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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Farben und Farbwaaren.

obersten den grössten, die untersten den kleinsten Zwischenraum zeigen. Hierdurch gelingt es, mit einem einzigen Durchpassiren des Walzensystems die Farbe auf das Feinste zu mahlen. Soll diese in den gewöhnlichen Mühlen angerieben werden, so mengt man zuerst das Farbenpulver mit der betreffenden Quantität Oel (s. w. unten) gut durch. Man darf sich dabei nicht durch die steife Konsistenz irre machen lassen, da die Masse um so dünner wird, je öfter sie durchgemahlen wird. Besteht die Farbe aus mehreren Stoffen, so muss das Pulver vorher gut gemischt werden. Sehr erleichtert wird die Arbeit, wenn man Oel und Pulver schon am Tage vorher zusammenrührt. Ferner ist darauf zu achten, dass man niemals Farben zusammenbringt, welche sich gegenseitig zersetzen; so darf man nicht Bleiweiss mit schwefelhaltigen Farben, wie Ultramarin oder Zinober vereinigen wollen. Immer soll man die Natur der einzelnen Farbstoffe, wie wir sie bei der Besprechung der Farben kennen gelernt haben, in Betracht ziehen. Für ganz ordinäre Farben kann man wohl den Satz aus den Firniss- und Leinölfässern zum Anreiben verwenden; immer aber tritt hierdurch, wegen des Schleimgehaltes desselben, eine Verschlechterung ein. Derartige Farben sollten höchstens als Grundfarben Verwendung finden. Bei besseren Sorten ist und muss es Regel bleiben, nur bestes Leinöl zu verwenden. Die weissen Farben kann man durch eine Spur Blau noch etwas heben, doch hüte man sich vor dem Zuviel. Bei Zinkweiss darf es Ultramarin, bei Bleiweiss nur Smalte oder Berliner Blau sein.

Ist der Farbebrei gemengt, so füllt man ihn in den Trichter der Mühle, stellt diese an der unteren Stellscheibe nicht zu eng ein und lässt durchmahlen. Die durchgegangene Farbe giebt man wieder auf den Trichter zurück und mahlt sie, nachdem die Mühle enger gestellt, zum zweiten resp. dritten Male. Wie oft eine Farbe durchgemahlen werden muss, richtet sich nach der Natur derselben. Es giebt einzelne, welche so fein und zart sind, dass schon eine einmalige Bearbeitung genügt, andere erfordern eine viel längere Behandlung.

Bekanntlich werden die Farben vielfach beim Vermahlen gestreckt, d. h. mit anderen, wenig oder gar nicht deckenden Substanzen gemengt. Wenn dieses Verfahren auch nicht gerade zu billigen ist, so kann man es doch nicht vermeiden, wenn man genöthigt ist, auf den Preis Rücksicht zu nehmen. Manche Farben, wir nennen hier z. B. die Eisenoxydfarben, sind auch von so grosser Ausgiebigkeit, dass sie ein Strecken vollständig ertragen; oft ist dies sogar nothwendig, wenn hellere Nüancen erzielt werden sollen. Welche Stoffe zum Strecken verwandt werden, richtet sich nach der Natur der Farbe. Bei spezifisch schweren eignet sich am besten der gemahlene Schwerspath; für leichte dagegen verwendet man besser Lenzin oder Leichtspath, da der Schwerspath sich bei diesen bei längerem Stehen, namentlich wenn die Farben etwas dünner sind, zu