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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Algäu; Algazelle; Algĕbra

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Algäu - Algebra.

vegetationslose Hauptkamm des Gebirges in vielfach zerrissenen Terrassen zu der wenige Meilen breiten Küstenebene ab. Der einzige Fluß von Bedeutung ist der Guadiana, welcher die Grenze gegen Spanien bildet. Das Klima ist angenehm, denn die afrikanische Hitze wird durch die frischen Seewinde gemäßigt. Die Bevölkerung betrug 1881: 204,037 Einw. Sie stehen in ganz Portugal als gute Seeleute und Männer von Wort in gutem Ruf und sind ein robuster und schöner Menschenschlag mit trefflichen geistigen und körperlichen Anlagen. Der sehr sandige Küstenstrich ist durch sorgfältige Düngung und künstliche Bewässerung zu ergiebigen Ernten gezwungen und erzeugt im W. große Massen von Weizen und andern Cerealien, im O. einen Überfluß von Johannisbrot, Feigen und Mandeln, ferner Orangen, Oliven, Wein (namentlich um Lagos), Gemüse, Hülsen- und Gartenfrüchte aller Art. Im Barrocal sind vorzüglich die Thäler angebaut, die Bergkuppen und steilen Berge mit Gebüsch und immergrünen Eichen, im O. mit verwilderten Öl- und Johannisbrotbäumen bedeckt. Dieses reichbewässerte Hügelland liefert dieselben Früchte wie das Beiramar, namentlich aber Orangen und Oliven. In der Serra selbst wird nur Getreide gebaut; die Serra Monchique ist mit herrlichen Kastanienwäldern bedeckt, die übrigen Serren mehr mit Cistusheiden und Weideland für die großen Schweineherden. An der Küste, welche zahlreiche kleine Häfen enthält, werden auch Fischerei (namentlich auf Thunfische und Sardellen) und Seesalzbereitung betrieben. Die Hauptstadt ist Faro. A. reichte früher an der spanischen Küste bis Almeria und begriff selbst einen Teil der gegenüberliegenden afrikanischen Küste in sich. In A. faßten die Araber zuerst festen Fuß, wie auch der Name (El Gharb) arabischen Ursprungs ist und ein gegen Abend gelegenes Land bedeutet. Um 1212 eroberte Sancho I. einen Teil des damals noch unter maurischer Herrschaft stehenden Landes mit der festen Stadt Silves; die Eroberung Algarves vollendete aber erst Alfons III. 1254. Anfangs beanspruchte Spanien eine Art von Oberhoheit über das Land, und erst um 1253 ward letzteres als besonderes Königreich mit Portugal vereinigt. Vgl. v. Maltzan, Reise durch das Königreich Algarbien (Frankf. 1880).

Algäu (Algau), der südwestlichste, von der obern Iller durchflossene Teil des bayrischen Regierungsbezirks Schwaben mit den angrenzenden Landstrichen Württembergs und Tirols bis herab nach Kempten und Memmingen, also etwa der alte Albigau, woraus der jetzige Name entstanden ist. Die Mitte des Ländchens nehmen die bayrischen Amtsgerichte Sonthofen und Immenstadt ein. Der A. ist von den Algäuer Alpen, einer nördlich zwischen Rhein und Lech gelagerten Vorgruppe der Tiroler Zentralalpen, erfüllt, die in zwei Armen von S. nach N. ziehen, der westliche mit dem Rindalphorn (1845 m), der östliche mit der Mädeler Gabel (2637 m) und dem Hochvogel (2591 m), während allenthalben vom Hauptstamm Ausläufer abzweigen: nach N. die Gruppe des eisenreichen Grünten (1733 m), nach SW. das Bregenzer Waldgebirge (2393 m), nach O. das Ampergebirge (mit Säuling 2043 m) und das Gebirge von Werdenfels (mit dem Krottenkopf 2097 m) etc. Der Arlberg (1786 m) bildet die Verbindung dieser Nordalpen mit der Zentralkette. Außer der Iller haben hier noch die Flüsse Ill, Bregenzer Aa, Argen, Wertach und Lech ihre Entstehung. Die Wasserscheide zwischen Ill und Inn wird im 1699 m hohen Arlberger Paß von der von Feldkirch nach Landeck führenden Kunststraße durchschnitten; gegenwärtig (1884) ist auch die Arlbergbahn (s. Arlberg) zwischen Innsbruck und Feldkirch vollendet worden. Die Verbindung zwischen den Thälern des Lech und des Inns vermittelt die Lechstraße, welche von Füssen aus die Alpen in den verschanzten Felsendurchgängen des Kniepasses und der Ehrenberger Klause durchschneidet, sich bei Nassereit teilt und auf der einen Seite über Imst hinauf nach Landeck, auf der andern über Telfs und Zirl hinab nach Innsbruck führt. Die Bewohner des Algäus sind ein starker, rüstiger und wohlgebauter Menschenschlag, einfach in Lebensweise und Denkart, aber von aufgewecktem Geist und gastfreundlich. Es herrscht unter ihnen ziemlich allgemein Wohlstand, der sich auch äußerlich in der Volkstracht, besonders der Frauen, kundgibt, und dessen Quellen in der schwunghaft betriebenen Wald- und Feldwirtschaft und der sorgfältigen Wiesenkultur liegen, wie sich denn namentlich das Land durch eine vorzügliche Rindviehrasse auszeichnet. Die 1852 eröffnete Eisenbahn von Kaufbeuren nach Kempten, der Hauptstadt des Algäus, hat den Reiselustigen diesen Landstrich aufgeschlossen, der, besonders in seinem gebirgigen Teil, zu den schönsten Gegenden Deutschlands gehört. Vgl. Waltenberger, Orographie der Algäuer Alpen (2. Aufl., Augsb. 1881); Derselbe, Führer durch A. (4. Aufl., das. 1880); Baumann, Geschichte des Algäus (Kempt. 1881 ff.).

Algazelle, s. Antilopen.

Algĕbra, ein Teil der reinen Mathematik, nämlich die Lehre von den Gleichungen. Das Wort stammt aus der arabischen Sprache, in welcher der vollständige Ausdruck Al gebr wal mokâbala s. v. w. Ergänzung und Vergleichung bedeutet, was sich auf Transposition und Reduktion der positiven und negativen Größen in Gleichungen bezieht. Bei den Italienern hieß die A. früher Arte maggiore, weil sie es mit höhern Rechnungen zu thun hat, und noch häufiger Regola de la cosa, indem man die unbekannte Größe Cosa, d. h. Ding, nannte, was zu der bei den ältern deutschen Algebraisten üblichen Benennung "Regel Coß" oder "die Coß" Veranlassung gegeben hat. Im gemeinen Leben pflegt man unter A. die Buchstabenrechnung (s. d.) zu verstehen, insofern diese die Anwendung der arithmetischen Operationen auf allgemeine, durch Buchstaben ausgedrückte Größen lehrt; doch ist dieselbe eigentlich nur die Vorbereitung auf die A., wie diese auf die Analysis (s. d.). Zuweilen nimmt man auch A. für gleichbedeutend mit Analysis; als Lehre von den Gleichungen (s. d.) ist jene aber nur der erste Teil der Analysis, dies Wort im weitesten Sinn genommen. Schon die alten Griechen beschäftigten sich mit der Lösung algebraischer Probleme, und die Lösung algebraischer Gleichungen vom zweiten Grad war ihnen bereits bekannt; aber das Abendland lernte diese Wissenschaft erst durch die Araber kennen, namentlich durch das Werk von Mohammed ben Musa (gest. 820), welches von Rosen ins Englische ("The Algebra", Lond. 1831) übersetzt worden ist. Großes Verdienst um Verbreitung algebraischer Studien erwarb sich der italienische Kaufmann Leonardo Fibonacci aus Pisa, der um 1200 den Orient bereiste und sich dort Kenntnisse in der A. erwarb. Das erste algebraische Werk, welches im Abendland im Druck erschien, hat den Minoritenmönch Luca Pacioli zum Verfasser (Vened. 1494) und betrachtet die Lösung der kubischen Gleichungen als unmöglich. Doch schon Scipio Ferreo aus Bologna fand um 1505 die Auflösung eines Falles der kubischen Gleichungen, und