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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsch Ostafrika
gesellschaften. Als echte Savannen faßt man neuer-
dings nur die im übcrfchwemmungsbereich der Flüsse,
in sumpfigen Niederungen und an ähnlichen Ortlich-
keiten besindlichen Hochgrasfluren auf, die fast ganz
aus Gräsern und besonders auch aus Cyperaceen be-
stehen, nur krüppelige Bäume zwischen sich zulassen,
und die von den Negern zum Hirseanbau benutzt
werden. Trockne und feuchte Weiden und Wiesen
finden sich dann in den Hochgebirgen oberhalb der
Steppenformationen, welche letztern je nach ihrer
Lage an der Küste oder mehr landeinwärts bei
1200-1500 m Meereshöhe zu verschwinden pflegen.
In diesen Hochgebirgen, besonders am Kilima-
Ndscharo, treten dann noch Heiden, richtige von
Ericaceen gebildete Halbstrauchbestände auf, aber
auch baumfo'rmige Heidesträucher vergesellschaften
sich mit Proteaarten zu neuen Gebüschen. Nber 1700
oder 1900 m Meereshöhe beginnt der ostafrik. Ge-
birgshochwald aus Nadelhölzern, Heiden, Olea-
ceen und Kompositen; ^uniperus pi-ocera. /ioc/ist.
und i^oäocai'puL lillcata A. Z/'. sind die beiden herr-
schenden Nadelhölzer mit Stämmen von gegen 50
und 80m Höhe. Die geschlossene Waldgrenze verläuft
am Kilima-Ndscharo bei 2600-2800 m, aber niedere
Baumgruppen werden noch fast 400 m höber ange-
troffen; dann folgen die obersten Berg wiesen, eine
alpine Strauchregion bis 3600 in oder ver-
einzelt bis gegen 4000 m mit Heidesträuchern (llri-
('inelia, ?rot6a, N^rica), und endlich oberhalb dieser
Gesträuche die alpine Staude nregion aus
Strohblumen (Hslictu-^äuin), Gräsern, Zenecio,
^radiä u. s. w., welche bei 4500 m verschwinden und
nach oben hin nur noch Gesteinsflechten ((^ro-
pliora, I^rmLiia.) übriglassen.
Vom Kilima-3Idscharo hielt man mit Unrecht den
Süden und Osten dieses Niesenberges für den frucht-
barern Teil; schon der hier aus durchlässigem Tufs
gebildete Boden widerspricht der Annahme größerer
Fruchtbarkeit, und auherdemliegtder Osten imNegen-
schatten. Die Expedition von Volkens beobachtete
alle Niederschläge der großen Regenzeit aus Wolken
von Westen und Südwesten her. In den Landschaften
von Muika bis Kimangelia muß man das wenige
Bedarfswasser zum Trinken und Kochen während der
Trockenzeit teuer kaufen. Auch hier also liegt der
Schwerpunkt einer Ansiedelung und eines europ. An-
baues in der richtigen Auswahl des Geländes.
über die Nutzbarmachung von D. werden die An-
sichten so lange verschieden lauten, als die Boden-
verhältnisse in der weiten Ausdehnung des Landes
noch ungenügend bekannt sind. Daß nicht überall
fruchtbare Strecken anzutreffen sind, geht aus der wei-
ten Verbreitung der Buschdickichte und Steppen her-
vor. Aber selbst diese Bestände enthalten mancherlei
Nutzpflanzen, und es kann z. B. die große Zahl von
Gespinstfasern liefernden Arten die europ. Acker-
felder entlasten. Als wertvollste afrik. Faserpflanze
erscheint 8NN86vi6i'9. in mehrern Arten. Fünf wild
^<^ch^ende Arten voni^näolpnia kommen für Kau-
tschukgewinnung in Betracht. Fett liefernde Pflanzen
gehören zu sehr verschiedenen Formationen, Sesamöl
ist 1891 im Werte von 88000 Doll. exportiert.
Verwaltung. Den Bezirksämtern ist eine
Landespolizei von 2 Offizieren, 1 Arzt, 14 Unter-
offizieren und 305 Farbigen unterstellt. DieSchntz-
truppe besteht aus 36 Offizieren, 12 Ärzten, 81 Un-
teroffizieren und 1587 Farbigen (1896), eingeteilt
in 12 Compagnien, wovon 5 als schlagfertiges
Expeditionskorps dem Gouverneur jederzeit zur
Verfügung stehen. Stationen der Schutztruppe sind:
an der Küste Dar es-Salaam, Pangani, Kilwa und
Lindi; in Usambara Masinde; im Kilima-Ndscharo-
GebietMoschi, Marangu und Kisuani; in Mähende
am Ulanga; in Usagara Kilosa und Mpwapwa; m
Ugogo Masinde; im Hinterland von Kilwa Ma-
wudji; in Uniamwesi Tabora; am Victoria-Njansa
Muansa und Bukoba, am Tanganika in Ujiji. Die
Stationen in Masinde und Muansa dürften als un-
nötig wegfallen. Das Budget beträgt pro 1897/98:
6 069 900 M., wovon 4 369 900 M. Neichszuschuß
(pro 1896/97: 5 900970 M., und 4300970 M.>.
Handel. Die Einfuhr betrug 1895: 7 589 000
M., die Ausfuhr 3 254000 M. Der Wert des
Warenumsatzes hat sich wesentlich wegen des Sin-
kens der Silbcrrnpie verringert.
An der wirtschaftlichen Verwertung von D. be-
teiligten sich die folgenden größern Gesellschaften:
1) die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, gegrün-
det 1885; 2) die Eisenbahngcsellschaft für Süd-Ost-
afrika, gegründet 1891; 3) die Deutsch-Ostafrika-
nische Plantagengesellschaft Lewa, gegründet 1891;
4) die Usambara-Kafseebaugescllschaft, gegründet
1893; 5) das Zuckersyndikat für D., gegründet 1894;
6) die Westdeutsche Handels- und Plantagcngesell-
schaft,gegründet 1895 (früher: Karl Perrot^Deutsch-
Ostafrikanische Sechandlung).
Verkehrswesen. Die Usambara - Eisenbahn
(s.d.,Bd.16) ist 1895 teilweise (Tanga-Muhesa) eröff-
net; die Fortsetzung nach Karoqwe am Panganiftuft
wird vorbereitet, später soll die Bahn bis zumKilima-
Ndscharo und Victoria-Njansa fortgesetzt werden.
Über die Deutsch-Ostafrikanifche Centralbahn f. d.
Geschichte. Nachdem bis Ende 1892 einzelne
aufrührerische Stämme im Küstengebiet niedergewor-
fen waren, befestigte sich die deutsche Macht auch
im Binnenland mehr und mehr. Lieutenant Prince
eroberte 12. Jan. 1893 das Kwikuru des Häupt-
lings Sike bei Tabora und 10. März die Tembe
Mtwanas in Mdaburu (Ugogo). Major von Wiss-
mann, der den Transport des Dampfers H. von
Wifsmann von der Mündung des Sambesi nach
dem Njassasee im Aug. 1893 vollendet hatte, grün-
dete im März 1893 die Station Langenburg am
Nordende des Sees und unterwarf die Wanika und
Wawemba (zwischen den: Njassa und Tanganika) im
Juni und Juli 1893. Oberstlieutenant von Schele,
der zu Anfang des 1.1893 anstatt des Freiherrn von
Soden zum Gouverneur von D. ernannt worden
war, unternahm Ende 1893 einen erfolgreichen Zug in
das Land der Mafiti am obern Ulanga und über das
Livingstonegebirge nach dem Njassasee und brach bei
einer zweiten größern Expedition die Macht der ge-
fürchteten Wahche durch die Eroberung Kuirengas
30. Okt. 1894. Sein Nachfolger Major von Wiss-
mann, der 1. Mai 1895 zum Gouverneur ernannt
nnd Anfang August in Dar es-Salaam eingetroffen
war, stellte Friede und Ordnung in den südl. Küsten-
gegenden her, indem er den räuberischen Araber
Hassan ibn Omari bei Kilwa 13. Nov. gefangen
! nehmen und aufhängen ließ und den Iaohänptling
Matschemba zur Anerkennung der deutschen Herr-
schaft zwang. Ein friedlicher und endgültiger Frie-
densschluß mit den Wahehe fand 12. Okt. 1895 statt.
Mitte 1896 entsandte ein HamburgerKonsortium eine
Expedition unter Premicrlieutenant Werther zur Er-
forschung von Irangi. An Stelle von Wissmanns,
der seiner Gesundheit halber zurücktrat, wurde im
Dez. 1896 Oberst Liebert zum Gouverneur ernannt.
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