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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diphtheritis
Kolonien und Tierversuchen ebenso verhielten wie
Erysipelaskokken, und mit denen er niemals eine der
echten D. ähnliche Krankheit erzeugen konnte, wäh-
rend er aus den echten Diphtheriefällen das von
Klebs bereits gesehene und beschriebene Stäbchen
züchten konnte. Nach 1884 wurden die Funde von
Löffler von verschiedenen Seiten bestätigt, besonders
haben Roux und Dersin im Institut Pasteur Unter-
suchungen angestellt, und 1887 konnte Löfsler den
Bacillus als Erreger dcr epidemischen D. bezeichnen.
Die Diphtheriebacillen sind Stäbchen, welche
etwa die Länge von Tuberkelbacillen haben und
etwa ein Viertel so dick wie lang sind. Sie sind
vielgestaltig, zeigen Keulen-, Hantel- und Spindel-
formen. Im ungefärbten Präparat sieht man häufig
glänzende runde Teile, welche von Klebs irrtümlich
als Sporen angesehen wurden, die jedoch eine An-
hüusung der chromatischen Substanz sind und sich
am leichtesten und stärksten färben. Die Vermehrung
der Diphtheriebacillen erfolgt wie bei allen stäbchen-
förmigen Bakterien: die Zelle wächst in die Länge
und teilt sich durch Einschnürung vom Rande her.
Wo eine lebhafte Vermehrung stattfindet, findet
man kurze Stäbchen, da wo die Vermehrung beein-
trächtigt ist, wächst dcr Vacillus in die Länge, teilt
sich aber nicht, sondern erscheint gekörnt, indem sich
die chromatische Substanz ungleichmäßig, meist an
den Enden, anhänft. Dauerformell bildet dcr Va-
cillus nicht; durch halbstündiges Erhitzen auf K0'
werden die Kulturen abgetötet. Gegen Austrocknen
sind Diphtheriebacillen sehr widerstandsfähig; Rein-
kulturen, an ^cidenfädcn angetrocknet, bleiben im
Zimmer 3-4 Wochen, im Exsiccator 5-10 Wochen,
einzelne bis 14 Wochen lebensfähig. Das Licht hat
einen schädigenden Einfluß. Der Nacillus gedeiht
am besten bei Zutritt von Luft oder Sauerstoff; die
Vegetationsfähigkeit beschränkt sich anf Tempera-
turen zwifchen 22 und 40" 0., das Optimum liegt
zwischen 33 und 37 °. Im Hängenden Tropfen (s. d.)
betrachtet, ist der Vacillus ganz unbeweglich. Die
Reaktion des Nährbodens, auf dem der Vacillus
gedeihen soll, muß schwach, aber deutlich alkalisch
^ein. Die Bacillen gedeihen am besten auf
eiweißreichem Nährboden, Blutserum, Fibrin, Ei,
Peptonbouillon; kohlehydrathaltige Nährmateria-
lien, Kartoffel, Agar-Agar, sagen ihnen weniger
zu. Traubenzucker wird von ihnen zersetzt und be-
günstigt in einem Zusatz von ^4 Proz. zu einer
Mischung von drei Teilen Hammel- oder Ninder-
blutserum und einem Teil Bouillon (Lösflerscher
Nährboden) die Entwicklung der Vacillen ganz
außerordentlich; der Löfflersche Nährboden wird da-
her als elektiver Nährboden für die Diagnose ver-
wendet. Ebenso begünstigt das Glycerin, in der
Menge von (i Proz. dem Äqar-Agar zugesetzt, das
Wachstum. Werden die Vacillen auf Blutserum
geimpft und bei Körpcrtemperatnr aufbewahrt, so
sind schon nach 12-14 Stunden die ersten Anfänge
der Entwicklung zu fehen, kleine, mit unbewaffnetcm
Auge eben erkennbare, zunächst noch durch-
scheinende Körnchen; in den nächsten Stnnden
nehmen sie rasch an Größe zu, nach 18-20 Stunden
erreichen sie die Größe eines Stecknadelkopfes und
lassen im auffallenden Lichte eine deutlich milchweiße
Farbe erkennen. Auf Agar-Agar erscheinen die in
der Tiefe liegenden Kolonien als ruude oder ovale
dunkelbraune, grobkörnige, nicht ganz scharf be-
grenzte Scheiben. Ost stoßen mehrere Kolonien zu-
sammen, so daß unregelmäßige Figuren entstehen.
Die oberflächlichen Kolonien bieten ein sehr charakte-
ristisches Aussehen; sie sind graugelblich mit körniger,
fast netzartiger rauher Oberfläche. Hn Bouillon ist
nach 18-24 Stunden eine diffnse feme Trübung zu
fehen, die aus kleinsten Flöckchen besteht und sich an
den abhängigen Stellen des Glases zu einem
zarten staubförmigen Niederfchlage verdichtet. Die
Reaktion der Bouillon wird an: zweiten Tage sauer,
nach einigen Wochen wieder alkalisch.
Bei Tieren durch Einatmen von verstäubten
Massen, Verfüttern, Einbringen auf Konjunktival-
und Trachealfchleimhaut D. zu erzeugen, ist, wenn
die Epithelschicht unverletzt ist, unmöglich; bei ver-
letzter Epithelschicht bildet sich eine kleine Membran,
jedoch schreitet dieselbe nicht selbstthätig fort, son-
dern stößt sich allmählich ab. Bei subkutaner
Impfung sind nur Maus und Ratte unempfindlich,
die andern Tiere sterben meist innerhalb 24-60
Stunden. An der Impfstelle findet sich ein grau-
weißer Belag, in dem Vacillen nachweisbar sind,
in der Umgebung besteht ein ausgedehntes sulziges
Odem des Unterhautbindegewebes. Nour und Dersin
haben gefunden, daß sich die Vacillen nur bis zur
sechsten oder achten Stunde an der Impfstelle ver-
mehren. Von da nimmt die Zahl ab, und im
Augenblick des Todes sind weniger Bacillen vor-
handen als in der achten Stunde. Außer an der
Impfstelle wurden die Vacillcn nicht gefunden, fo
daß kein Zweifel bestehen kann, daß der Tod des
Tieres nicht infolge dcr Verbreitung der Mikro-
organismen im Körper, sondern durch ein Gift
hervorgerufen wird, welches an der Impfstelle
produziert und von dort in die Säfte r^ovlnevt
wird. Die Darstellung diefes Giftes wurde, nach-
dem erwiesen war, daß das vollkommen batterien-
frei gemachte Filtrat einer Bouillonkultur ebenfo
wirkte wie die unfiltrierte Kultur, von Roux und
Aersin, Löffler, Brieger und C. Fränkel, Wasser-
mann und Proskauer erreicht, indem sie das
Torin, durch Füllung mit Alkohol isolierten. Daß
das Toxin nicht einfach ein Abbauprodukt des
Nährbodens, sondern vielmehr ein im Zellleib der
Bakterien produzierter eigener Körper sei, bewies
Guinochet, indem er zeigte, daß das keimfreie Filtrat
einer auf eiweißfreiem Nährsubstrat gezüchteten
Kultur eiue unverminderte Giftigkeit besitzt. Es wird
also von den Bakterien synthetisch das Gift dar-
gestellt und wahrscheinlich nach Art einer Sekretion
ausgeschieden, wofür neuere Versuche von H. Kossel
sprechen, während bisher meist mit Gamaleia an-
genommen wurde, daß das Toxin infolge Maceration
aus den toten Bacillenleibern in das Nährfubstrat
übergehe. Vrieger hat gefunden, daß, wenn man
das Filtrat einer Diphthcriebouillon mit Queck-
silberchlorid, Zinksulfat, oder noch besser mit Zink-
chlorid versetzt, das Diphtherietoxin quantitativ
ausgefüllt wird. Dieser Niederschlag ist in Wasser
unlöslich, löslich in kochsalzhaltigem oder schwach
alkalischen: Wasser. Diese Zinkdoppelverbindung
der Toxine enthält keine Spur Eiweiß oder Pepton.
Es ist also das Toxin nicht ein sog. Eiweißderivat
im landläufigen Sinne. Für die Wirkung des Toxins
ist es ein großer Unterschied, wie das Gift in den
Tierkörper kommt. Bei Verfütterung ist es fast
wirkungslos, bei subkutaner Applikation treten
zuerst an der Impfstelle Erscheinungen aus; erst
allmählich kommen Veränderungen in den innern
Organen; wenn es intravenös gegeben wird, er-
scheinen sogleich die Veränderungen in den innern