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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diphtheritis
werden. Wenn somit anch der Preis für hochwertiges
Serum höher ist, so sind andererseits die Vorteile
groß, indem die Bedenken hinsichtlich des Carbol-
säuregehaltes schwinden müssen und erwartet werden
darf, daß die Wahrscheinlichkeit des Eintritts un-
erwünschter Nebenwirkungen in hohem Grade ver-
ringert wird. Zum Unterschiede vom alten Serum
werden die verschiedenen Konzentrationsgrade des
hochwertigen Serums neben der bisherigen Zahl,
welche dieselbe geblieben ist, durch Buchstaben be-
zeichnet, indem bei dem Serum, welches in 1 ccm
200I.-N. enthält, zu der Zahl ein ^, bei dem mit
300I.-N. in 1 ccm ein L und so fort bis ll, gesetzt
wird. Um nun die Anzahl der Marken nicht zu sehr
zu vergrößern, werden vorläufig von hochwertigem
Serum nur ausgegeben:
Fläschchen Nr. Iv (gelbe Etikett?) 5 i "cm 500fach^500 I.-N.
zu 4 M. pro Fläschchen,
" , IIV(weiße " ) i^2ooiu500fach^i0001.-N.
zu 8 M. pro Fläschchen,
, "HIV (rote " ) K3eoin500fach -1500I.-N.
zu 12 M. pro Fläschchen,
" " IVv (violette " ) 5 4ooiu500fach -2"oo I.-V.
zu 16 M. pro Fläschchen,
" " VIV (blaue " ) K 6 ocm 500fach - 3000 I.-A.
zu 24 M. pro Flüschchen,
" "VIN( " " ) 55ooi!i600fach -3000I.-N.
zu 24 M. pro Fläschchen.
Äußerlich ist dieses hochwertige Serum gekenn-
zeichnet durch Aufdruck des Wortes "Hochwertig".
- Der gesamte Inhalt eines Fläschchens ist stets
aus einmal anzuwenden, und zwar durch Einspritzung
unter die Haut. Zur Einspritzung ist die Benutzung
der Kochschen Ballonspritze zu empfehlen, da diese
leicht steril zu machen ist. Als Injektionsstellen sind
solche Körperstellen zu wählen, an denen sich die
Haut in weiter Falte abheben läßt, z. B. die vordere
Vrustwand und die Oberschenkel. Zu vermeiden
sind solche Stellen, auf welchen die Patienten auf-
liegen.
Außer dem Behringschen in Höchst dargestellten
Diphtheriehcilserum sind als Heilmittel gegen D.
hauptsächlich das Rouxsche Heilserum, welches
in Paris, und Scherings Dipbtherieanti-
toxin, welches unter Leitung des Dr. Aronson in
der Chemischen Fabrik auf Aktien (vormals E. Sche-
ring) in Berlin dargestellt wird, zu nennen. Das
Scheringsche Diphtherieantitoxin ist nicht reines
Blutserum, sondern eine wasserhelle, klare Flüssig-
keit; es enthält 1 bis höchstens 1^ Proz. Eiweiß,
welches mit 0,2 Proz. Trikresol versetzt ist, um eine
Zersetzung zu verhindern. Das Präparat wird in
drei Marken hergestellt:
^ (weiße Etikette) - 100 Antitoxineinheiten pro 1 c"m
ü. 5ooiQ- 500 I.-N. -1,75 M. pro Fläschchen,
ü.10 " -1000 " -3,50 " " "
Ii (blaue Etikette) - 200 Antitoxineinheiten pro 1 "cm
ü. 5 "cm - 1000 I.-N. - 3,50 M. pro Fläschchen,
K10 " ^2000 " --7,00 " " "
"tote Etikette mit Überdruck "Hochwertig" - 500 Antitoxin-
einheiten pro 1 oom
5 2 com ---1000 I.N. --- 8,00 M. pro Fläschchen,
5 4 " ^2000 u ---16,00 ,) " "
Durch kaiserl. Verordnung vom 31. Dez. 1894
ist das Diphtherieheilserum dem freien Verkehr ent-
zogen worden und unter diejenigen Präparate ein-
gereiht, welche nach §. 2 der Verordnung vom
27. Jan. 1890, betreffend den Verkehr mit Arznei-
mitteln, nur in Apotheken feilgehalten und verlauft
werden dürfen. Außerdem ist das Diphtherieheil-
serum den Bestimmungen in den §§. 1 und 3 der
Vorschriften vom 4. Dez. 1891, betreffend die Ab-
gabe stark wirkender Arzneimittel, wonach es nur
gegen ärztliches Rezept verabfolgt werden darf,
unterstellt worden, und weiterhin wurde bestimmt,
daß vom 1. April 1895 an nur noch mit dem staat-
lichen Prüfungszeichen versehene Fläschchen verkauft
und feilgehalten werden dürfen. Die staatliche
Kontrolle des Heilserums wird in nachstehender
Weise ausgeführt: Ein von der Regierung dazu be-
stellter Beamter erhält von dem Fabrikanten ein
Sammelgefäß, welches gewöhnlich ein größeres
Quantum (5-101) Serum enthält, zugeschickt. Aus
dem gut durchgeschüttelten Gefäß werden von dem
Beamten 5-10 Fläschchen entnommen und unter
einer bestimmten Kontrollnummer an die Station
eingeschickt. Das Stammgefäß wird sodann plom-
biert und bis zum Eintreffen der Antwort an einem
kühlen, dunklen Orte unter Verschluß aufbewahrt.
Fällt die Antwort günstig aus, so wird das Gefäß
von dem Beamten geöffnet und unter feiner Auf-
sicht die Abfüllung in Fläfchchen sowie deren Plom-
bierung und Etikcttierung für den Versand ausge-
führt. Die Prüfung der eingesandten Proben in der
Kontrollstation erfolgt durch zwei bakteriologisch ge-
schulte Affistenten, welche gleichzeitig und unabhängig
voneinander arbeiten. Stimmen die Ergebnisse nicht
überein, so muß die Prüfung von beiden Assistenten
wiederholt werden. Die Prüfung stellt die Unschäd-
lichkeit und den Wirkungswert des Serums fest.
Als unschädlich gilt die Lösung, wenn sie vollständig
klar ist oder höchstens einen geringen Bodensatz ent-
hält, wenn sie durch das Kulturverfahren als keim-
frei befunden worden ist, wenn der Zusatz des Kon-
servierungsmittels nicht so groß ist, daß eine Gesund-
heitsschädigung dadurch veranlaßt werden kann.
Als zulässiges'Maß hat ein Zusatz bis zu 0,5 Proz.
Carbolsäure oder Kresol zu gelten. Von jeder zur
Prüfung gelangten und mit staatlichem Prüfungs-
zeichen ausgestatteten Nummer wird eine ent-
sprechende Zahl Fläschchen zurückbehalten, welche in
zweimonatlichen Zwischenräumen nachgeprüft wer-
den. Falls der Wirkungswert über 10 Proz. ge-
sunken ist oder sonstige nachteilige Veränderungen
festgestellt werden, werden die noch im Handel be-
findlichen Fläfchchen eingezogen.
Bei der Heilwirkung des Serums sind nun zwei
Faktoren der Krankheit zu trennen, die lokale Ver-
änderung und die Giftwirkung. Behandelt man ein
Meerschweinchen, welches 24 Stunden nach der In-
fektion die Symptome einer Diphtherieerkrankung
darbietet, mit Serum, so nimmt die Lokalaffektion
einen andern Charakter an. Aus dem weichen, dif-
fusen Odem wird ein hartes, abgegrenztes Infiltrat,
das sich abstößt, und das Tier kann gesund werden.
Das Serum hat also den lokalen Prozeß zum Still-
stand gebracht, allerdings nicht durch Abtötung der
Bacillen, denn diese wuchern in den abgestorbenen
Massen noch weiter, aber es hat Veränderungen im
Tierkörper bewirkt, welche es dem Körper ermög-
lichen, den lokalen Prozeß abzugrenzen, was er
ohne das Antitoxin nicht vermocht Hütte. Außerdem
ist der Körper unempfindlich geworden gegen die
giftigen Produkte, welche von den Diphtheriebacillen
an der Impfstelle weiterhin abgesondert werden.
Wird das Tier später in Behandlung genommen, so
wird der lokale Krankheitsprozeß in gleicher Weise
beeinflußt, allein das Tier geht dennoch zu Grunde.
Diese Thatsache ist so zu erklären, daß zu der Zeit,
als das Serum den Körper gegen das Gift un-
empfindlich machte, schon so viel Gift von den Zellen