Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

XIII. Band. Nr. 42

Erscheint wöchentlich. Abonnement jährlich Fr. 2.50; als Beilage zum »Schweiz. Familien-Wochenblatt" gratis. Inserate die kleine Zeile 25 Cts.

Verlag Th. Schröter, Obere Zäune 12. Zürich.

1904. 16. April. Inhalt: Surrogate im Haushalte. (Schluß.) - Vermischtes. - In der Frühlingszeit zu beachtende Warnung. - Haus- und Zimmergarten. - Kosmetik. - Gesundheitspflege. - Kochrezepte. - Briefwechsel der Abonnenten unter sich. - Litteratur. Was muß der Gebildete von der Botanik wissen? - Inserate.

Surrogate im Haushalte.

(Merkblatt ins Stammbuch unserer Hausfrauen.)

Von Dr. Ferdinand Gruselius.

(Schluß.)

Einige aus dem täglichen Leben gegriffene Beispiele, die natürlich nicht den Anspruch erheben, den Gegenstand zu erschöpfen, mögen die Bedeutung der Surrogate in unseren Haushalten erläutern.

Behaglich setzt sich der Hausherr, der gut ausgeschlafen und die Empfindung eines kräftigen Appetits hat, an den Frühstückstisch, auf dem schon das Leibblatt der Lektüre harrt. Aber obwohl der Leitartikel dem Familienoberhaupte aus der Seele geschrieben ist, schlägt seine Stimmung ins schlechte um. Die Morgenkost will nicht munden. Der Kaffee hat einen widerwärtigen ordinären Beigeschmack, die Sahne ist eine dünne, getaufte Milch, der Honig entbehrt des gewohnten feinen Wohlgeschmacks und die Butter ist eine fade, fettige Masse, von der selbst ein an Pomaden- und Talglichterkonsum gewöhnter Kosacke ^[richtig: Kosake] oder Kirgise nicht entzückt sein würde. Bei näherer Betrachtung des Unglücks stellt es sich nun heraus, daß man durch eine Verkettung widriger Umstände in diesem Haushalt, wo man an Ware erster Güte gewöhnt ist, einmal mit Surrogaten, und zwar mit recht minderwertigen gearbeitet hat.

Die Köchin, die das Zuendegehen des Kaffeevorrates zu spät bemerkt hat, ist in aller Morgenfrühe zu dem benachbarten Kleinkrämer gelaufen, bei dem sie, um Zeit zu sparen, keine ganzen Bohnen, sondern eine kleine Portion bereits gemahlenen Kaffee erstanden hat. Das bräunlich-schwarze Pulver, das sie von dort nach Hause gebracht hat, erweist sich aber unter dem Mikroskope des befreundeten Chemikers als ein Mixtum Compositum aus allen möglichen Dingen: ein wenig echten Kaffee, womöglich von der Sorte des an sich schon unschmackhaften Costaricakaffees, dann aus gebrannten Eicheln, Dattelkernen, Fruchtschalen echter Kaffeebohnen, die unter dem Namen Sakkakaffee bekannt sind, die in gemahlenem Zustand sich leicht einschmuggeln lassen. Es ist also kein Wunder, wenn der unter den Händen der Küchenfee entstandene Absud, weil er eben Kaffee nur in Spuren enthält, nicht die gewünschte belebende Wirkung ausübt und obendrein jämmerlich schmeckt.

In diesem Falle liegt offensichtliche Nahrungsmittelverfälschung vor, aus der man nur die weise Lehre ziehen kann, am besten keinen gemahlenen Kaffee oder solchen doch nur in Geschäften zu kaufen, auf deren Ehrlichkeit man sich verlassen kann. Ganz anders aber liegt der Fall, wenn in einer Haushaltung Kaffeesurrogate benutzt werden, die sich wie der bekannte Kneippkaffee und die verschiedenen Zusätze vom feinsten Feigenkaffee bis zur ordinärsten Zichorie offen als dasjenige zu erkennen geben, was sie sind. Hier handelt es sich um richtige Surrogate, deren man sich eben nur bedient, wenn man es ausdrücklich will.

Von Milchsurrogaten kann eigentlich nicht die Rede sein. Alles, was man als solche anzusprechen geneigt sein könnte, ist eigentlich doch Fälschung von der abgerahmten oder mit Wasser versetzten Milch bis zur sauren Sahne, die mit dickgewordener saurer Milch vermischt ist und dem Schmor- oder Hasenbraten nicht die gute schmackhafte Sauce geben will, die man erwartet. Ein eigen Ding ist es dagegen mit den Honigsurrogaten. Echter Honig ist nur der Nektar, den die Honigbiene aus den Nektarien der Blüten sammelt. Er besteht aus Frucht- und Traubenzucker, Bienenschleim, Ameisensäure und etwas Bernsteinsäure. Ersatz des echten Honig durch Malz- oder ordinären Kartoffelsyrup ist bereits etwas selten geworden. Dagegen ist der sogenannte Kunsthonig, der aus Invertzucker, kleinen Mengen echten Honigs und parfümierenden Substanzen besteht, ein weitverbreitetes Surrogat. Da seine Konsumtion keine nachteiligen Folgen hat, kann ihn der, der sich nicht auf echten Blütenhonig kapriziert, unbedenklich genießen. An der Tatsache des Betruges wird jedoch nichts geändert, wenn er