Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alkyone; All; All.; Allabreve; Allah; Allahabād; Allain-Targé; Allalingletscher; Allanīt; Allantōis

373

Alkyone - Allantois.

Alkyone, s. Halkyone.

All (griech. pān), s. v. w. Schöpfung, Welt, Universum; insofern dasselbe als Eins betrachtet wird, auch das All-Eine genannt. Vgl. Pantheismus.

All., bei botan. Namen Abkürzung für Carlo Allioni, gest. 1804 in Turin als Professor der Botanik. Er schrieb "Flora Norditaliens".

Allabreve (ital.), in der Musik die Bezeichnung eines beschleunigten Tempos, das durch C gefordert wird. Das C bedeutete von alters her (seit dem 14. Jahrh.) die Zweiteiligkeit (Imperfektion) der Brevis (Doppeltaktnote), der Strich (Diminutionsstrich) bestimmte die Beschleunigung, so daß eine Brevis soviel galt wie sonst eine Semibrevis (Taktnote); es wurde daher beim A. nicht nach Semibreven, sondern nach Breven taktiert (daher der Name). Jetzt, wo die Notenwerte sich so verschoben haben, daß nicht mehr nach Ganzen, sondern gewöhnlich nach Vierteln taktiert wird, ist beim Allabrevetakt nicht mehr die Doppel-, sondern die halbe Taktnote die Einheit. Der sogen. große Allabrevetakt, vorgezeichnet durch C|^ der ^ , zählt ebenfalls nach halben, umfaßt aber deren vier; das alte Zeichen ^ bedeutete jedoch früher Dreiteiligkeit der Brevis mit Zählen nach Breven.

Allah, Name des Einen Gottes, zu dessen Verehrung Mohammed die Gläubigen verpflichtete, zusammengezogen aus dem arabischen Al und ilâh, "der Hohe, Verehrungswürdige", verwandt mit dem hebräischen Eloah. Dieser Name ist in alle Sprachen übergegangen, soweit der Islam reicht. Die verschiedenen Eigenschaften Gottes, in 99 Namen desselben verteilt, bilden, in einer bestimmten Reihenfolge zu einer Litanei verbunden, den Rosenkranz der Mohammedaner, der mit dem Namen A. als dem hundertsten, welcher alle frühern Prädikate einschließt, endigt. Mohammeds A., der Ewige, sich selbst Genügende, das Universum Füllende, der absolute Herr aller Körper und Geister, der Offenbare und doch Verborgene, ist wesentlich verschieden von dem A. Taala der Araber vor Mohammed, der zwar mächtiger als alle andern Götter, aber nicht der einzige, nicht einmal Herrscher über jene ist.

Allahabād, Hauptstadt des brit. Gouvernements der Nordwestprovinzen in Ostindien, liegt 61,5 m ü. M., an der südöstlichen Spitze des Doab auf einer durch das Einmünden der Dschamna in den Ganges gebildeten Landzunge und heißt ursprünglich als Sitz der sagenhaften Könige aus dem Geschlecht des Mondes Pratischthâna; um 250 v. Chr. kommt sie unter dem Namen Prayâga ("Opferstätte") vor, woraus das moderne Preág entstanden ist. Die Stadt verödete unter den Kämpfen der Mohammedaner um Hindostan, bis Akbar 1572 an derselben Stelle sein Fort Ilâhabâs baute, welches Schah Dschahan (1628-58) sodann A. ("Stadt Gottes") nannte. Die von Akbar erbaute Citadelle hat 2250 m im Umfang, gewährt noch jetzt, obwohl die alten Türme dem modernen Befestigungssystem haben weichen müssen, einen großartigen Anblick und ist in Stand erhalten. Hervorragende Kultusgebäude fehlen A. Am Zusammenfluß von Dschamna und Ganges versammeln sich fortwährend zahlreiche Pilger beiderlei Geschlechts, um sich in den Fluten der heiligen Ströme von ihren Sünden zu reinigen; die englischen Polizeivorschriften thaten aber dem Besuch Abbruch, daher ist jetzt Benares bevorzugt. A. hatte 1881: 148,547 Einw. (99,518 Hindu, 43,558 Mohammedaner, 5257 Christen) u. ist Knotenpunkt der Hauptverkehrsadern des nördlichen Indien: der Kalkutta-Dehli- und der Bombay-Kalkuttabahn. Eine Eisenbahnbrücke führt über die Dschamna. A. gehörte zum Reich des Großmoguls, bis es 1753 von Safter Jang, dem Wesir von Audh, erobert ward. Aber schon 1765 kam es unter britische Gewalt und ward dem Schah Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 A. verlassen, geboten wieder die Engländer daselbst, überließen es aber durch Vertrag 1773 dem Nawab von Audh. Letzterer trat es endlich an die Ostindische Kompanie ab, welche seitdem ununterbrochen im Besitz der Stadt geblieben ist. - Der Verwaltungsbezirk A. umfaßt 35,599 qkm mit (1880) 5,754,855 Einw. (davon 9/10 Hindu).

Allain-Targé (spr. alläng-tarscheh), François Henri René, franz. Politiker, geb. 7. Mai 1832 zu Angers als Sohn eines Generalprokurators, studierte in Poitiers die Rechte und ließ sich 1853 in seiner Vaterstadt als Advokat nieder. Nachdem er 1861-1864 den Posten eines Substituten des kaiserlichen Prokurators bekleidet, siedelte er nach Paris über, wo er Mitarbeiter der oppositionellen Zeitungen, namentlich in finanziellen Fragen, wurde. Im J. 1868 trat er in die Redaktion des "Avenir national" ein und gründete mit Gambetta, Challemel-Lacour u. a. die bald unterdrückte "Revue politique". Nach dem Sturz des Kaiserreichs wurde er zum Präfekten des Departements Maine-et-Loire ernannt, war dann als Kommissar bei den Armeen thätig und begleitete Gambetta als Präfekt der Gironde nach Bordeaux; er war wie dieser für den Krieg bis zum Äußersten und legte nach dem Waffenstillstand sein Amt nieder. Seitdem war er als radikales Mitglied des Munizipalrats von Paris und Redakteur der "République française" thätig, bis er 1876 in die Deputiertenkammer gewählt wurde, wo er sich dem gambettistischen republikanischen Verein anschloß und namentlich seit Mac Mahons Rücktritt großen Einfluß als Parteiführer gewann. In Gambettas Kabinett (November 1881 bis Januar 1882) bekleidete A. das Finanzministerium.

Allalingletscher, s. Visp.

Allanīt, s. Orthit.

Allantōis (griech., Harnhaut), eine von den Hüllen, welche den Embryo der Reptilien, Vögel und Säuger umgeben. Sie entsteht an der Bauchwand des hintern Darmabschnitts als eine sich rasch vergrößernde gestielte Blase, welche aus der Bauchhöhle des Embryos hervorwächst und bis zur innern Oberfläche des Eies vordringt. Hier breitet sie sich mit ihrer blutgefäßreichen Außenschicht längs der ganzen Oberfläche aus und umhüllt so den in das Amnion eingeschlossenen Embryo vollständig. Bei den Reptilien und Vögeln wird somit durch die A., da sie dicht unter der Eischale liegt, das Blut des Embryos mit Sauerstoff versehen, so daß die A. als Atmungsorgan dient. Am Schluß der Embryonalperiode bildet sie sich jedoch ganz oder bis auf einen kleinen Rest zurück. Bei den Säugetieren dagegen dringt die A. in jeden zottenartigen Vorsprung der Eihülle ein und bildet mit ihr das sogen. Chorion. Die Zotten desselben verwachsen zum Teil mehr oder weniger innig mit einem Stück der Uteruswandung zum Mutterkuchen oder der Placenta (s. d.), und so kommt ein Austausch des mütterlichen Bluts mit dem embryonalen zu stande. Derjenige Teil des Stiels der Allantoisblase, welcher in der Bauchhöhle beim Schluß derselben zurückbleibt, wird zur Harnblase und zum Harnstrang (urachus), der außerhalb gelegene Teil bildet einen Bestandteil des Nabelstrangs (s. Nabel) und geht somit bei der Geburt verloren. Die Höhle der A. ist beim Menschen nur