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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alpen

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Alpen (Ostalpen).

Die Ostalpen (Deutschen Alpen),

von den westlichern durch die Hinneigung zur Hochflächenbildung und die größere Breite unterschieden, haben zugleich einen einfachern Bau; sie zerfallen in drei große, durch breite Längenthäler voneinander geschiedene Gebirgsmassen. Die nördliche Gebirgsmasse beginnt im W. mit den Vorarlberger und Algäuer A., die im S. bis zum fahrbaren Arlpaß, der Verbindung zwischen Bodensee und Innthal, im O. bis an das Lechthal reichen. An ihrer Westseite liegen das Thal Montafun, das der Bregenzer Aa und der obern Iller (der Algäu), an der Ostseite das Längenthal des obern Lech, der in dem Engpaß von Füssen in die Ebene hinaustritt. Die höchsten Erhebungen sind die Rote Wand (2701 m), Mädeler Gabel, der Hochvogel. Östlicher bilden die Fortsetzung der Vorarlberger A. die Berggruppen der Nordtiroler A., deren nördlicher Abhang das Bayrische Oberland genannt wird, und in denen sich über dem auf weitere Strecken die Hochflächenform annehmenden Boden mehrere Bergketten und isolierte Berge erheben (das Wettersteingebirge mit der Zugspitze 2960 m, das Karwändelgebirge, der Solstein). Drei fahrbare Straßen durchschneiden diese A., der Fernpaß im W., der Paß von Scharnitz in der Mitte, welche das Innthal mit dem Lech und dem Isarthal verbinden, und der Paß längs des romantischen Achensees im O. Im S. werden die Nordtiroler A. von dem schonen Längenthal des Inns begrenzt, das im W. mit den Engpässen von Finstermünz und Landeck beginnt und im O. mit dem Paß von Kufstein endet, durch den der Fluß die Ebene erreicht. An seinem Ostufer beginnt die Gebirgsmasse der Kitzbüchler A. die sich im O. bis zum Thal der Saalach, im S. bis an den Pinzgau ausdehnen; die höchsten Erhebungen sind an der Ostseite das Birnhorn (2632 m), im SW. der Katzenkopf, aber der interessanteste Punkt ist das Kaisergebirge (2331 m) nahe am Inn zwischen seinem und dem das ganze Gebirgsland durchschneidenden Achenthal.

An der Ostseite der Saalach erheben sich die Salzburger A., welche durch das Thal dieses Flusses, das im S. mit dem der Salzach am Zeller See unmittelbar in Verbindung steht, und durch das der letztern rings umschlossen und von den umliegenden Bergen ganz getrennt sind. In der Mitte liegen ihre höchsten Erhebungen (der Hochkönig 2938 m, der Watzmann), an deren Nordseite sich das romantische Thalland von Berchtesgaden, wohl der schönste Alpendistrikt Deutschlands, ausbreitet, aus welchem eine fahrbare Straße über den Hirschbühl in das Saalachthal führt. Östlich von der Salzach folgen dann die A. des Salzkammerguts, deren höchste Teile an der Südseite längs des Thals der Enns sich hinziehen. Den Mittelpunkt derselben bildet die Gebirgsgruppe des Dachsteins (2996 m) und Thorsteins, an deren Ostseite eine fahrbare Straße über Aussee in das Ennsthal führt, und an deren Nordseite sich das liebliche Traunthal, das Salzkammergut im engern Sinn, mit seinen schönen Alpenseen hinzieht (der seiner Aussicht halber berühmte Schafberg). Westlich von dieser höchsten Gruppe läuft gegen die Salzach hin das Tännengebirge (der Raucheck 2428 m), östlich das Tote Gebirge und die Gebirgsmasse des Priel (der Große Priel 2514 m). Im S. und O. werden diese Berge von dem Ennsthal eingeschlossen, und ihre Fortsetzungen verbinden sich östlich von der Enns mit dem Ende der mittlern Gebirgsmasse der Deutschen A.; gegen N. erstrecken sich ihre niedrigen Vorberge bis gegen das Donauthal (s. unten).

Im S. begrenzt die nördlichen Deutschen A. ein System von Längenthälern, im W. das des Inns von dem Paß von Landeck bis zu dem von Kufstein, in der Mitte das der Salzach (der Pinzgau) am südlichen Abhang der Kitzbüchler und der Salzburger A., an deren Ostseite die Salzach in dem Engpaß des Lueg in die Ebene hinaustritt, östlicher das mit dem Salzachthal unmittelbar verbundene Thal der Enns, welcher Fluß an der Ostseite des Prielgebirges durch den Engpaß des Gesäuses in das Donauthal gelangt.

Die mittlere Gebirgsmasse der Deutschen A. beginnt im W. mit den Ötzthaler A., die von den Rätischen A. durch den Paß der Reschenscheideck zwischen dem Innthal und der Quelle der Etsch, einen der bequemsten Alpenpässe, getrennt und im S. durch den Vintschgau (Thal der Etsch) begrenzt werden. Ihre höchsten, von ausgedehnten Gletschern umlagerten Erhebungen liegen im Südteil an den Quellen der Ötz (die Wildspitze 3776 m, die Weißkugel oder das Schweinser Joch, die Similaunspitze); auch der Ostteil, der den Namen Stubaier A. führt, enthält noch bedeutende Berge (der Zuckerhut 3511 m). Die größten Thäler dieser von keinem Paß durchbrochenen Gebirgsmasse, das Kaunz-, Piz-, Ötz- und Stubaier Thal, ziehen sich nach N. herab zum Innthal; gegen S. sind die zum Vintschgau abfallenden Verzweigungen kürzer, außer im östlichen Teil am Sarnthal. Im O. werden die Ötzthaler A. durch den jetzt von einer Eisenbahn übersetzten Brennerpaß, welcher Innsbruck mit Bozen verbindet, von den Zillerthaler A. geschieden, deren höchster Teil eine nach NO. sich erstreckende Gebirgskette (die Hochseilerspitze 3506 m, der Schwarzenstein und die Löffelspitze) an der Nordseite des obern Ahrenthals (Pettau) bildet. An ihrer Nordseite breitet sich das Zillerthal mit seinen vielen Armen aus, von deren östlichstem der Gerlospaß zu dem Anfang des Pinzgaus führt; gegen S. reichen die Verzweigungen am Ahrenthal hinab bis zum Pusterthal.

Der Paß der Krimler Tauern trennt die Zillerthaler A. von ihrer Fortsetzung, den Hohen Tauern, einer der gewaltigsten Gebirgsmassen der Deutschen A., deren höchster Teil eine zusammenhängende, gegen O. bis an den Lungau ziehende Gebirgskette mit hohen, von ausgedehnten Gletschermassen umgebenen Gipfeln (der Großglockner 3797 m, der Großvenediger, Dreiherrenspitz, das Wiesbachhorn, Hochalpenspitz) ausmacht, die nur von wenigen beschwerlichen Saumpfaden überschritten wird. Sie senkt sich gegen N. schneller und steiler zum Pinzgau herab; den Abhang durchschneiden zahlreiche durch ihre Naturschönheiten hochberühmte, besonders durch ihre prächtigen Katarakte ausgezeichnete Querthäler, das Kriml-, Stubach-, Fusch-, Gastein-, Arlthal. Im S. ziehen sich vor dem Abhang zwei größere Längenthäler hin, im W. das Thal Dessereggen, im O. das der Möll, welche wieder durch hohe Gebirgszüge, das erste durch die Antholzer A. (Hochgall 3442 m, der Lengssteinferner) und die A. von Dessereggen (der Panargenspitz 3168 m), das zweite durch die Gebirgsgruppe des Kreuzeck (der Polinik 2780 m) vom Drauthal getrennt werden. Am östlichen Ende teilen sich die Hohen Tauern in zwei durch das Quellthal der Mur (den Lungau) getrennte Arme, über