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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Agri decumátes; Agrigéntum

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Agri decumates - Agrigentum.

in Torgau fallen lassen, erneuerte sie aber 1535 und wurde zum Widerruf genötigt. Noch größern Anstoß gab er durch das Augsburger Interim (s. d.). Anderseits war A. ein ausgezeichneter Prediger, trefflicher Liederdichter, tüchtiger akademischer Lehrer und fleißiger Schriftsteller. Er verfaßte eine noch ungedruckte harmonistische Auslegung der vier Evangelien u. a. Seine Sammlung von deutschen Sprichwörtern mit Erklärung (zuerst in plattdeutscher Mundart, Magdeb. 1528; dann hochdeutsch 1529) sichert ihm auch in der deutschen Litteraturgeschichte einen Platz. Vgl. Kawerau, Johann A. (Berl. 1881); Latendorf, Agricolas Sprichwörter (Schwer. 1862).

5) Johann Friedrich, Musiker und Musikschriftsteller, geb. 4. Jan. 1720 zu Dobitschen bei Altenburg, studierte in Leipzig anfangs die Rechte, machte dann 1738-41 unter Seb. Bach gründliche musikalische Studien, die er in Berlin bei Quantz fortsetzte, wurde 1750 infolge des von ihm komponierten Intermezzo "Il filosofo convinto" zum Hofkomponisten am Potsdamer Theater, 1759 nach Grauns Tod zum Direktor der Kapelle Friedrichs II. ernannt und starb 12. Nov. 1774. Mehr denn als Komponist hat sich A. als tüchtiger Orgelspieler und Musiktheoretiker einen Namen gemacht. Sein Hauptwerk ist die Bearbeitung von Tosis "Osservazioni sopra il canto fermo" ("Anleitung zur Singekunst", Berl. 1757). - Seine Gattin Emilia, geborne Molteni (geb. 1722 zu Modena, gest. 1780 in Berlin), war eine der beliebtesten Sängerinnen an der damals vortrefflichen Italienischen Oper zu Berlin.

Agri decumátes (Zehntland), Landschaft im röm. Germanien, welche sich von der obern Donau bis nach dem Mittelrhein hin erstreckte und ein Dreieck bildete, dessen eine Seite die obere Donau, die andre der Ober- und Mittelrhein bis zur Lahn bildete, während die dritte durch eine befestigte Linie bezeichnet war, die sich von der Donau oberhalb Regensburg bis an die Lahn unweit ihrer Mündung in den Rhein zog. In ältester Zeit waren diese Gegenden von Kelten, besonders Helvetiern, bewohnt und wurden nach deren Auswanderung im 1. Jahrh. v. Chr. von Sueven eingenommen; doch waren sie nur spärlich bevölkert. Um eine schnellere und sicherere Verbindung zwischen Rätien und den eroberten rheinischen Provinzen herzustellen, besetzte Drusus jene Landschaft, versah sie mit Straßen und Kanälen und legte den Grund zu der erwähnten befestigten Linie. Tiberius, Domitius Ahenobarbus und M. Vincius führten das von Drusus begonnene Werk fort, und die A. d. bildeten seitdem ein Vorland des römischen Reichs, eine Art von Militärgrenzland gegen die noch unbezwungenen Germanen. Seit der Regierung des Kaisers Claudius gerieten zwar die dortigen Ansiedelungen in Verfall; aber Trajan stellte sie wieder her, und Hadrian erneuerte auch den schadhaft gewordenen Grenzwall, der deshalb Vallum Hadriani genannt wurde. Derselbe war 600 km lang, teilweise doppelt und dreifach und bestand aus Kastellen und Wachttürmen, welche durch Dammbauten und Fahrstraßen in Verbindung gesetzt waren. Außer römischen Veteranenkolonien wurden gallische Ansiedler nach den A. d. verpflanzt, welche einen Pachtzehnten zu zahlen hatten, nach dem das Land seinen Namen erhielt. Zahlreiche Straßen, Wohngebäude, Villen, Badeanlagen mit Statuen und Mosaikfußböden zeugen von der frühern Kultur. Dies währte bis 234 n. Chr., als die Alemannen ihre Angriffe auf dies römische Grenzland begannen. Schon zur Zeit des Kaisers Valerian (253) hatten sie sich desselben großenteils bemächtigt, und nach Aurelians Tod (275) fiel es ihnen ganz zu. Dem Kaiser Probus gelang es zwar, sie wieder über die Rauhe Alb und den Neckar zurückzutreiben; aber gleich nach seinem Tod (282) drangen sie aufs neue in das Land ein, um es nicht wieder zu verlassen. Fortan bildete die Landschaft einen Teil Alemanniens, und der römische Limes transrhenanus, jener Grenzwall, der noch von Probus wiederhergestellt worden war, sank mit den meisten römischen Kastellen und Städten in Trümmer (s. Pfahlgraben). Vgl. E. Hübner, Der römische Grenzwall in Deutschland (mit Karte von Kiepert, in den "Jahrbüchern des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinland", Heft 63, Bonn 1878); v. Cohausen, Der römische Grenzwall in Deutschland (Wiesb. 1884).

Agrigéntum (griech. Akragas), eine der größten und herrlichsten Städte des Altertums, auf der Südküste Siziliens. Durch eine dorische Kolonie von Gela aus 582 v. Chr. gegründet, bedeckte A. die ganze Terrasse zwischen den Flüssen Hypsas (jetzt Fiume Drago) und Akragas (Fiume di San Biagio) sowie einen beträchtlichen Teil der Flußthäler selbst. Die Erzählungen der Alten von dem Reichtum, dem Luxus und der Größe Agrigents würden unglaublich erscheinen, wenn nicht die wenigen Überreste die Aussagen der Historiker verbürgten. Zur glänzendsten Zeit, Ende des 5. Jahrh. v. Chr., hatte A. über 20,000 stimmfähige Bürger und im ganzen an 200,000 Einw., beherrschte ein quer durch Sizilien bis zur Nordküste bei Himera sich erstreckendes Gebiet und führte Festungsmauern von 15 km Länge und kolossale Prachttempel auf. Die besonders durch Export von Wein und Schwefel und durch Gewerbe reich gewordenen Bürger entfernten sich früh von der dorischen Sitteneinfalt; Prachtliebe und Üppigkeit, aber auch Kunstsinn und Gastfreundschaft waren Hauptzüge der Agrigentiner. Die Verfassung war vorherrschend demokratisch, mit Beibehaltung altdorischer Form. Unter mehreren, die sich von Zeit zu Zeit zu Tyrannen aufwarfen, nennt die Geschichte mit Abscheu den Phalaris (566-534), rühmend aber den Theron (488-472). Die Epoche des Verfalls der Stadt datiert von der gräßlichen Zerstörung durch die Karthager 406; danach erreichte A. seine vorige Blüte nie wieder. Zwar als Timoleon im J. 340 Kolonisten aus Velia herbeiführte, hob es sich von neuem, mußte aber 314 die Hegemonie von Syrakus anerkennen. Zu Anfang der Punischen Kriege war in A. die Niederlage der karthagischen Kriegsvorräte. Im J. 262 wurde es von den Römern nach siebenmonatlicher Belagerung zum erstenmal erobert, kam wechselnd in die Macht der Karthager und wieder in die der Römer, bei welch letztern es seit 210 verblieb. A. wurde nun wieder eine wichtige Stadt und blieb es bis zum Untergang des weströmischen Reichs. Im J. 827 n. Chr. fiel es in die Hände der Sarazenen, die sich bis 1088 im Besitz der Stadt behaupteten. Jetzt liegt an der Stelle derselben das moderne Girgenti (s. d.). Die großartigen Tempelruinen der berühmten alten Griechenstadt erstrecken sich südlich vom heutigen Ort bis zum Meer und gewähren, meist dem 5. Jahrh. v. Chr. angehörend, ein vollständiges Bild antiker Tempeleinrichtung. Am besten erhalten sind der sogen. Tempel der Concordia, im vollendeten dorischen Stil, der vollständigste und herrlichste Tempel Siziliens, 40 m lang, 17,5 m breit, mit 13 und 6 Säulen, und der etwas kleinere Tempel der Juno Lacinia (wahrscheinlicher des Poseidon). Der Tempel des Jupiter Olympius, der größte, aber nie vollendete Tempel Siziliens (111 m