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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Abriss der allgemeinen Chemie.

stimmten konstanten Gewichtsverhältnissen (nach ihren Atomgewichten) oder nach den Multiplen derselben.

Fur jedes einzelne Element hat man ein bestimmtes Verbindungsgewicht ermittelt und dies in Vergleich gestellt zu dem Verbindungsgewicht des Wasserstoffs, als desjenigen Elementes, bei welchem dasselbe am kleinsten ist. Setzt man das Verbindungsgewicht des Wasserstoffs = 1, so ist z. B. das des Sauerstoffs = 16, das des Stickstoffs = 14 etc. (S. die Tabelle S. 367). Eine solche Zahl nennt man Atomgewicht, d. h. die kleinste relative Gewichtsmenge, mit welcher sich ein Element an der Bildung chemischer Verbindungen betheiligt.

Da diese Atomgewichte für jedes einzelne Element unveränderlich sind, hat man dem Zeichen des Elementes zugleich die Bedeutung seines Atomgewichts beigelegt, so dass also diese Symbole nicht bloss qualitative, sondern auch quantitative Bedeutung haben; z. B. die Formel HgO giebt an, dass in 216 g Quecksilberoxyd 16 g Sauerstoff, folglich in 75 g Quecksilberoxyd 5,55 g Sauerstoff enthalten sind. Oder: nach der Formel AgNO3 lässt sich leicht berechnen, dass sich in 100 g Höllenstein 63, 53 g Silber finden.

Ausserdem gewinnen die chemischen Formeln noch dadurch an Wichtigkeit, dass man mit ihrer Hilfe die Vorgänge bei der Einwirkung verschiedener Körper auf einander mit grosser Einfachheit und Schärfe in Gleichungen darstellen kann; z. B. der Prozess der Auflösung von Zink in Schwefelsäure, wobei Zinksulfat und Wasserstoff entstehen, lässt sich durch folgende Gleichung veranschaulichen:

H2SO4^[H_{2}SO_{4}] + Zn = ZnSO4^[ZnSO_{4}] + H2^[H_{2}].

Man ersieht daraus nicht nur, welche Elemente auf einander einwirken und welche Verbindungen zerlegt, bezw. neu gebildet werden, sondern kann auch den ganzen Prozess genau quantitativ verfolgen. Und dies ist von grosser praktischer Bedeutung, wenn man sich bei chemischen Arbeiten Gewissheit verschaffen will nicht nur über die Menge des zu verarbeitenden Materials, sondern auch über die zu erwartende Ausbeute.

Die Fähigkeit eines Atomes, mit Atomen eines anderen Elementes zu einer Verbindung zusammenzutreten, ist in Bezug auf die Zahl der zu bindenden Atome verschieden. So giebt es z. B. Elemente, von denen 1 Atom genügt, um mit 1 Atom eines anderen eine chemische Verbindung zu bilden; bei anderen beansprucht 1 Atom zu gleichem Zwecke 2, 3 oder 4 Atome eines anderen Elementes. Diese Eigenschaft der Elemente, von den Atomen anderer Elemente eine bestimmte Anzahl zu binden (oder zu vertreten), nennt man Werthigkeit (Valenz) oder Sättigungsvermögen.

Einwerthig sind: H, Cl, Br, J, Na, K, Li, Ag.

Zweiwerthig sind: O, S, Se, Te, Ba, Sr, Ca, Mg, Hg, Cu, Pb, Cd, Zn.

Dreiwerthig sind: N, P, As, Sb, Bi, Bo, Au.

Vierwerthig sind: C, Si, Sn, Pt, Fe, Mn, Ni, Co, Al, Cr.

Drei- oder fünfwerthig sind: N, P, As, Sb, Bi.