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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Adorant - Adreßbüreaus.

nahme von solchen ist kein juristischer Akt, denn die Pflegekinder erlangen gegen ihren Pflegevater gar keine Rechte, und dieser hat sie nur, solange es ihm beliebt, bei sich zu behalten und zu ernähren. - Bei den Naturvölkern wird die A. gewöhnlich mit einer Zeremonie verbunden, welche durch eine Scheinentbindung, Saugenlassen an der Brust oder am Daumen den Empfang eines wirklichen Leibeserben symbolisieren sollte. Noch bei den Griechen dauerte diese weitverbreitete Sitte fort. Vgl. Couvade.

Adoránt (lat.), der Betende, Name der antiken, im Tiber gefundenen Erzstatue eines nackten Knaben, im Berliner Museum, der nach antiker Weise mit erhobenen Händen betet.

Adoration (lat.), Anbetung (s. d.).

Adorf, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Ölsnitz, an der Elster und den Linien Reichenbach-Eger und Chemnitz-Aue-A. der Sächsischen Staatsbahn, mit Amtsgericht, Weiß- und Seidenstickerei, Fabrikation von Streich- und Blasinstrumenten und Perlmutterwaren, Gerberei und (1880) 3427 ev. Einwohnern.

Adossieren (franz.), mit dem Rücken anlehnen; abschrägen, abdachen. In der Botanik nennt man ein Vorblatt (s. d.) adossiert, wenn es seine Rückseite der Abstammungsachse zukehrt.

Adoucieren (franz., spr. -dus-, "versüßen, besänftigen, mildern", auch anlassen, tempern), techn. Operation, durch welche Eisenguß teilweise entkohlt wird. Man erreicht dies durch Glühen in einer Umhüllung von sauerstoffhaltigen Körpern, wie Eisenoxyd, Zinkoxyd, Braunstein etc. Geht der entkohlende Prozeß gleichmäßig durch das ganze Eisen hindurch, so erhält man das sogen. schmiedbare Gußeisen. Vgl. Anlassen. In der Malerei heißt a. die Farbe vertreiben, verwaschen.

Adour (spr. -duhr, lat. Aturus), Fluß in Südfrankreich, entspringt am Tourmalet im Departement Hochpyrenäen, durchströmt das reizende Kampanerthal, die dicht bevölkerte Ebene von Tarbes und die Sandflächen der Landes, wendet sich dann in großem Bogen südwestlich und mündet, an Bayonne vorbeifließend, in den Biscayischen Meerbusen. Bei St.-Sever wird er schiffbar. Seine Länge beträgt 335 km; seine Hauptzuflüsse sind der Arros, die Midouze, der Gave de Pau, die Bidouze und die Nive.

Ad patres (lat.), zu den Vätern (gehen), sterben.

Ad perpetuam memoriam (lat.), zu immerwährendem Andenken.

Ad pias causas, auch ad pios usus (lat.), "zu frommen Zwecken", namentlich zum Besten der Armen, Kirchen, Schulen etc., Formel bei Vermächtnissen.

Adra, Stadt in der span. Provinz Almeria, an der Mündung des Rio Grande ins Mittelmeer, mit Schmelzhütten für silberhaltiges Blei, Zuckerplantagen, Hafen und (1877) 11,320 Einw.

Adramelech (Adar-malik, "herrlicher König"), ein Gott der alten Assyrer, der im Buch der Könige (2, 18) neben Abamelech (Anu-malik) vorkommt und mit dem Moloch der Syrer verwandt erscheint. Wie diesem, wurden ihm zu Ehren Menschen verbrannt. Nach den Rabbinern hatte er die Gestalt eines Pferdes oder Maultiers. A. hieß auch ein Sohn des assyrischen Königs Sanherib, der mit seinem Bruder Sarezer 697 v. Chr. im Tempel des Nibroch seinen Vater ermordete.

Adrar (Aderér), Bezirk in der westlichen Sahara, östlich von Arguin, eine von felsigen Plateaus umgebene, etwa 300 m ü. M. liegende Ebene, von Sandstein gebildet, mit Sandhügeln und Kieseln bedeckt, doch nicht ohne Wasser und Anbau. Zahlreiche aus dem Scharschumgebirge herabkommende Thäler sind mit Bäumen reichlich bewachsen, Dattelpflanzungen und Getreidefelder finden sich hin und wieder. Die Temperatur wechselt zwischen 4 und 35° C.; von Februar bis Mai treten periodische Regengüsse mit Überschwemmungen ein. Hauptstadt ist Wadan, mit 4000 Einw.; Schinghit, Atar sind Mittelpunkte eines lebhaften Handels in den Richtungen nach Nun (Marokko), Tischit und Timbuktu und nach dem Senegal. Berberstämme bilden die Grundbevölkerung von A.; der herrschende Stamm der Udaia rühmt sich arabischer Abstammung. In jüngster Zeit bereiste der französische Reisende Soleillet einen Teil von A. Vgl. "L'Exploration" 1880.

Adrasteia, Beiname der Nemesis (s. d.).

Adrástos, nach griech. Mythus König von Argos, ward von Amphiaraos vertrieben und floh nach Sikyon zu seinem mütterlichen Großvater Polybos, dessen Tochter er heiratete und dessen Thron er erbte. Mit Amphiaraos wieder ausgesöhnt, kehrte er nach Argos zurück. Auf Befehl des Orakels, seine Töchter einem Eber und einem Löwen zu vermählen, gab er die Deïpyle dem Tydeus, die Argeia dem Polyneikes, welche, aus ihren Ländern vertrieben, vor dem Palast des A. zusammengetroffen waren und die Häute jener Tiere als Bekleidung (oder die Tiere als Schildzeichen) trugen. Um den Polyneikes wieder in sein Reich einzusetzen, veranlaßte A. den Zug der sieben Fürsten gegen Theben; dort kamen sie alle um bis auf A., den sein göttliches Roß Arion rettete. Zehn Jahre darauf reizte er die Söhne der Gebliebenen, die Epigonen, zu einem zweiten Zuge gegen Theben, welches nun erobert und zerstört ward; doch fiel sein Sohn Aigialeus in der Schlacht, und der Vater starb vor Gram darüber in Megara. Hier, in Attika und Sikyon, wo er die Pythischen Spiele einführte, ward er als Heros verehrt, und die Darstellung seiner Kämpfe und Leiden gab dem Epos, noch mehr aber der Tragödie reichen Stoff.

Ad referendum (lat.), in der Rechtssprache: zur Berichterstattung, z. B. einen Vergleich a. r. annehmen.

Adressánt (franz.), Briefschreiber; Adressat, Briefempfänger.

Adreßbuch (Adreßkalender), ein Verzeichnis der Bewohner einer Stadt, der Beamten eines Staats oder Landes, oder der Mitglieder gewisser Berufs- und Gesellschaftsklassen, wobei dieselben nach ihren vollständigen Namen, Titeln, Berufszweigen und Wohnungen aufgeführt sind. Das im Auftrag des Zentralverbands deutscher Industrieller und des deutschen Handelstags herausgegebene A. deutscher Exportfirmen (Leipz. 1884), welches, nach Industrien geordnet, die gewerblichen Hauptetablissements, deren Erzeugnisse und Geschäftsbedingungen angibt, hat die Bestimmung, fremden Käufern über unsre industrielle Leistungsfähigkeit Aufschluß zu geben und dadurch neue Geschäftsverbindungen anbahnen zu helfen.

Adreßbüreaus (Adreßkontore, Nachweisungsbüreaus), Anstalten, welche sich vorzugsweise mit der Stellenvermittelung für Dienstboten, Hauslehrer, Gouvernanten, Handlungsgehilfen u. a., mit Wohnungsnachweis, sogar mit Vermittelung von Heiraten u. dgl. beschäftigen. Nach der deutschen Gewerbenovelle vom 1. Juli 1883 (§ 35) ist der Geschäftsbetrieb eines Stellenvermittlers oder Gesindevermieters zu untersagen, wenn Thatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässigkeit des Gewerbtreibenden in Bezug auf diesen Gewerbebetrieb darthun. A., welche speziell über Kreditfähigkeit und die persönlichen Verhältnisse