
gezeichnet werden, und diese so erhaltenen durch-
sichtigen Kopien lassen sich beliebig oft durch das
Lichtpausverfahren ls. d.) vervielfältigen. (S. auch
Bauzeichnung, Kroki, Terrainzeichnung.) - Vgl.
Gründling und Hannemann, Theorie und Praxis
der Zeichenkunst sür Handwerker, Techniker und bil-
dende Künstler (4. Aufl., Weim. 1883)' Benkwitz,
Die Darstellung der Bauzeichnung (Berl. 1889);
A. zur Megede, Wie fertigt man technische Zeich-
nungen (4. Aufl., ebd. 1894); Klinger, Malerei und
Zeichnung (2. Aufl., Lpz. 1895); Riedler, Das Ma-
schinen;eichnen (Berl. 1897).
Zeichnen, das Verhalten des Wildes unmittel
dar nach dem Schusse. -^ Z. heißt auch das Gebaren
des Leitbundes (s. d.), wenn er die Wildfährte findet.
(S. Anziehen.)
Zeichnende Künste, diejenigen Künste, bei
denen Zeichnungen von sichtbaren Formen die
Grundlage bilden lf. Graphische Künste).
Zeichnung, kaufmännisch und juriftifch: 1) Ab-
gabe der Uuterschrift des eigenen Namens des Zeich-
nenden oder seiner Firma, oder des Namens oder
der Firma desjenigen, den er zu vertreten befugt ist.
Der Zeichnende bekennt sich damit zu denjenigen
Erklärungen, welche die Schrift als von ihm ab-
gegeben wiedergiebt. Er muß diefelbc gegen sich
gelten lassen, obne mit dem Einwände gebort zu
werden, er babe dav Unterschriebene zuvor nicht ge-