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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Abessinien (Bodenbeschreibung, Klima, Naturprodukte).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abessinien'

ablagerungen über demselben besteht. Geognostisch ist A. vorwiegend vulkanischer Natur, und nur von O. her ragt die Kalk und Sandsteinformation in den vulkanischen Kern keilförmig hinein. Schon in der Samhara finden sich ausgebrannte Krater, Lavaströme und Lavafelsen. Ebenso ist der ganze nördliche Rand des Hochlands mit Massen von Lava, Schlacken, Mandelsteinen und Basalt bedeckt, und weiter im Innern ist der Tanasee von einem schroffen, aus vulkanischem Gestein bestehenden Kamm umschlossen, an welchem zahlreiche warme Quellen entspringen. Weiterhin befinden sich besonders in den Landschaften Wogera, Talemt, Agamé und Semién vulkanische und plutonische Gebilde in großer Verbreitung, und auch in den südlichern Landschaften Begemeder, Godscham, Ghedem, Agaomeder hat man dergleichen in Masse angetroffen, die aber vorzugsweise aus Trachyt bestehen. Aktive vulkanische Thätigkeit hat man 1861 noch beim Vulkan Ed am Roten Meer beobachtet.

A. ist überaus reich an Gewässern, aber keins derselben ist schiffbar oder auch nur flößbar. Alle befinden sich in einer Höhe von fast 3000 m. Als der bedeutendste Strom im nördlichen Teil des Landes ist der Abaí, der obere Lauf des Blauen Nils, zu nennen, der bei Säkkala in der Provinz Matscha entspringt, als reißender Bergstrom in den Tanasee fällt und, nachdem er ihn wieder verlassen, in langer Spirale die amharische Landschaft Godscham umzieht, eine lange Reihe von Stromschnellen und Katarakten bildend. Unter seinen zahlreichen Nebenflüssen seit seinem Austritt aus dem Tanasee sind die bedeutendsten: auf der linken Seite Beschilo, Dschamma, Guder, Didessa, Jabus und Tumat, auf der rechten Dinder und Rahad, von denen die zwei letzten von den Bergen Godschams herkommen. Der Takazzé, der zweite Hauptstrom Nordabessiniens, entspringt auf der Grenze zwischen Lasta und Begemeder, scheidet in seinem nordwestlich gerichteten Lauf bis zum 17° nördl. Br. die Landschaften Tigré und Amhara voneinander und bildet, mit einer Breite von etwa 200 m ein hohes Plateauland durchziehend, den Abzugskanal für das nordöstliche A. Er erhält später den Namen Setit und fällt dann als Atbara in den Nil. Im südlichen A. ist der Hawasch von Bedeutung, der im Guraguegebirge entspringt, in einem weiten, fruchtbaren Thal zuerst nach N., dann nach O. fließt, die Landschaft Schoa gegen die freien Gallaländer abgrenzend, und endlich sich wieder nach N. wendet, um sich in den Aussasee zu ergießen. Endlich ist noch der Mareb oder Gasch zu erwähnen, der in Tigré entspringt, auf einer weiten Strecke nach NW. fließt, dann aber eine nordöstliche Biegung macht. Man glaubte früher, daß er in das Rote Meer münde, weiß aber jetzt, daß er sich zur Zeit seiner Hochflut in den Atbara ergießt. Alle angeführten Ströme also, mit Ausnahme des Hawasch, gehören dem Stromsystem des Nils an. Nur der in der nördlichen Landschaft Hamasen bei Tatsega entspringende Ainsaba, der Mensa und Bogos durchzieht, wendet sich dem Baraka zu und gehört so dem Roten Meer an. In der trocknen Jahreszeit sind die Ströme teilweise ohne Wasser, in der Regenzeit aber überfluten sie, oft furchtbare Zerstörungen hervorbringend, das Flachland. Sie bedingen wesentlich das Steigen des Nils und sind Ursache des fruchtbaren Schlammabsatzes in Ägypten durch die aufgelösten vulkanischen Massen, die sie mit sich führen. - Unter den zahlreichen Landseen Abessiniens sind ↔ einige sehr bedeutende, die fast ohne Ausnahme im Hochland liegen und den Charakter der europäischen Alpenseen haben. Ihre vulkanische Umgebung scheint zu der Annahme zu berechtigen, daß sie Ausfüllungen von erloschenen Kratern sind. In Nordabessinien ist als der größte der 1859 m ü. M. gelegene Tana oder Dembeasee in der Landschaft Dembea (s. Tana), im O. der Aschangisee in der Landschaft Wogera zu erwähnen, welch letzterer, von 3300 m hohen Bergen umgeben, in 2441 m Höhe liegt und einen Umfang von 22 km hat.

[Klima, Naturprodukte.] Der Abessinier unterscheidet in seinem in klimatischer Beziehung so viele Abwechselung bietenden Vaterland zwei Hauptregionen: die Kola oder Kwola (das Tiefland unter 1600 m) und die Deka, nebst einem vermittelnden Gliede, der Woina Deka (1600-2400 m). Das Klima ist im Hochland gemäßigt und angenehm, nur in der Deka und namentlich auf den hohen Gebirgszügen von Lasta und Semién im Winter sehr kalt. Auf den östlichen höhern Plateaus steigt das Thermometer im Sommer selten über 30° R. und fällt nicht unter 17°, so daß die mittlere Temperatur etwa 24,5° beträgt. Weit milderes Klima hat das westliche Hochland, wo die mittlere Temperatur zwischen 17,5 und 31,5° schwankt. Gondar hat bei seiner 1904 m hohen Lage eine mittlere Temperatur von 15°, aber bei fast immer heiterm Himmel ist die Wärme selbst im Sommer nicht drückend. In den Niederungen herrscht dagegen einen großen Teil des Jahrs hindurch eine glühend heiße Temperatur, die in den engen Flußthälern wahrhaft erstickend wird. Da in der Samhara die Tropenregen fehlen oder nur periodisch eintreten, so ist hier zugleich die Atmosphäre außerordentlich trocken, während in der Kola wegen des dichten, für die Sonnenstrahlen undurchdringlichen Urwalds und Gestrüpps bei ebenfalls großer Hitze Feuchtigkeit vorherrscht. Im nördlichen Hochland beginnt die Regenzeit im April, um mit Unterbrechungen bis Oktober anzuhalten; in Schoa dauert sie von Mitte Juni bis September. Bei der außerordentlichen Reinheit der Luft erfreuen sich die Bewohner der höher gelegenen Gegenden einer ausgezeichneten Gesundheit; nur rheumatische Übel werden durch die kalten Winde veranlaßt, und in Schoa grassiert der Aussatz. Eine unter den Abessiniern sehr verbreitete Krankheit ist der Bandwurm, ohne Zweifel infolge des fortwährenden Genusses von rohem Fleisch; doch bietet die Natur selbst in einigen Pflanzen die kräftigsten Gegenmittel dar. In den heißen Flußthälern und in der Kola herrschen Dysenterien, Faulfieber und heftige nervöse Krankheiten, welche besonders den Weißen verderblich werden. - Der Pflanzenwuchs ist bei den verschiedenen klimatischen Verhältnissen des Landes sehr mannigfaltig und in günstigen Lagen außerordentlich üppig. Während er in den hoch gelegenen Gegenden schon ganz subalpinisch ist, hat er in der Kola und in den heißen Thälern des untern Mareb und Takazzé ganz den tropischen Charakter. Die Vegetation der letztern zeigt Tamarisken, Sykomoren, Adansonien und Fikusarten, Tamarinden und Kigelien, Akazien, wilde Baumwolle, Sesam und Büschelmais längs der Flußufer. In der mittlern Region der Kola beginnt die Vegetation der Aloepflanzen. In 1500 m Höhe erscheint die für A. so charakteristische Kolkwaleuphorbie, die bis 3600 m Höhe aufsteigt. Ihr gesellen sich der Ölbaum und die mächtige Adansonia bei, doch stehen alle diese Bäume in der Kola

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 36.