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Abhandlung von der Stadt Ulm

Bruder Felix Fabris, Druck der Buchdruckerei von Heinrich Frey, Ulm, 1909

Nach der Ausgabe des litterarischen Vereins in Stuttgart verdeutscht von Professor K. D. Haßler.

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wenn auch sie [die Bürger] selbst nicht eingelassen werden. Die Bürger aber haben statt der Turniere die Lanzenstechen, bei welchen die Adeligen mit ihnen kämpfen, indem sie mit Lanzen zusammentreffen, die entweder scharf oder mit Krönlein [Scheiben] versehen sind; gewiß ist aber, wenn die Bürger nicht adelig wären, so würden sie nicht in solchen Kampfspielen mit ihnen kämpfen.

Siebentens zeigt sich ihr Adel in den Reigentänzen. Denn zu den höfischen Reigentänzen der Adeligen werden die Bürger und Bürgersfrauen zugelassen, und umgekehrt, zu diesen Tänzen wagt kein Plebejer zu gehen, um zu tanzen, sondern nur um zuzusehen. Deswegen lassen auch die höher geborenen Ulmer Bürger, wenn sie solche Tänze haben, keinen Zünftigen tanzen und lassen auch deren Frauen und Töchter nicht zu, damit sie nicht bei den Adeligen verächtlich behandelt werden. Aber wenn ein Bürger die Tochter eines Zünftigen zur Frau nimmt, so tritt sie in den Tanz ein.

Achtens zeigt sich, daß sie adelig sind, an ihren alten Wappen und Abzeichen; denn Adelige siegeln mit den Bürgern ihre Briefe und vieles dergleichen.

Neuntens sind Bürger adelig, weil sie alten Reichtum besitzen, wegen dessen manche ihnen den Adel zuerteilt haben. Daher sagte ein Kaiser: Adel ist alter Besitz von Geld mit schönen Einrichtungen und Sitten. Ein anderer sagte: Adel ist Tüchtigkeit und (pag. 75) alter Reichtum; denn aus altem Reichtum ziehen sie Nutzen nicht nur für den bürgerlichen, sondern auch für den wirklichen (inneren) Adel.

Zehntens sind Bürger adelig, wenn sie tugendhaft und mannhaft sind. Daher sagt Seneca: Adel ist der mannhafte Zustand in der Seele. Derselbe sagt daher zu Lucullus: wenn du dich über das gemeine Volk erheben und adelig werden willst, so lebe mannhaft, und hülle deine Seele in das Kleid der Tugend. Diese Bedingung des Adels erreichen die in den Städten lebenden Bürger leichter als die auf ihren Burgen sitzenden Adeligen, weil sie die Gelegenheit und den Stoff für mannhafte Eigenschaften haben, welche die auf den Burgen entbehren, z. B. religiöse Dienstleistungen und tägliche Unterweisungen, deren Befolgung ihren Adel beweist. Daher sagt Seneca in seinem Buch de clementia: Der Geist dessen, der von Adeligen stammt, ist leichter geneigt zur Mannhaftigkeit und Tugend. Denn nach Tullius ist derjenige adelig, der nichts Unehrenhaftes treibt und den besonders seine heldenmäßige Mannhaftigkeit adelt; und wenn diese ein von edlem Blut Abstammender nicht hat, so verliert er nicht nur seinen Adel, sondern zieht sich auch durch entgegengesetztes Verhalten Unehre zu. Wenn man sich nämlich Unehre zuziehe, siehe in der Chronik des Durandus tit. 161.

Elftens sind Bürger adelig, wenn sie mit dem Handel und gewinnbringenden Geschäften sich nicht abgeben; denn der Kaiser verbietet dies den Adeligen ([Cod. 1. 4. tit. 63, 3] c. de commercio et mercatoribus t. nobiliores), und wenn sie nicht über Handwerksarbeiten schwitzen; denn ein Handwerker kann nicht adelig sein, wie Baldus an obiger Stelle sagt. Wenn aber ein Adeliger von Armut gezwungen genötigt wird Geschäfte oder ein Handwerk zu treiben, so hört er politisch betrachtet alsbald auf adelig zu sein; denn die oben unter "neuntens" gegebene Begriffsbestimmung paßt nicht auf ihn; darum ist auch nichts darüber bestimmt.

Zwölftens werden die Ulmer Bürger des dritten Ranges als adelig dadurch nachgewiesen, daß nach alter Gewohnheit zu einer Vogtei der Stadt oder einem höheren Amt nur