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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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wahrhaft Edle (wie sich zeigt 79 (v. 49) dig. si quis sacerdotibus und in glossa 1). Deshalb hat Papst Clemens an die Bürgerschaft von Neapel geschrieben in der Überschrift: "Den edlen Bürgern etc. ", indem er zugestand, daß die Bürger Edle seien. Und ich habe keinen Zweifel, wenn dem Papst die Geschlechter und Abstammung der Ulmer Bürger bekannt wären, würde er an sie mit demselben Titel schreiben, während der Adel Italiens durch dunkle und ehebrecherische Vermischungen befleckt ist, denn häufig hören wir, daß Bastarde von Italienern ihren Vätern in hohe Würden folgen, was bei den Schwaben keineswegs zugelassen wird, und keine Dispensation oder Zugeständnis könnte die Schwaben dazu bewegen, die Regierung eines Bastards selbst eines Kaisers zu ertragen. Ich glaube nämlich, daß die Ulmer, ehe sie einen Bastard als Bürgermeister annehmen würden, auch wenn es der Sohn eines Fürsten wäre, daß sie eher ihr eigenes Gemeinwesen selbst auflösen würden; denn sie wissen aus Salomos Belehrung, daß was aus der Hurerei gepflanzt wird, nicht tief wurzelt, Sap. 4 1), und daß Bastarde der Niedrigkeit zustreben. Und nicht nur Bastarde als Vorgesetzte zu haben, weisen sie zurück, sondern ebenso schwer und ungern ertragen sie die Herrschaft von Ehebrechern. Wenn daher der vorgenannte Papst schreibt, daß die Neapolitaner edle Bürger seien, so zeigt er, daß auch die Bürger anderer ruhmreicher Städte edel seien. Besonders jedoch werden diejenigen als edle Bürger anerkannt, welche so weh in den Graden der Abstammung zurückgehen, daß sich die Menschen nicht mehr ihres Ursprungs erinnern können und die Erinnerung über die Kenntnis der jetzt Lebenden hinausgeht, weil keine Urkunde über ihre Herkunft vorhanden ist. Daher sagt Cassianus in einem Brief: "eine lobenswerte Ader bewahrt ihren Ursprung". Wegen dieses Adels werden die Bürger Edle, Älteste und Herren von den Geschlechtern genannt. Hiebei ist jedoch zu bemerken, daß sich Edle in zwiefachem Unterschied finden, einige heißen Ältere, andere Jüngere. Die Älteren sind diejenigen, die einst aus Griechenland mit den Trojanern nach Italien und in andere Länder gekommen waren und von Rom erst durch Karl weggeführt nach Schwaben (pag. 61) und in andere Gegenden versetzt worden sind, wie oben gesagt worden ist; von diesen sind auch viele in die Städte gekommen. Und diese Edlen werden Vornehmste und Krieger genannt und unter die Angesehensten und Baronen gerechnet. Auch wohnen diese gewöhnlich auf Burgen, indem sie sich und die Ihrigen auf den Bergen schützen; auch ihre Burgen erhalten von ihnen ihre Namen und sie nehmen an den Turnieren Teil. Die jüngeren und niedrigeren Edlen aber sind die Ratsherren und Ältesten der Städte, die ruhmreichen Bürger, die in den ruhmreichen Städten wohnen, z. B. in Konstanz, Zürich, Ulm, Augsburg u. s. w.; diese können, wie gesagt, eigentlich Edle genannt werden (wie auch gelesen und bemerkt wird in c. series de testibus etc. ) Doch sage ich weder, daß alle Bürger dieses dritten Standes Edle seien, noch daß einer von ihnen unedel zu nennen sei, weil nur derjenige unedel ist, der unbekannt und von dunklem Geschlecht ist, dessen Namen man nicht einmal kennt, wie Isidor 10 etymolog. sagt; von diesen ist keiner in der ganzen Menge des dritten Standes; denn alle sind von berühmter Herkunft und keiner unter ihnen ist unedel, obwohl nicht alle edel sind. 2)

1) Weish. 4, 3

2) Mon. 2. Schad. Schmid. u. Wibl. schieben ein: Denn wie nicht zu schließen ist: "dieser ist nicht weiß, also ist er schwarz", denn er kann ja auch eine andere Farbe haben, so kann man nicht schließen: "dieser ist nicht edel, also ist er unedel", da er ja auch von mittlerem Stande sein kann.