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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Afrika

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Afrika (Entdeckungsgeschichte: Westafrika).

die Kyrenaika und Jupiter Ammons-Oase antrat. Zugleich mit Nachtigal brach Fräul. Alexine Tinné, eine mutige Reisende, nach S. auf, wurde aber schon unfern Mursuk von räuberischen Tuareg ermordet (Juni 1869). Nachtigal aber unternahm unter großen Gefahren eine Reise zu dem Reschadestamm der Tibbu, deren Land (Tu oder Tibesti) er als der erste Europäer erforschte. Halb verschmachtet und beraubt, langte er noch glücklich im Januar 1871 in Kuka an, wo er seine Geschenke dem Sultan übergab. Ein würdiger Nachfolger Barths, verwandte er die beiden folgenden Jahre zur Erforschung der Landschaften Borgu und Bodele nordöstlich vom Tsadsee und wies nach, daß der Gazellenfluß ein temporärer nordöstlicher Abfluß des Tsad sei. Von Kuka aus erforschte Nachtigal Bagirmi, drang nach Wadaï, das er gleichfalls erforschte, und vollendete nach Durchquerung Dar Furs 1874 die großartige Tour durch den mittlern Sudân bis an den Nil, die vor ihm noch kein Europäer zurückgelegt. Durch das musterhafte Werk, welches Nachtigal über seine Reise veröffentlichte, wurde unsre Kenntnis von A. ungemein erweitert. Dournaux-Dupéré und Joubert wollten von Algerien nach Timbuktu vordringen, doch ihr Plan misslang. Der Deutsche v. Bary verlor sein Leben in Air auf dem Weg nach den Nigerländern (1877), und Krause war es auch nicht gegönnt, tiefer in das Innere des Ahaggar- oder Hogarlands zu gelangen.

Tunis und Algerien sind das Revier französischer Forscher. Große Verdienste um die Kenntnis dieser Länder erwarben sich Bory de Saint-Vincent, der 1840-44 die Exploration scientifique de l'Algérie leitete, französische Heerführer (Cavaignac, Pélissier, Durrieu, Duboc, Chevarrier, Dubosquet), Berbrugger, Cosson (Botaniker), Marès, Bonnemain, Desor, Escher von der Linth, Wimpffen, Tiraut, Rebatel, de Colomb, dann Colonieu und Bouvin, welche nach Gurara vordrangen, Bu Derba, der unermüdliche Henri Duveyrier, welcher die algerische Sahara so gründlich erforschte (1860), Rohlfs, M. Wagner, Soleillet, der 1874 Insalah besuchte, Largeau (1875), Aucapitaine, Flatters u. v. a. Die Idee, die Region der algerischen Schotts unter Wasser zu setzen und so eine Art Binnenmeer in Algerien zu schaffen, ist vielfach ventiliert worden (Roudaire, Stache) und dürfte durch Ferd. v. Lesseps endlich verwirklicht werden. Der Bau einer Saharabahn von Algier oder Tripolis aus liegt noch in weiter Ferne.

In Marokko forschten Lemprière (1789), Olaf Agrel, Ali Bei el Abassi (1803-1805), Röntgen, der Engländer Gray Jackson (1804), Graberg v. Hemsö (1815-23), Cosson, Didier, Keating. Eine große Anzahl von europäischen Gesandtschaften an den Hof des Sultans lieferte gleichfalls Material. Vidal, Botteler, Schott (1835), Barth, Berbrugger, Lambert, de Murga (1863), Richardson, Rohlfs, Gattel (1865), Balansa, Beaumier ließen sich die Erforschung Marokkos ernstlich angelegen sein. In neuester Zeit haben Hooker, Maw und Ball (1870), Noll, Grenacher, v. Fritsch, J. ^[Johann Justus] Rein und Koch das Land naturwissenschaftlich erforscht und auch Des Portes, François, Parisot (1877), ferner v. Conring, Décugis, Duro, Leared Materialien im Land gesammelt. Wichtige neue Daten hat uns Lenz geliefert, der 1880 von Marokko über Timbuktu glücklich zum Senegal gelangte; 1883 ist Foucauld quer durch Marokko von SW. nach NO. gereist.

Vordringen vom Westen.

Von Westen aus wurde zunächst die Lösung des Problems des Niger in Angriff genommen. Houghton, Watt und Winterbottom waren nur wenige Meilen tief in das Binnenland Westafrikas gedrungen. Der Schotte Mungo Park erreichte vom Gambia aus 1795 den Niger in Bambarra und rettete sich, wenn auch krank und ein Bettler, zu den Mandinka zurück, von wo ihn ein Sklavenhändler 1797 zum Gambia geleitete. Noch einmal drang er von da, aufs reichlichste ausgerüstet, durch unwegsames Gebirgsland zum Niger vor; aber von 43 Begleitern brachte er nur 8 krank und entkräftet an den Strom. Auf einem Boot, welches er selbst gebaut, trat er die verhängnisvolle Stromfahrt 19. Aug. 1805 an. Nach vergeblichen Versuchen, sich mit den Anwohnern friedlich zu verständigen, begannen die Angriffe der Tuareg von Kabara unterhalb Timbuktu. Zuletzt allein im heldenmütigen Widerstand, fuhr Mungo Park den Strom hinab, um nahe am Ziel bei Bussa ein ruhmvolles, doch nutzloses Ende zu finden. Peddie, Campbell und Cowdrey (1815) erlagen am Senegal dem Klima, de Gray und Dochard kamen (1816-21) bis Galam. Der Franzose Mollien hatte 1818 von Senegambien aus den Versuch gemacht, ins Innere einzudringen; mußte er auch von Timbo aus wieder zurückkehren, so verdankt man ihm doch die Kenntnis der Quellen des Senegal, Gambia und Rio Grande. Clapperton drang noch einmal 1826 von S. her von Benin bis Sokoto vor, wo er 1827 starb; nur der treue Diener des Reisenden, Richard Lander, kehrte mit dessen Tagebüchern glücklich nach England zurück. Was keinem von diesen Männern gelungen war, Kunde von Timbuktu, dem letzten Ziel aller dieser Reisen, zurückzubringen, das sollte einem Franzosen, Rene Caillié, gelingen, welcher als ein schutzloser Abenteurer im Bettlergewand 1824-28 ganz Nordwestafrika durchzog, unbemerkt in seiner Verhüllung Timbuktu besuchte und glücklich über Marokko heimkehrte. Er wurde von den Engländern als Aufschneider und Lügner verschrieen, bis die Folgezeit seine Glaubwürdigkeit unwidersprechlich erwies. Das von Mungo Park vergeblich erstrebte Ziel erreichte Clappertons Diener, der genannte Richard Lander. In Begleitung seines Bruders John drang derselbe von Badagry an der Sklavenküste aus zum Niger nach Bussa vor und verfolgte glücklich den Strom bis zu seiner Mündung; 1832 fuhr er zum zweitenmal im Dampfboot unter Laird den Niger stromaufwärts. Unter Oldfield wurden bis 1834 diese Fahrten zur Erforschung des untern Niger fortgesetzt. 1841-42 wurde eine neue Expedition unter Kapitän Allens Führung ausgesendet; sie sollte am untern Niger eine Ansiedelung freier Neger gründen, aber Sumpffieber wurden Ursache, daß das menschenfreundliche Unternehmen mißlang. Unter seinen Opfern war R. Lander, und neben ihm ruht, auf Fernando Po, Vogel aus Berlin, der als Naturforscher die Expedition begleitete. Sehr viel thaten auch in der Folgezeit für die Erforschung des Nigerlaufs und der angrenzenden Länder Crowther, Beecroft, Gambier, Adlam, Knowles, Bourchie, Girard, Mollinieux u. a. m. Durch die Ergebnisse der Barthschen Reise angeregt, erfolgte später (1854) noch eine englische Expedition unter Baikie nach dem sogen. Tschadda (Binuë), auf welcher