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Kochschule und Ratgeber für Familie & Haus

Autorenkollektiv, Verlag von Th. Schröter, 1903-1905

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richten. Einen Hof hat das haus nicht, und wenn es ein Gärtchen hat, so wird das erst recht vor Staub und Schmutz geschützt. So steht denn vor den meisten Haustüren das Teppichreck, ein Gestell, das wie eine Doppelleiter aussteht, auf welchem die Teppiche, die auf den Gängen liegen, die Läufer der Treppen und die großen Küchenmatten ausgeklopft werden. Aber wenn nach 9 Uhr sich noch ein Mädchen mit dieser Arbeit beschäftigt, dann kommt langsam und bedächtig ein Schutzmann daher geschritten. Gewöhnlich huscht die Betreffende vorher rasch ins haus hinein, denn sie weiß, es kostet 3 fl. Strafe, wenn man nach 9 Uhr noch klopft oder Staub auf die Straße bringt. Läßt sie es darauf ankommen, dann grüßt sie der Schutzmann höflich> nnd teilt ihr väterlich ruhig mit, daß das verboten ist, und daß es 3 fl. Strafe kosten würde, wenn er fie noch einmal fo spät bei solcher Arbeit fände. Dann fpricht man wohl noch ein paar Worte in aller Freundschaft zusammen, und der Schutzmann geht ruhig und bedächtig wieder weiter.
Wenn sie dann fo bis 9 Uhr aus Leibeskräften geklopft und ausgebürstet haben, dann kommen sie freudig mit ihren blitzblanken Messingeimern und mit ihren Schrubbern an.
Und wenn mau am Sonntag früh zur Kirche geht, dann ist's eine Lust, zu sehen, wie allüberall uns alles so sonntäglich entgegen lacht. Da wird man nirgends mehr arbeiten oder putzen sehen. Alle Haustüren glänzen, alle Fenster spiegeln. Die Knöpfe der hausklingeln glänzen golden. Und ebenso das "Naamboordje", das kleine Messing -schild, das an jeder Haustür angebracht ist, und den Namen zeigt. Denn da alle Häuser verschlossen sind und jede Haustür immer nur für eine Familie ist, so steht auf jeder Tür der Name. Und daß dies Naamboordje recht strahlend hell glänzt, das ist der Stolz des, Hausherrn und der Hausfrau. Und des Dienstmädchens erst recht! Wenn einmal Kritik geübt wird an einer schlampigen Familie, dann ist der bekannte Kunstausdruck: "Man braucht ja nur ihre Naamboordze anzusehen, und die Gardinen!"
Denn die Gardinen und die weißen Rouleaux, das ist nach außen ein Zeichen, wie es drinnen aussieht.
Ich hatte einmal eine Gesellschaft kleiner Mädchen beisammen. Sie waren alle so im Alter von 10 Jahren. Die saßen sehr nett bei ihren kleinen Teetassen, und man sah es ihnen an, sie fühlten sich würdig und behaglich. Sie plauderten auch schon "wie die Alten" und kamen ganz unvermerkt auch auf den lieben Nächsten. Sie besprachen eine Familie, die im Rufe stand, nicht sehr reinlich zu sein. Da legte eine der Kleinen sein Händchen so ganz ernst und wichtig ans Ge-
sichtchen, und frug feierlich und halblaut: "Und habt Ihr die Gardinen schon gesehen?" Und darauf gab's ein allgemeines Entsetzen und Kopfschütteln. Ich aber mußte lächeln über diese kleinen, echten holländerchen, von denen jetzt vielleicht einige schon echte holländische Hausfrauen geworden find. Die werden voraussichtlich immer dafür sorgen, daß die Außenwelt keinen Anstoß an ihren Gardinen und an ihren weißen Rouleaux nehmen kann.
Eine alte liebe holländische Freundin, der ich gar manchen guten holländischen Reinlichkeitsrat verdanke, verriet mir einmal, sie habe sich eben vom Tapezier seitlich an allen Fensterrahmen ein kleines Bleististstrichelchen machen lassen, wie weit die Rouleaux herunter gelassen werden dürften. Das Strichelchen müfse man natürlich ganz fein machen, damit am Oelfarbenstrich nichts verdorben werde. Kein anderer merke es, sie und ihre Mädchen aber wüßten's und könnten sich nun gut darnach richten. Und es sei eben doch der Staat des Hauses, wenn unter den schönen weißen Gardinen heraus all die weihen Rouleauxfransen an allen Fenstern fo ganz genau in einer Linie hingen. Sie freue sich über jedes haus, wo sie das sehe.
Aber das war bei ihr nicht nur ein scheinen nach außen. So wie die weißen Rouleaux immer in einer höhe gehalten wurden, jahraus, jahrein, so wurde in diesem hause auch jahraus, jahrein immer und immer wieder alles geputzt und gerieben. Ich habe mein Lebtag keine so glänzende Möbel mchr gesehen.
Allerlei OrwerVsgeViete.
Die Oiebhaberkiinste als Erwerbsgebiet.
in.
(Nachdruck verboten).
Was nun die verschiedenen Arbeiten anbetrifft, welche auf Holzgegenständen zur Ausführung gebracht werden können, fo gibt es auch hier solche, die selbst wenig Geübten und wenig Talentierten gute Erfolge verheißen, und solche, die erst nach längerer Uebung und bei großem Fleiße zum erwünschten Ziele führen. Iu letzteren gehören die Kerbschnitzereien, die keineswegs so ganz leicht sind, obwohl sie in dem Kna-ben-handfertigkeits-Unterricht eine erste Stelle einnehmen. Wer keine reinen, klaren Kerben schneiden kann, der möge lieber etwas anderes wählen, denn unansehnliche, dilettan-tenhafte Arbeiten werden natürlich kaum auf einen Absatz rechnen können. Aber Flach-schnitzereien sind nicht schwierig, sofern