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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Olea äthérea, ätherische Oele.

mitgerissene Stoffe und sind auch mehr oder weniger gefärbt. Um sie ganz zu reinigen, unterwirft man sie einer zweiten Destillation mit Wasser, der Rektifikation. Dieselbe geschieht entweder mit direktem Dampf oder, indem man das Oel, mit der 5 bis 6 fachen Menge Wasser gemischt, in eine Destillirblase bringt. Bei einzelnen Oelen, wie Pfefferminz- und Anisöl, die besonders reich an Verunreinigungen harziger Natur zu sein pflegen, wird sogar vielfach eine zweite Rektifikation vorgenommen. Ein solches Oel wird in den Preislisten mit "bis rectificatum" bezeichnet. Bei feinen Blüthenölen vermeidet man die Rektifikation gänzlich, weil deren Geruch immer etwas darunter leidet.

Alte harzig gewordene Oele lassen sich durch eine Rektifikation ebenfalls bedeutend verbessern.

Aufbewahrung. Alle ätherischen Oele sollen möglichst vor Luft und Licht geschützt werden; die Vorräthe bewahrt man daher am besten im dunklen Keller auf und zwar in ganz gefüllten und fest verschlossenen Flaschen; im Verkaufslokal vermeide man zu grosse Flaschen. Ein geringer Zusatz von Alkohol vermindert übrigens ganz bedeutend die Verharzung der Oele. Leider lässt sich nur mit grossen Schwierigkeiten der Prozentgehalt an zugesetztem Alkohol genau konstatiren; andernfalls würde es durchaus zu rechtfertigen sein, wenn alle ätherischen Oele, die es bei ihrer Anwendung vertragen, mit 4-5% Alkohol versetzt würden.

Kleinere Mengen harzig gewordenen Oeles lassen sich nach Hager dadurch wieder verbessern, dass man sie mit dem 5. Theile ihres Volumens von einem Gemisch aus gleichen Theilen Borax, Thierkohle und Wasser während einer halben Stunde unter öfterem Umschütteln mengt. Nachher lässt man sie an einem kühlen Orte absetzen und trennt sie durch Filtration.

Prüfung. Bei den zum Theil enorm hohen Preisen der ath. Oele (erreichen doch einzelne von ihnen, wie Rosenöl und Irisöl, Preise von M. 1000-2000 per kg) sind dieselben zahllosen Verfälschungen ausgesetzt. Alle die gröberen Beimengungen, wie Alkohol, Chloroform, fette Oele etc. lassen sich mit verhältnissmäßiger Leichtigkeit nachweisen. Ganz anders liegt dagegen die Sache, sobald die Fälschung mit anderen, billigeren äth. Oelen stattgefunden hat; hier ist eine sichere Erkennung bei der Raffinirtheit, mit welcher diese Fälschungen vorgenommen werden, oft unmöglich. Hier müssen Nase und Zunge die besten Reagentien abgeben, und wirklich lässt sich mit einiger Uebung auch viel damit erreichen. Auf den Geruch prüft man in folgender Weise: zuerst riecht man in das Gefäss selbst; dann aber, wenn man hierbei nichts Bedenkliches gefunden hat, tupft man mit dem Stöpsel ein Tröpfchen des fraglichen Oeles auf die obere Handfläche und verreibt dasselbe dort gänzlich. Hierdurch treten fremde Gerüche, namentlich wenn sie, wie dies bei den billigeren Oelen meist der Fall ist, strenger sind, weit deutlicher und klarer hervor.