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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alpen

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Alpen (Geologisches).

desteile trennend wirken, so ist das bei den A. im geringsten Maß der Fall. Die letztern bilden wohl bei ihrer Höhe und Breite für Europa eine wichtige Scheide in Bezug auf Klima, Vegetation und Tierwelt, aber die Verbindung der zu beiden Seiten wohnenden Völker ist stets eine relativ leichte gewesen, ein Verhältnis, das für die ganze Kulturentwickelung Europas von der größten Bedeutung geworden ist. Schon die alten Römer haben die Gebirgsstraßen so gangbar gemacht, als es ihre Verhältnisse forderten; im Mittelalter und in der neuern Zeit waren sie nur Saumpfade, erst seit dem Anfang dieses Jahrhunderts hat man viele derselben fahrbar gemacht u. Kunststraßen, in neuester Zeit sogar Eisenbahnen gebaut, die teils über den Kamm fortführen (Brenner, Schober), teils die höchsten Teile desselben in Tunnels durchbrechen (Mont Cenis, St. Gotthard, Semmering, Arlberg). (S. Alpenstraßen etc. und die Übersicht auf dem Register zur Karte).

Der geologische Bau der A. ist zwar in den letzten Jahrzehnten in einzelnen Stücken von zahlreichen Forschern auf das genaueste untersucht worden; über die Bewegung der Erdrinde aber, durch die der gewaltige Bau der A. aufgerichtet wurde, ist man trotzdem nicht zu einer allseitig angenommenen Ansicht gelangt. Indessen scheint die Meinung besondere Berücksichtigung zu verdienen, nach welcher das ganze Alpengebirge durch eine horizontal, im allgemeinen von S. her wirkende Kraft emporgehoben wurde. Damit ist zugleich auch die veraltet scheinende Ansicht verlassen, als seien durch das Hervordringen halbstarrer oder flüssiger Massen aus dem Erdinnern die sedimentären Schichten der Erdrinde gehoben und durchbrochen worden und so die mantelförmige Bekleidung eruptiver Gesteine durch sedimentäre zu erklären. Entsprechend der angedeuteten Entstehungsursache der A. durch einen von S. herkommenden seitlichen Druck, ist auch die Streichungsrichtung des westlichen und nördlichen Saums des Gebirges angeordnet. Überall, wo dem Stoß ältere Massen entgegenstanden, zeigt sich eine weit mannigfachere Faltung der Schichten als da, wo solche Hindernisse nicht vorhanden waren. Diese Abhängigkeit tritt auch im innern Bau der Ketten hervor. Betrachtet man die A. auf einer geologischen Karte, so unterscheidet man deutlich drei verschiedene Zonen: eine mittlere oder Zentralzone und eine nördliche und eine südliche Seitenzone. Die Massen der Zentralzone bestehen überwiegend aus Gneisgranit von verschiedenen Formen, seltener aus echtem Granit und werden von weiten, mantelartig sie umgebenden Lagen von Schiefer (Gneis, Hornblendegesteinen, Glimmerschiefer, namentlich den sogen. grünen und grauen Schiefern) umschlossen, von denen Versteinerungen ergeben haben, daß sie in den östlichen A., zum Teil wenigstens, der silurischen und devonischen, sogar (wie auch im Westteil des Hochgebirges) der Kohlenformation angehören. Auch sind in den Westalpen bedeutende Höhen der Zentralzone von jurassischen und Kreidegesteinen, ja selbst von Gliedern der eocänen Formation gebildet, wie denn auch manche der die Zentralmassen umgebenden Schiefer metamorphische Bildungen sein mögen. Diese Schiefer sind durch die sie durchdringenden kristallinischen Massen nicht selten auf höchst merkwürdige Weise zusammengedrängt und umgebogen. Die Seitenzonen sind zum größten Teil aus kalkigen Bildungen der sekundären und tertiären Formationen zusammengesetzt, in denen kristallinische Gesteine nur isoliert hervortreten. Von einer südlichen Nebenzone der A. kann jedoch nicht in dem Sinn die Rede sein wie von der nördlichen; denn hier im S. vom Lago Maggiore an östlich lagert zwar eine große Menge tertiärer Gesteine der zentralen Zone vor, aber von einer regelmäßigen Faltung ist nirgends die Rede wie im N. Die konkave Südseite des bogenförmig gestalteten Alpengebiets ist steil abgebrochen und zeigt da, wo wirklich tertiäre Formen vorgelagert sind, andern Charakter als in der nördlichen Seitenzone.

Die Zentralzone ist es, welche ganz besonders den großen Reichtum an seltenen und geschätzten Mineralien, auch an Erzen enthält, obgleich der Bergbau nur in einigen Teilen derselben Bedeutung erlangt hat; ihr gehören die in dem ganzen Gebirge verbreiteten Goldablagerungen sowie die Gänge an, welche Kupfer, Blei, Nickel, Kobalt, vor allem Eisenerze liefern, die besonders in Steiermark die Veranlassung zu einem wichtigen Bergwerksbetrieb gegeben haben. Was die Nebenzonen betrifft, so ist in den östlichen A. namentlich die Triasformation ausgedehnt verbreitet, während sich davon in den westlichen nicht viel mehr findet als einige Quarzite (der sogen. Verrucano); sie erhält eine erhöhte Wichtigkeit durch die Einlagerung von Erzen (besonders Blei), namentlich aber durch die großen Steinsalzlager, von denen die berühmten Salzwerke von Berchtesgaden, Hallein und des Salzkammerguts abhängen. In den östlichen A. tritt die Juraformation dagegen zurück, welche in den westlichen in ausgezeichneter Weise entwickelt ist und hier (im Liaskalk) den Grund zu den Salzwerken von Bex geliefert hat; auch die einzelnen Glieder der Kreideformation sind in den westlichen A. viel ausgedehnter verbreitet als in den östlichen. Nicht geringe Bedeutung besitzen endlich die Gesteine der Eocänformation (des Nummulitenmergels und Sandsteins und des fukoidenreichen Mergels oder des sogen. Flysch der Schweizer), die besonders längs des ganzen Nordrands des Gebirges eine so hervorragende Stellung einnehmen, aber auch im Innern der Thäler sich finden und namentlich das Hochland zwischen dem Adriatischen Meer und der Save zusammensetzen; auch die jüngern Tertiärbildungen finden sich am Rande der A. wie in ihren Thälern, und besonders tritt darin die Molasse hervor mit der Nagelfluhbildung, die in der Schweiz und im Algäu ihre höchste Erhebung besitzt. Diluvialbildungen finden sich besonders in den Thälern und den Ebenen am Fuß des Gebirges; ihnen schließen sich die großen Massen der erratischen Blöcke an, die ohne Zweifel das Resultat einer ausgedehnten Vergletscherung der Ebenen am nördlichen Rande der A. und von den Gletschern aus der Zentralzone hierher geführt sind, wie noch jetzt fortwährend durch das eindringende und beim Gefrieren sich ausdehnende Wasser selbst bis zu den höchsten Kämmen und Gipfeln hinauf eine zerstörende Thätigkeit ausgeübt wird, von der die großen Schutthalden in den Thalsohlen und den Mündungen der Bäche, die Lawinen und Bergstürze Zeugnis ablegen. In der südlichen Nebenzone erscheinen noch zwischen den sedimentären Gesteinen zerstreut einzelne ältere, wie Granit, kristallinische Schiefer, vor allen die berühmten Feldspat und Augitporphyre, und mit ihnen verbunden die Dolomite am Luganer See und in Südtirol. Die äußern Formen der einzelnen Teile der A. sind nach der Gesteinsbeschaffenheit und Art der Lagerung verschieden. In der Zentralzone be-^[folgende Seite]