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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amenthes; Amentum; Amerigi; Amerīgo Vespucci; Amerika

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Amenthes - Amerika.

Familien der Betulaceen, Kupuliferen, Juglandaceen, Salieaceen, Myricaceen, Kasuarineen und Piperaceen und ist charakterisiert durch die in ein Kätzchen (lat. amentum, daher A.) vereinigten blumenblattlosen Blüten und das oft unvollständige oder fehlende Perigon, die freien Staubgefäße und das aus 2-9 Fruchtblättern bestehende ober- oder unterständige Ovarium.

Amenthes, bei den alten Ägyptern die Unterwelt, wo Osiris nebst 42 Beisitzern die Verstorbenen richtet und Anubis die Seelen vor seinen Thron geleitet.

Amentum, s. Kätzchen und Amentaceen.

Amerigi, Michel Angelo, ital. Maler, s. Caravaggio.

Amerīgo Vespucci (spr. wespútschi), ital. Seefahrer, nach welchem Amerika benannt ist, geb. 9. März 1451 zu Florenz, wurde von seinem Oheim Antonio Vespucci, einem namhaften Gelehrten, unterrichtet und ging als Kaufmann 1490 nach Spanien, wo er zu Sevilla in ein italienisches Handlungshaus eintrat. Da letzteres die Ausrüstung der zweiten und dritten Reise des Kolumbus zu besorgen hatte, lernte er diesen selbst kennen und faßte infolgedessen den Entschluß, selbst den neuentdeckten Weltteil aufzusuchen. Er nahm 1499 an der Expedition des Admirals Alonzo de Hojeda nach Surinam teil, von wo er im Juni des nächsten Jahrs nach Spanien zurückkehrte, und wandte sich dann nach Portugal; wahrscheinlich begleitete er von hier aus 1499-1500 Yanez Pinzon auf seiner Reise nach Brasilien und Westindien und machte auf portugiesischen Schiffen 1501 bis 1502 (unter Alvarez Cabral) und 1503-1504 (unter Gonzalo Coelho) noch zwei Reisen nach Amerika, auf denen er namentlich die brasilische Küste bis Kap Cananea (25° südl. Br.) und vielleicht noch weiter südwärts erforschte. Auf Kolumbus' Veranlassung trat er 1505 wieder in spanische Dienste, wurde 1508 zum Großsteuermann der Indienfahrten ernannt, erhielt auch das spanische Bürgerrecht und starb in Sevilla 22. Febr. 1512. Daß er 1507 eine fünfte Fahrt nach Amerika unternommen, steht nicht fest. Der Vorschlag, nach ihm die "Neue Welt" zu benennen, ging ohne sein Wissen, wie zuerst Humboldt nachwies, von dem deutschen Buchdrucker Martin Waldseemüller zu St.-Dié in Lothringen aus, der 1507 unter dem Namen Hylacomylus eine Beschreibung der Reisen des A., dem er nach dessen Briefen einen Hauptanteil an den großen Entdeckungen zuschrieb, in dem vielgelesenen Werk "Cosmographiae introductio etc." herausgab, und fand alsbald allgemeine Annahme. Vgl. Varnhagen, A. V. (Lima 1865; dazu "Nouvelles recherches", Wien 1869, und "Ainda A. V.", das. 1874); S. Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (Berl. 1882).

Amerika (hierzu vier Karten: Fluß- und Gebirgssysteme und Staatenkarte von Nord- u. Südamerika).

Inhaltsübersicht.

Lage, Größe, Gestalt S. 457

Inseln S. 458

Bodengestaltung S. 459

Bewässerung S. 461

Geologische Übersicht S. 463

Nutzbare Mineralien S. 467

Klima S. 468

Pflanzenwelt S. 470

Tierwelt S. 472

Bevölkerung S. 474

Staatliche Einteilung S. 477

Entdeckungsgeschichte S. 478

A., das Festland der westlichen Hemisphäre, die sogen. Neue Welt, ist nach Flächeninhalt der zweite, hinsichtlich der meridionalen Längenausdehnung der erste Erdteil und wurde nach dem Florentiner Amerigo Vespucci (s. d.) benannt, der einige der Expeditionen der Spanier und Portugiesen nach A. begleitet hatte und dadurch bekannt geworden war, daß in einer der ersten Sammlungen von Entdeckungsreisen nach der Neuen Welt seine Reiseerlebnisse besonders ausführlich mitgeteilt waren.

Lage, Größe und Gestalt.

A. reicht von der nördlichen kalten Zone durch die nördliche gemäßigte und die heiße Zone bis über die Mitte der südlichen gemäßigten Zone hinaus und nähert sich im N. wie im S. den Polen mehr als die andern Kontinente. Durch diese große Erstreckung in meridionaler Richtung, durch den Umstand, daß es allen Zonen, mit Ausnahme der südlichen kalten, angehört, zeichnet sich A. vor allen übrigen Erdteilen aus. Die Entfernung des nördlichsten bekannten Punktes, Roddbai auf der Halbinsel Boothia Felix, unter 73° 54' nördl. Br. und 91° 10' westl. L. v. Gr., von dem südlichsten, dem Kap Froward, unter 53° 54' südl. Br. und 71° 18' westl. L., beträgt ungefähr 14,850 km. Einige Teile des Arktischen Archipels, der sich dem Nordpol weit mehr nähert als das Feuerland dem Südpol (Kap Horn, 56° südl. Br.), hat man bis über 83° nördl. Br. verfolgt. Der östlichste Punkt des Festlands ist Kap Branco in Brasilien, unter 7° 8' südl. Br. und 34° 48' westl. L.; der westlichste Kap Prince of Wales, 150° 20' westl. L. und 65° 33' nördl. Br. Im O. wird A. durch den Atlantischen Ozean von Europa und Afrika, im W. durch den Stillen Ozean von Asien und Australien geschieden. Dem östlichen Kontinent nähert es sich am meisten nördlich vom Äquator zwischen 62° und 69° nördl. Br., wo die Küsten von Grönland und von Norwegen nur etwa 1500 km voneinander entfernt sind; etwa das Doppelte beträgt die Entfernung zwischen Kap San Roque und der afrikanischen Küste von Sierra Leone unter 5° südl. Br. und nur wenig mehr die zwischen der Küste von Labrador und dem westlichsten Vorgebirge von Irland unter 52° nördl. Br. Auf der Westseite tritt A. näher an die Alte Welt heran als auf der Ostseite, da, wo zwischen Kap Prince of Wales und dem Ostkap von Asien die Beringsstraße nur 96 km breit ist. Südlicher gehen dagegen die Küsten der Alten und der Neuen Welt immer weiter auseinander. Der Flächeninhalt des Erdteils beziffert sich mit Einschluß des Arktischen Archipels und Grönlands auf 41,944,000 qkm (760,000 QM.) mit ca. 101 Mill. Einw. (vgl. die Tabelle, S. 478). Somit ist A. seiner Größe nach der zweite, seiner Bevölkerung nach aber erst der vierte unter den Erdteilen.

Ein mittelländisches Meer teilt A. in zwei Teile, Nord- und Südamerika, die nur durch eine schmale Landenge miteinander zusammenhängen und in ihren horizontalen Dimensionen viel Gleichförmiges zeigen. Beide haben Dreiecksform mit gegen S. gerichteter Spitze. Die Größe Nordamerikas kann auf 22,962,000 qkm (417,000 QM.) angenommen werden, wonach, wenn man 3,579,000 qkm (65,000 QM.) für die dazu gehörigen Inseln abrechnet, bei einer Küstenlänge von 45,265 km auf fast 430 qkm Fläche 1 km Küstenlänge käme. Die größte Ausdehnung von N. nach S. hat Nordamerika zwischen dem Morro de Puercos am Stillen Ozean unter 7° nördl. Br. und dem Kap Prince of Wales, welche beiden Punkte 8900 km voneinander entfernt liegen. Die Entfernung zwischen Kap Charles an der Küste von Labrador und Kap Prince of Wales beträgt ungefähr 6700 km. Mehr noch als Nordamerika nähert sich Südamerika der Figur eines rechtwinkeligen Dreiecks. Der nördlichste Punkt ist Punta Gallinas am Antillenmeer, unter 12° 2' nördl. Br. und 71° 46' westl. L. Bei einem Flächeninhalt von 17,841,000 qkm oder 324,000 QM. (ohne das Inselareal von etwa 165,000 qkm oder 3000 QM.) kommt hier erst auf etwa