Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

945
Zelle (Robert) - Zellensystem (bei Schiffen)
zcn sich fort; sie bewegen sich und reagieren auf
äußere Reize. Diese Verrichtungen beruhen auf der
Thätigkeit des organifchen Substrates, des Eiweißes
oder Protoplasmas: in ihm spielen sich alle Lebens-
Prozesse ab. In gleicher Weise wie diese isoliert
lebenden, verhalten sich die Z. im Körper der
mehrzelligen Tiere; die Lebenvtbätigkeit und die
physiol. Leistungen dieser letztern sind die Summe
aus den Einzelleistungen der Z. Das heißt aber
nun nicht, daß etwa jede Z. an allen Leistungen
Autci!. hat' es baben sich vielmebr, und zwar je
böher der Organismus entwickelt ist, in um so aus-
gesprochenerm Vtaße, infolge des Princips der
Arbeitsteilung, je eine Anzabl von Z. bald dieser,
bald jener Leistung vorzngsweise gewidniet und da-
mit zngleich auch eiue für Besorgung der betreffen-
den Funktion möglichst günstige Beschaffenheit an-
genommen. 6s kommen auf diese Weise die ab-
weichenden Gestaltungen der tierischen Z. <z. V. Mus-
kclzellen, Nervenzellen) zu ftande; dadnrch, daß
weiterbin eine Anzabl gleich geformter und gleich
funktionierender Z. zu grösiern zlomplerell sich ver-
einigen, entstehen dann Einheiten böherer Ord-
nung, die sog. Gewebe (s. d.). Wie sich im Lanfe
der Zeiten die höhcrn Tiere aus den niedern ein-
zelligen entwickelt baben, so bildet die einzelne Z.
auch im Leben jedes Einzelwesens den Auvgangv-
puukt, die Eizelle. Aus ihr eutstehen infolge dev
sog. Furchung^prozesses erst ^, dann 4, >^ u. s. w.
^., die in gegenseitiger Verbindung bleiben und sich
später in niedrere, mehr oder minder sckarf von-
einander gefonderte Lagen, die sog. Keimblätter
ls. Embryo), gruppieren, ans denen schließlich in-
folge weiterer Differenzierungen die Gewebe und
Organe des Tierkörpers ibren Ursprung nehmen.
Neuere Untersuchungen haben mit Sicherheit dar-
gethan, daß nicht morphologische, sondern vor-
zugsweise chemische Eigenschaften es sind, welche
das Wesen der Z. bedingen. Nber die ehem. Zu-
sammensetzung des Protoplasmas berrscht nock
fast völliges Dunkel, Nägcli hat dafür die em-
pirische Formel ^72lIi<>6^880.22 anfgestellt. Über
die Molcknlarstruktur bat Nägeli die sog. Micellar-
hypotbese aufgestellt ("Mechan.-physiol. Theorie
der Abstammungslehre", Münck. und Lpz. 1884).
Über die feinere Struktur des Protoplasmas eri-
stieren verschiedene Hypothesen, von denen die be-
kanntesten die von Leydig u. a. aufgestellte Ge-
rüstt b e orie ("Z. und Gewebe", Bonn 1885), die
von Bütschli ("Untersuchungen über mikroskopische
Schäume und das Protoplasma", Lpz. 1892) auf-
gestellte Wabcntheorie und endlich die von
Altmann ("Die Elementarorganismen und ihre
Beziehungen zu den Z.", Lpz. 1890) verfocbtcnc
G r a n ulat h eorie sind. An deinKcrne unterschied
man früher außer der vorhandenen oder feblendcn
Membran ein mit Farbstoffen start sich imprägnie-
rendes Gerüstwcrk, das Kerngcrüst, dessen Maschen
von einer Hellern, flüssigern Substanz, dem Kernfafte,
erfüllt sind und an einer Stelle ein oder mebrere
stark färbbarc Körperchen, die Kernkorpercben (im-
cleoli), einschließen. Neuerdings bat man in diesen
Kernbcstandteilen verschiedene ckem. Substanzen
erkannt; so besteht das Kerngerüst in der.vanvt-
sacbe aus Brocken und Körnern von sog. Nucle'i'n
(früher Chromatin genannt), die einem feinen, aus
Linin bestebenden Fadenwerk ailfgelagert sind. Die
Substanz der Kerntörper ist von der des Kerngerüftes
verschieden und wird als Paranuclei'n oder Pyrc-
Vrockhaus' Konvcrsations-Ll'xikc'n. 14. Aufl.. XVI.
nin bezeichnet. Die Kernnienibran endlich soll aus
Amphipyrenin bestehen. In jüngster Zeit hat man
schließlich neben dem Kern in manchen Zellen noch
i ein außerordentlich kleines, nur mit den stärksten
, optischen Systemen wahrnehmbares Körpcrchen, das
^ Eentrosoma (Pol- oder Eentralkörperchen), nachge-
! wiesen. Nber die Natur desselben ist noch vieles
! dunkel, indessen scheint ihm besonders bei der Ver-
^ mehruug der Z. eine bedeutsame Rolle zuzukommen.
^ Es teilt sich dabei in zwei Teile, die auseinander
z weichen und das Protoplasma strablig um sick
gruppieren (Strahlcnfignr, Polstrahlung). Das
Nucle'in des Kernes ordnet sich zu einem einzigen,
stark aufgeknänelten Faden (Fadentnäuel); später
zerfällt der Faden in einzelne Schleifen, die sich
zwifchen den beiden Polkörpcrchcn anordnen (Kern-
platte), sich der Länge nach teilen und nun nach den
Polen anseinander weichen. Damit ist die Nuclein-
masse des Kernes halbiert; es erfolgt nnnmehr die
Anflöfung der Schleifen und Bildung eines nenen
Kerngerüftes (rnhender Kern) und dabei dic Teilnng
des Zellkörpers. Neben dieser komplizierten, sog.
indirekten, unter Bildung mitotischer oder
karvo kinetisch er Fignren (Kernfiguren) statt-
i findenden Kernteilung (der K e r n fe g m entierung)
^ eriftiert bei einzelnen Zellenarten eine fog. direkte
! .^ernteilung oder K ernfra gmenti e run g (Leuko-
! cyten u. a.), bei welcher bis jetzt keine Figuren nach-
gewiefen werden konnten. - Vgl. außer den citier-
ten Abbandlungen besonders O. .hertwig, Die Z. und
die Gewebe (Jena 18^2); Earnoy und Gilson, 1^,.
(?6i1u1", Bd. 1-13 (Par. 1885 - 97); Wilson, 1.^0
ceN in ä^v^ioinilcüit anä inlic!i'it!uic0 (Lond. 1897).
Ielle, Robert, Oberbürgermeister von Berlin,
geb. 1l>. Sept. 182i) in Berlin, stlldierte daselbst lmd
in Bonn die Rechtswissenschaft, trat 1851 in den
preuft. Staatsdienst, wurde 18<>1 zunl Magistrats-
mitgliede (Stadtrat) in Berlin, dann zum Stadt-
syudikus, 1891 zunr Bürgernieifter, 18l^ znm Ober-
bürgermeister gewäblt. Er war seit 187.'! Vtitglicd
des prenft. Abgeordnetenhanses, wo er der frei-
sinnigen Partei angehörte, und wurde nach seiner
Erwädlung znm Oberbürgermeister Mitglied des
Herrenhauses. Z. veröffentlichte: "Handbuch des
geltenden öffentlichen und Privatrechts für das Ge-
biet des prensi. Landrechts" (3. Aufl., Verl. 1895)
und "Die Städteordnung, von 1853 in ihrer heutigen
Gestalt" (3. Aufl., edd. 1890).
Zellengefängnis, ein nach dem Pennsylvani-
scken System (s, Gefängniswefen) erbautes Gefäng-
nis. (S. Einzelhaft.) ^(s. auch Schöpfrad).
Zellenräder, Wasserräder (s. d.) mit Zellen
Zellenfchaltcr, Hilfsapparat bei elektrischen
Leitungsanlagen mit ^amnüer-(Accumnlatoren-)
! Betrieb, dient zur Regulierung der Spannnng einer
Sammlerbatterie. Diese Spannung erfährt öei der
fortschreitenden Entladung der Zellen während des
Betriebes eine Abnahme' durch Fuschaitttng lleucr
Zellen vermittelst des Z. wird der Spannungs-
verlust wieder ausgeglichen. Der Z. kann durch eine
Knrbel gebandhabt werden; bei größern Betriebs-
anlagen wirkt der Z. selbsttbätig.
Zelleuschmelz, s. Email.
Zellcufystem, bei eisernen und stählernen Schif-
fen Bezeichnung für die Einteilung des Schiffskör-
pers m wasserdichte Ra'nme. Durch ein richtig ent-
! worfenes Z. müssen diese Schiffe bei größern Be-
! schädigungcn ihrer Außenhaut noch scbwimmfä'lug
. bleiben. Bestimmte Vorschriften über die Ausdeh-
00