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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektrische Weinbehandlung - Elektrochemie
nationalen elektrischen Ausstellung (Stuttg. 1893);
Maas, Das Gesetz über das Telegraphenwesen des
Deutschen Reichs vom 6. April 1892. Mit Anhang:
Telegraphenordnung für das Deutsche Neich vom
15. Juni 1891 (Bert. 1892); Meili, Die Tclegraphie
und Telephonie in ihrer rechtlichen Bedeutung für
die kaufmännische Welt (Wien 1892); Bauer, Prasch
und Wehr, Die elektrischen Einrichtungen der Eisen-
bahnen (ebd. 1893); Jung, Entwicklung des deutschen
Post-und Telegraphenwesens in den lctzten25Jahren
<Lpz. 1893); Mnonym^ Unter dem Zeichen des Ver-
kehrs (Bcrl.1895); Haßler, Die elektrischen Eisenbahn-
signale, mit besonderer Berücksichtigung der königlich
württemb. Staatscisenbahnen (Stuttg. 1895); Tho-
mas, ^Ii'iiit6 äs Mi^i'ÄpIiiL ^isetri^uL (Par. 1891).
* Elektrische Weinbehandlung wird jetzt
in Kalifornien, Frankreich und Lothringen ange-
wandt, um aus jungen Weinen in kurzer Zeit markt-
fähige Ware zu gewinnen. Die Wirkung der Elek-
tricität beim Wein beruht jedenfalls darauf, daß
Wasser zersetzt wird und der im Moment des Ent-
stehens besonders kräftig wirkende Sauerstoff auf
den Wein einwirkt und neue Verbindungen eingeht,
die die alten Weine charakterisieren.
Der für die Anwendung des Verfahrens im großen
bestimmte Apparat besteht aus einem cylindrischen
Gefäße von 1Iii Inhalt aus glasiertem Thon, auf
dessen Boden eine Koblenscheibe von 30 cni Durcb-
messer sich befiudet. Diese Kohlenscheibe steht mit
dem negativen Pole durch einen Kohlenstab in Ver-
bindung, der in einem Paraffin entbaltenden Glas-
rohr eingeschlossen ist. In dem Halse des Gefäßes
gleitet ein kleiner Thoncylindcr, dessen unteres Ende
durch Pergament geschlossen ist, auf dem eine mit
dem positiven Pol verbundene Kohlenplatte liegt.
Der zu behandelnde Wein wird in das 100-Liter-
gefäß gegossen; der obere kleine Cylinder enthält
Alkohol und Wasser. Es wurden z.V.vonMengarini
bei einem Versuch gefunden: Wein nicht elektrisiert:
Alkoholgehalt 10,3, Säuregehalt 0/"; dann 130 stun-
den lang einer Stromstärke von 17,29 Ampere aus-
gefetzt: Alkoholgehalt 8,9, Säuregehalt 6,i^; der Ge-
schmack des Weines war besser als ursprünglich. Die
Versuche des Chemikers Pollet zu Vcrzy bei Paris
mit algerischen Weinen haben bewiesen, daß, wenn
man durch Rohren, in denen sich silberne Scheiben
als Elektroden befinden, Wein fließen läßt, der
Gerbstoff zerstört wird. Durch häufiges Kosten kann
man die Entwicklung kontrollieren und dann den
Strom unterbrechen, weil fönst ein Rückgang der
Qualität stattfinden kann.
Elektrische Wellen. Die Entladung eines ge-
ladenen Kondensators, z. V. einer Leidener Flasche,
kann, wenn der Widerstand des Schließungsdrahtes
genügend klein ist, in Form von Elektrischen
Schwingungen (s. d., Bd. 5) erfolgen. Deren
Schwingungsdauer berechnet sich dann nach der
Formel 1 ^ 2 x 1/?I5 aus dem die Stärke des Extra-
stroms im Schließungsdraht messenden "Selbst-
induktionskoefficienten" I> und aus der Kapacität Iv
des Kondensators. Diese elektrischen Schwingungen,
die also nur so lange bestehen, wie der die Ent-
ladung vermittelnde Funke, übertragen sich nun auf
den umgebenden dielektrischen Körper, z. B. die
Luft, und pflanzen sich hier als Schwingungen der
dielektrischen Polarisation von Punkt zu Punkt fort
mit einer endlichen Geschwindigkeit v. Es durcheilen
also die Umgebung E. W. mit der Wellenlänge
X -v"l, und zwar Transversalwellen, d. h. die
Schwingung steht überall senkrecht zur Richtung
ihrer Fortpflanzung. Treffen diese E. W. nun auf
Metallmassen von kondensatorähnlicher Anordnung,
so erzeugen sie in solchem "Empfänger" mit Funken-
übergang, Wärmeentwicklung u. s. w. verbundene
elektrische Schwingungen ähnlicher Art wie die,
durch die sie selbst im "Erreger" erzeugt sind, und
zwar um so stärker, je mehr die wie oben zu berech-
nende Schwingungsdauer des Empfängers mit der
des Erregers übereinstimmt. Man nennt nach Ana-
logie akustifcher Verhältnisse diese Erscheinung elek-
trische Resonanz. Sie bildet das feinste Mittel,
um irgendwo ankommende E. W. nachzuweisen.
Das Bestehen solcher E. W. wurde zuerst von
Maxwell aus theoretischen Gründen angenommen.
Der experimentelle Nachweis gelang erstHertz(1888),
der durch passende Konstruktion des Erregers elek-
trische Schwingungen sehr kleiner Schwingungs-
dauer (etwa 1 Hundcrtmillionstel Sekunde) und dem-
entsprechend E. W. kleinerer Wellenlänge erzeugte,
als man dies bis dahin konnte, und nun letztere
zum erstenmal maß. Er zeigte ferner, daß überein-
stimmend mit der Theorie sich die E. W. ganz den
Lichtwellen entsprechend verhalten; sie werden von
MetaUflächen reflektiert, lassen sich also durch Hohl-
spiegel richten und konzentrieren: an der Grenze
zweier Dielektrika werden sie gebrochen, da ihre Fort-
pflanzungsgefchwindigkeit nach der Theorie propor-
tional zur Quadratwurzel aus der Dielektricitäts-
konstante und also für verschiedene Stoffe verfchie-
den ist. Die epochemachenden Versuche von Hertz
sind durch zahlreiche Forscher in den letzten Jahren
weiter geführt worden; namentlich O. Lodge, A.
Righi und P. Lebcdcw haben noch kürzere E. W. zu
erzeugen gelehrt (mit einer Wellenlänge von der
Größe einiger Centimeter oder Millimeter), und
dementsprechend konnten die meterhohen Veobach-
tungsapparate von Hertz bedeutend verkleinert wer-
den" Besonders den Vrechungserponenten verschie-
dener Stoffe für E. W. hat man zu ermitteln gesucht.
Der absolute Wert der Fortpflanzungsgefchwindig-
keit in Luft ergab sich immer näher gleich der des
Lichts. (S. Elektrooptik, Bd. 6.) Ordnet man den
Schließungsdraht des Erregers in passender Weise
an, etwa in zwei parallelen Leitungen nebeneinan-
der, so kann man, wie das schon von G. Kirchhofs
185? geschah, die Erscheinung dahin auffassen, daß
sich im Draht selbst E. W. fortpflanzen. Diese
"Drahtwellen" sind gleichfalls bereits von Hertz
und dann von Lecher u. a. unterfucht.
Nach Maxwells Theorie gehen von einem Erreger
E.W.gleichzeitig auch magnetische Schwingun-
gen aus, die sich infolge der allgemeinen, wenn
auch meist geringen Magnetisierbarkeit der Körper,
als magnetische Wellen mit derselben Geschwin-
digkeit wie die E. W. fortpflanzen. Sie sind wie
diese Transversalwellen, ihre Schwingungsrichtung
steht aber senkrecht zu der der E. W. Ihre Existenz
kann bisher nur indirekt nachgewiesen werden. -
Vgl. E. Lecher, Die Versuche von H. Hertz über den
Zusammenhang von Licht und Elektricität (Wien
1890); H. Hertz, Untersuchungen über die Ausbrei-
tung der elektrischen Kraft (Lpz. 1892); P. Drude,
Physik des Äthers (Stuttg. 1891).
^Elektrochemie. Die Verwendung des elek-
trischen Stroms in der chem. Industrie erstreckt sich
auf die Gewinnung und Reindarstellung von Me-
tallen (s. Elektrometallurgie!, auf reduzierende
Schmelzprozesse und Herstellung verschiedener Che-
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