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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bulmke - Bund der Landwirte
Versammlung in der Adresse, der Thronfolger möge
im orthodoxen Glauben erzogen werden, was der
Fürst 12. Nov. auch zusagte. Es folgten Unter-
handlungen mit Rom, doch vermochte auch das per-
sönliche Erscheinendes Fürsten (im Jan. 1896) beim
Papst diesen nicht zu bestimmen, den übertritt des
Prinzen Voris zum griech.-kath. unierten Ritus zu
gestatten. So mußte sich der Fürst ohne die päpstl.
Genehmigung dazu entschließen, und 4. Febr. 1896
verlas der Ministerpräsident stoilow in der Natio-
nalversammlung unter großem Jubel ein Manifest
des Fürsten, wodurch er den Entschluß kuudgab,
seinen Sohn Boris zur griech. Kirche übertreten zu
lassen. Stoilow reiste sofort nach Konstantinopel,
hatte dort eine Audienz beim Sultan und kehrte mit
dem bulgar. Exarchen nach Sofia zurück. Inzwischen
batte der russ. Kaiser auf Bitte des Fürsten die Pa-
tenschaft übernommen und den General Grafen Go-
lenischtschew-Kutusow als seinen Vertreter zu dem
feierlichen Akt entsendet. Als Vertreter des Sultans
trafen der Divisionsgeneral Musaffer Pascba uud
der Staatsrat KostakiKaratheodori ein. Die feierliche
Salbung des Erbprinzen Boris durcb den bulgar.
Exarchen erfolgte 14. Febr. in der Kathedralkirche von
Sofia. Am 14. März überreichte eine neue A bordnung
des Sultans, mit Zihni Pascha an der Spitze, dem
Fürsten Ferdinand zwei großherrliebe Germane, von
denen der eine seine Bestätigung alö Fürst von B.,
der andere die Ernennung zum Generalgouverneur
der autonomen Provinz von Ostrumelien enthielt,
deren Union mit dem Fürstentum B. zwar seit 1885
thatsächlich durchgeführt, aber bisher durch keinen
internationalen Vertrag sanktioniert ist. Die An-
erkennung durch die curop. Mächte erfolgte sogleich
darauf, und Rußland ernannte nach zehnjähriger
Unterbrechung wieder einen diplomat. Agenten für
Sofia. Am 26. März reiste Fürst Ferdinand in Be-
gleitung des Ministerpräsidenten Stoilow und des
Kriegsministers Obersten Petrow zum Sultan nach
Konstantinopel; er wurde dort mit großen Auszeich-
nungen empfangen, unter anderm auch zum Feld-
marschall (Muschir) ernannt. Es folgte ein Besuch
am russ. Hofe; darauf begab sich der Fürst nach
Paris zum Präsidenten der franz. Republik und stellte
sich endlich in Berlin dem Deutschen Kaiser vor.
Bulmke, Bauerschaft im Landkreis Gelfentircben
des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, hat (1895) 7629 E.,
darunter 3752 Katholiken und 30 Israeliten, Post,
Telegraph; Eisenhütte, Kesselschmiede, Kohlcndestil-
lation und Steinkohlenbergbau (Zeche Alma).
Bülow, Bernhard Heinrich Karl Martin von,
Diplomat, Sohn des Staatssekretärs Bernh. Ernst
von Bülow (s. d., Bd. 3), geb. 3. Mai 1849 zu Klein-
Flottbeck in Holstein, stndierte 1867-70 in Lau-
sanne, Leipzig und Berlin Rechts- und Staatswissen-
schaften und machte den Deutsch-Französischen Krieg
mit. Nachdem er 1872 sein Rcferendarexamen be-
standen hatte und beim Landgericht und beim Bc-
zirkspräsidium in Metz beschäftigt gewesen war, trat
er 1874 in das Auswärtige Amt über und fungierte
als Legationssekretär in Rom, Petersburg und
Wien. Während des Russisch-Türkischen Krieges
von 1877 und 1878 war er Geschäftsträger in
Athen, wurde dann dem Sekretariat des Berliner
Kongresses beigegeben und war 1879-84 anfangs
zweiter, dann erster Botschaftssekretär in Paris und
wurde darauf zum Botschaftsrat in Petersburg er-
uünrä,wo er bäuftg als Geschäftsträger fungierte, so-
lange die bulgar. Frage im Vordergrund stand, und
erhielt 1888 den Gesandtschaftsposten in Bukarest.
In die Zeit seiner dortigen Amtsführung fällt der
Abschluß des deutsch-rumän. Handelsvertrags. Im
Dez. 1893 wurde B. zum deutschen Botschafter am
ital. Hofe, Okt. 1897 zum Staatssekretär des Aus-
wärtigen Amtes ernannt.
* Bülow, Bodo Georg Wilh. Karl von, ^M
1. Okt. 1896 sein Portefeuille als mecklenb.-schwerm.
Finanzminister nieder.
"'Bülow, Hans Guido von, starb 12. Febr. 1894
in Kairo, wohin er sieb eines Nervenleidens wegen
begeben hatte. Seine "Briefe und Schriften" (Bd. 1
-3, Lpz. 1895-96) gab seine Gemahlin, Marie
von V., heraus.
Bülow, Otto Hans Theodor von, Diplomat,
geb. 28. Dez. 1827 in Frankfurt a. M., studierte seit
1847 in Berlin die Rechte und wurde als Einjährig-
Freiwilliger bei dem Straßenkampf 18. März 1848
schwer verwundet. Er setzte seine Studien in Heidel-
berg und Halle fort, wurde seit 1851 als Referendar
in Minden und Berlin beschäftigt und absolvierte
1857 das Assessorexamen, worauf er als Hilfsarbeiter
in das Ministerium der Auswärtigen Angelegen-
heiten übertrat. Nachdem er 1862 zum Legationsrat
ernannt war, gehörte er 1866-67 der Kommission
zur Ausführung der Friedensverträge mit Bayern
und Hessen an und wurde, 1867 zum vortragenden
Rat befördert, seit 1872 mit dem Auftrag betraut,
als Vertreter des Auswärtigen Amtes Kaiser Wil-
helm I. auf seinen Reisen zu begleiten. Diese Aufgabe
behielt er bis zum Tode des Kaisers, auch nachdem er
im April 1881 zum preuß. Gesandten in Stuttgart
und im Dez. 1882 zum deutschen Gesandten in Bern
ernannt worden war. Im Aug. 1890 wurde B. zum
Wirkl. Geheimrat befördert, und nach der Abberufung
Schlözers wurde ibm im Juli 1892 der Posten eines
preuß. Gesandten beim päpstl. Stuhl übertragen.
Buluwajo, Hauptort von Matabeleland, s. Gu-
buluwajo. ftenpomade).
Bulwers Flechtentod, s. Gcheimmittel (Flech-
Bund der Landwirte, über seine Entstehung,
Organisation, nächste Zwecke und erste Entwicklung
s. Landwirtschaftliche Vereine (Bd. 10). Außer durch
die polit. Agitation für die Interessen der Landwirt-
schaft sucht der B. d. L. mehr und mehr auch durch
Zuwendung materieller Vorteile seine Mitglieder
zu fördern, indem er ihnen namentlich gemeinsamen
Düngerbezug mit erheblicher Rückvergütung und
den Ankauf reiner Originalsaatcn ermöglicht. Bei
einzelnen Versicherungsgesellschaften hat er seinen
Angehörigen Rabatte und weitere Vorteile ausge-
wirtt. Für trichinöse Schweine, die für den Haus-
bedarf geschlachtet werden, gewährt er unentgeltlich
Entschädigung. Er unterhält Auskunftsstellen über
Rechts-, Versichcrungs-
uud Kreditfragcn und besorgt die Stellenvermitte-
lung für landwirtschaftliche Beamte. Die wirtschafts-
polit. Forderungen des B. d. L. gipfeln zur Zeit in
dem Verlangen einer Hebung der Getreidepreise durch
staatliche Regelung der ausländischen Getreidezu-
fuhren und staatliche Preisnormierung des einge-
führten Anslandgetreidcs nach den Durchschnitts-
preisen der letzten 40 Jahre (s. Kanitz, Hans Wilhelm,
Graf von), sowie in dem Streben nach einer Wäh-
rungsreform auf der Grundlage der internationalen
Doppelwährung. Weitere Forderungen des B. d. L.
sind: Reform der Börse, besonders der Produkten-
börse, strenge Maßregeln siegen Viehscuchenem-
schleppung, Aufhebung aller Zollkredite für Getreide