Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Albrecht

296

Albrecht (Brandenburg).

verlor, da er den Markgrafen Udo der Nordmark mit einer Fehde überzog, in welcher derselbe erschlagen wurde. Dennoch blieb A. dem Kaiser treu und begleitete ihn 1132 nach Italien. Dafür erhielt er 1134 die erledigte Nordmark, welche das den slawischen Völkerschaften nach und nach entrissene Gebiet am linken Elbufer umfaßte. Mit rastlosem Eifer widmete sich nun A. der Germanisierung des Landes und der Bekehrung der Wenden zum Christentum. Im J. 1136 eroberte er die Priegnitz, erwarb von dem Wendenfürsten Pribislaw die Zauche und ward zum Erben von dessen übrigem Fürstentum (Havelland) ernannt. Im J. 1138 schloß er sich dem neugewählten Staufer König Konrad III. an und ward nach der Ächtung Heinrichs des Stolzen mit Sachsen belehnt. Dies konnte er indessen nicht behaupten; ja, er kämpfte gegen die mächtige welfische Partei so unglücklich, daß er seine Erblande verlassen und zu dem König Konrad fliehen mußte. Dieser vermittelte 1142 den Frieden, in dem A. das Herzogtum Sachsen aufgab, die nördliche Mark als reichsunmittelbares Lehen wiedererhielt und Erzkämmerer wurde. Nun betrieb er mit großem Erfolg die Besiedelung des Wendenlands durch niederländische Kolonisten und kam, nachdem er 1147 einen Kreuzzug gegen die Wenden befehligt, 1150 durch Pribislaws Tod in den Besitz Brandenburgs und des Havellands, worauf er sich Markgraf von Brandenburg nannte. Nachdem er 1150-52 in einer Fehde mit Heinrich dem Löwen Plötzkau erworben, schlug er 1157 einen Aufstand Jaczes, eines Verwandten Pribislaws, nieder. Nun stellte er die Bistümer Havelberg und Brandenburg wieder her, führte den Prämonstratenserorden in die Mark ein und begründete dadurch den Sieg des Christentums. Er baute deutsche Städte und begünstigte die Einwanderung des niedern deutschen Adels, der neben den niederländischen Bauern auch das platte Land bald den Wenden entriß. So machte er die slawische Mark zu einem deutschen Land. Nachdem er 1162 der Zerstörung Mailands beigewohnt, 1164 mit Heinrich dem Löwen noch gegen die Obotriten gekämpft und 1166-69 dem großen Fürstenbund gegen Heinrich angehört hatte, übergab er die Regierung lebenssatt seinem ältesten Sohn, Otto, und starb 18. Nov. 1170 in Ballenstedt. Er hinterließ zwei Töchter und sieben Söhne, von welchen Otto ihm in der Mark Brandenburg folgte, Bernhard Anhalt und später das Herzogtum Sachsen, Dietrich die Güter seiner Großmutter Eilika und Hermann die ererbten orlamündischen Güter erhielt. Sein Enkel Albrecht II., der Sohn Ottos I., regierte über die Mark 1205-20. Vgl. v. Heinemann, A. der Bär (Darmst. 1864).

7) A. III., Kurfürst von Brandenburg, wegen seiner ritterlichen Thaten Achilles genannt, der dritte Sohn des Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg und der schönen Elisabeth von Bayern, geb. 9. Nov. 1414 zu Tangermünde, verlebte einige Jahre seiner Jugend an dem Hof des Kaisers Siegmund, nahm an einigen Zügen gegen die Böhmen teil und erhielt nach des Vaters Tod 1440 das Fürstentum Ansbach. Mit dem damals mächtigen Nürnberg wegen der von ihm beanspruchten burggräflichen Rechte in Krieg verwickelt, that er sich zwar durch persönliche Tapferkeit hervor, doch behauptete die Stadt im Frieden 1453 ihre Unabhängigkeit. Sich an Kaiser Friedrich III. anschließend und dessen Ansehen und Rechte auf den Reichstagen mit Eifer vertretend, suchte er, auf dessen Gunst gestützt, die Befugnis seines Landgerichts zu erweitern und sich zum Herzog von Franken zu machen. Hierüber geriet er in Streit mit Herzog Ludwig dem Reichen von Bayern und dessen Verbündeten, Pfalzgraf Friedrich und König Georg von Böhmen, und erlitt 19. Juli 1462 eine Niederlage bei Giengen. Als er sich dann mit König Georg verband, ward er 1466 vom Papst mit dem Bann belegt und erst 1471 absolviert. Durch den Tod seines ältesten Bruders, Johann, fiel ihm 1464 auch das Fürstentum Baireuth und 1470 durch Abtretung von seiten seines Bruders Friedrich II. das Kurfürstentum Brandenburg zu, so daß dieses und die fränkischen Besitzungen des Hauses Hohenzollern durch ihn wieder unter Einem Herrscher vereinigt waren. Den unter Friedrich II. schon angefangenen Kampf mit Pommern beendigte A. 1472 durch einen Vergleich zu Prenzlau, worin er auf seine Ansprüche auf Stettin verzichtete und nur das bereits eroberte Gebiet und Anerkennung seiner Lehnshoheit und Anwartschaft auf Pommern erhielt. Im J. 1473 erließ er das "Achilleische Hausgesetz" (dispositio Achillea), wonach die Marken niemals, die fränkischen Länder aber nur in zwei Teile geteilt werden sollten. Bald darauf verließ A. seine Staaten, nachdem er die Statthalterschaft der Mark seinem ältesten Sohn, Johann, übertragen hatte, und zog als Reichsfeldherr 1474 gegen Karl von Burgund, indes ohne Erfolge zu erringen. In einem neuen Krieg mit Pommern erlangte er 1478 die Abtretung von 14 Schlössern und Städten, im sogen. krossenschen Erbfolgekrieg mit Herzog Johann II. von Sagan 1482 das Fürstentum Krossen mit Züllichau, Sommerfeld und Bobersberg. Im J. 1486 folgte A. dem Kaiser Friedrich III. wegen der Wahl Maximilians zum römischen König nach Frankfurt a. M.; hier überraschte ihn der Tod 11. März 1486. A. war einer der schönsten Männer seiner Zeit, in allen ritterlichen Übungen Meister und von einer solchen Stärke und Gewandtheit, daß er in Turnieren stets Sieger blieb. Für die Mark Brandenburg war seine Regierung wohlthätig durch die rücksichtslose Strenge, womit er die Räubereien des Adels zu unterdrücken und die öffentliche Sicherheit zu begründen wußte. Trotz ferner prächtigen Hofhaltung und seiner vielen Kriegszüge hinterließ er ein schuldenfreies Erbe und einen Schatz von 400,000 Fl. Das "Kaiserliche Buch" des Markgrafen A. Achilles, eine Sammlung seiner diplomatischen Korrespondenzen, wurde herausgegeben von Höfler (vorkurfürstliche Periode 1440-70, Baireuth 1850) und von v. Minutoli (kurfürstliche Periode 1470-86, Berl. 1850). Vgl. "Quellensammlung zur Geschichte des Hauses Hohenzollern", hrsg. von Burckhardt, Bd. 1 (enthaltend "Das funfft merckisch Buech des Churfürsten A. Achilles", Jena 1857); Franklin, A. Achilles und die Nürnberger (Berl. 1866).

8) A. V., Erzbischof von Magdeburg und Kurfürst von Mainz, gewöhnlich A. von Brandenburg genannt, zweiter Sohn des Kurfürsten Johann Cicero von Brandenburg, geb. 28. Juni 1490, studierte in Frankfurt a. O., trat in den geistlichen Stand, wurde schon 1513 Erzbischof von Magdeburg und Administrator des Bistums Halberstadt sowie 1514 Erzbischof und Kurfürst zu Mainz und 1518 Kardinal. A. übernahm, um die für Bezahlung des Palliums bei den Fuggers aufgenommene Schuld abtragen zu können, gegen Überlassung der Hälfte des Ertrags den Vertrieb des von Leo X. verkündeten neuen Ablasses, wobei sein Agent, der Dominikaner Tezel, Luther den Anlaß zu den 95 Thesen gab. Dadurch geriet er, obwohl er den Humanismus begünstigte und 1515 Hutten an seinen Hof berufen hatte, von vornherein in einen Gegensatz zur lutheri-^[folgende Seite]