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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Fructus. Früchte.

Im Handel unterscheidet man vor Allem Bourbon- und mexikanische Vanille. Für Deutschland speziell ist namentlich die erstere maßgebend, während die mexikanische mehr nach England geht. Ueber die Produktion von Vanille auf Bourbon verdanken wir der Importfirma H. G. Aust, Hamburg, welche dort sehr bedeutende eigene Plantagen besitzt, folgende Daten:

1869/70 12362 kg

1871/72 13780 "

1873/74 9804 "

1874/75 20865 "

1875/76 22882 "

1876/77 26818 "

1877/78 32077 "

1878/79 29912 "

1879/80 44689 "

1880/81 23031 "

1881/82 27764 "

1882/83 21095 "

1883/84 28049 "

1884/85 48648 "

1885/86 57073 "

1886/87 48549 "

1887/88 89000 "

1888/89 50000 "

Diese Zahlen beweisen, wie grossen Schwankungen die Produktion durch Witterungs- und andere Verhältnisse unterworfen ist.

Auf Bourbon hat man übrigens schon lange angefangen die Befruchtung der Blüthen künstlich zu bewerkstelligen, indem man den Pollen durch Menschenhand auf die Narben überträgt. Durch diese, allerdings sehr mühsame Operation ermöglicht man, dass fast alle Blüthenfrüchte ansetzen, während ohne dem nur die Insekten eine Befruchtung hervorrufen, da der eigenthümliche Bau der Blüthen die natürliche Befruchtung fast zur Unmöglichkeit macht. Je nach der Länge der Kapseln differirt der Preis der einzelnen Sorten. Eine geringe Sorte, die sehr lang, aber dünn und feucht ist, leicht schimmelt, kommt von Mexiko unter dem Namen "el Zacata" in Bündeln von je 100 in den Handel und dient mit der "el Rezacata" (Abfall) vielfach zum Ausfüllen der Kisten.

Die Bourbonvanille ist etwas breiter als die Mexikaner und bei geringen Sorten an den Enden stark ausgetrocknet. Die früher vielfach in den Handel kommenden wilden Sorten, brasilianische, Pompona, Guyana Vanille sind sehr trocken, kurz und dick, aber mit wenig Fruchtmus. Sie sollen auch von anderen Vanillearten (V. Angustifolia, V. Pompona) abstammen, verschwinden aber bei dem billigen Preis der guten Sorten immer mehr.

Unter dem Namen Vanillon kommt von Guadeloupe eine eigenthümliche Vanille-Art in den Handel, deren Stammpflanze noch unbekannt ist. Von einigen Forschern wird Vanilla Pompona als Stammpflanze angegeben. Die Schoten sind kurz, 12-14 cm lang, 2-3 mal dicker als die gewöhnliche Vanille und meist, um das Aufspringen der Schoten zu vermeiden, mit einem schwarzen Faden spiralförmig umwickelt. Der Geruch ist eigenthümlich und schwankt zwischen Vanille, Cumarin und Heliotrop. Die Waare dient nur zu Parfümeriezwecken.

Es sind schon öfter in Folge des Genusses von Vanillespeisen Er-^[folgende Seite]