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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Semina. Samen.

die ordinären vielfach direkt in den Schiffsraum geschüttet nach Europa versandt werden.

Zur weiteren Verarbeitung werden die Kakaobohnen gleich dem Kaffee in offenen Kesseln oder eisernen Trommeln geröstet, und zwar so weit, dass die äussere Schale brüchig und leicht ablösbar wird. Durch das Rösten entwickelt sich erst das vollständige Arom, und zu gleicher Zeit entstehen Spuren von brenzlichem Oel, welches, gleich dem Theobromin, anregend wirkt. Hierauf kommen sie in einen eigenen Apparat, der sie grob zerbricht; die leichtere Schale wird dann vom Kern durch Gebläsevorrichtungen, ähnlich den Kornreinigungsmaschinen, getrennt und nachdem sie grob gemahlen, als Kakaoschale in den Handel gebracht. Diese dient im Aufguss als Surrogat für Kaffee und Thee.

Die Kerne werden, nachdem die Keime möglichst abgesiebt (sie sollen nachtheilig auf den Geschmack des K. wirken), mittelst erwärmter Walzen sehr fein gemahlen; hierbei schmilzt das in denselben enthaltene Kakaoöl, und die ganze Masse verwandelt sich in einen halbflüssigen, braunen Brei, welchen man mittelst blecherner Kapseln in die gebräuchliche und bekannte Tafelform bringt. (Kakaomasse, Massa cacaonis.) Aus dieser Masse bereitet man die verschiedenen Chocoladesorten durch Schmelzen bei mäßiger Wärme, inniges Mengen mit Zuckerpulver im Verhältniss von 1 Th. Kakaomasse zu 1-2 Th. Zucker. Eine derartige Mischung, ohne Gewürz, heisst Gesundheitschocolade. Werden Gewürze, Vanille etc. hinzugefügt, so trägt sie den Namen Gewürz- oder Vanillechocolade. Vielfach setzt man der Chocolademasse medizinische Stoffe zu, um das Einnehmen der letzteren angenehmer zu machen, oder auch Stoffe, welche die diätetische Wirkung der Chocolade nach gewisser Richtung erhöhen sollen, z. B. Isländischmoos-Chocolade u. A. m.

Wie sich aus den oben angeführten Bestandtheilen der Kakaobohnen ergiebt, sind dieselben nicht nur in Folge des Theobromingehaltes ein Genussmittel gleich dem chinesischen Thee, sondern in Folge der übrigen Bestandtheile zu gleicher Zeit ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel, welches nur in Folge seines grossen Fettgehaltes schwer verdaulich ist. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, wird vielfach die Hauptmenge des Oeles durch warmes Pressen entfernt, der gewonnene Presskuchen fein gepulvert und dann als entölter Kakao in den Handel gebracht. Löslicher Kakao wird aus entöltem K. entweder durch Erhitzen, wodurch das Stärkemehl zum grössten Theil in Dextrin übergeführt wird, oder durch Behandeln mit schwachen Alkalien erhalten. Der Verbrauch an Kakao und den daraus bereiteten Präparaten ist ein sehr grosser, namentlich bei den Völkern romanischer Abkunft, wie Spanier, Italiener, Franzosen.

Der Import Hamburgs betrug im Jahre

^[Liste]

1885 75083 Säcke

1886 87891 "

1887 100610 "