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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amtszeichen; Amu; Amu Darja; Amucklaufen; Amucu

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Amtszeichen - Amu Darja.

Armen-, Wege-, Wasser-, Feld-, Forst-, Fischerei-, Gewerbe-, Bau- und Feuerpolizei, soweit sie nicht dem Landrat oder besondern Beamten übertragen sind; er hat das Recht und die Pflicht, da, wo die Erhaltung der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit ein Einschreiten notwendig macht, das Erforderliche anzuordnen und ausführen zu lassen; er hat dafür zu sorgen, daß die öffentlichen Wege in vorschriftsmäßigem Zustand erhalten werden, und daß der Verkehr auf denselben nicht behindert werde. Dem A. steht ein Amtsausschuß zur Seite, welcher sich aus Vertretern sämtlicher zum Amtsbezirk gehöriger Gemeinden oder selbständigen Gutsbezirke zusammensetzt. Besteht der Amtsbezirk aber nur aus einer Gemeinde, so nimmt die Gemeindevertretung die Geschäfte des Amtsausschusses wahr. In denjenigen Amtsbezirken endlich, welche nur aus einem Gutsbezirk bestehen, fällt der Amtsausschuß ganz hinweg. Dem Amtsausschuß steht die Kontrolle sämtlicher und die Bewilligung derjenigen Ausgaben der Amtsverwaltung zu, welche vom Amtsbezirk aufgebracht werden, ferner die Beschlußfassung über diejenigen Polizeiverordnungen, welche der A. unter Mitwirkung des Amtsausschusses zu erlassen befugt ist, die Äußerung über Abänderung des Amtsbezirks, die Bestellung sowie die Wahl besonderer Kommissionen oder Kommissare zur Vorbereitung und Ausführung von Beschlüssen des Amtsausschusses und endlich auch die Beschlußfassung über sonstige Angelegenheiten, welche der A. aus dem Kreise seiner Amtsbefugnisse dem Amtsausschuß zu diesem Zweck unterbreitet. Die Gemeinde- und Gutsvorstände aber sind dem A. insofern unterstellt, als sie seinen Anweisungen und Aufträgen, welche er in Gemäßheit seiner gesetzlichen Befugnisse in Dienstangelegenheiten an sie erläßt, nachzukommen haben. Die Aufsicht über die Geschäftsführung des Amtsvorstehers führt der Landrat als Vorsitzender des Kreisausschusses. Letzterer entscheidet über Beschwerden, welche Verfügungen des Amtsvorstehers betreffen. Der A. wird auf Grund von Vorschlägen des Kreistags je auf sechs Jahre von dem Oberpräsidenten ernannt und vom Landrat vereidigt. In denjenigen Amtsbezirken, welche nur aus einer Gemeinde oder einem selbständigen Gutsbezirk bestehen, ist der Gemeinde- oder Gutsvorsteher zugleich A. Der A. ist berechtigt, eine Amtsunkostenentschädigung zu beanspruchen, welche nach Anhörung der Beteiligten von dem Kreisausschuß als ein Pauschquantum festgesetzt wird. Vgl. Kreisordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Posen, Schlesien und Sachsen vom 13. Dez. 1872, § 46 ff.

Amtszeichen, äußeres Merkmal, durch welches die amtliche Eigenschaft der damit versehenen Person angedeutet wird, also namentlich eine vorschriftsmäßige Amtskleidung, eine Uniform, ein Dienstschild u. dgl. Das A. darf nur von dem Beamten, für welchen es bestimmt ist, getragen werden, und das unbefugte Tragen eines solchen ist mit Strafe bedroht, welche nach dem deutschen Reichsstrafgesetzbuch in Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder entsprechender Haft bestehen soll. In Deutschland ist neuerdings auch für die Richter, Gerichtsschreiber, Staats- und Rechtsanwalte in den öffentlichen Sitzungen eine besondere Amtstracht vorgeschrieben. Vgl. z. B. den preußischen allerhöchsten Erlaß vom 12. Juli 1879 ("Justizministerialblatt", S. 172).

Amu, Fluß in Afrika, s. Rio Volta.

Amucklaufen (Amoklaufen, vom javan. Wort amoak, töten), eine barbarische Sitte unter mehreren malaiischen Volksstämmen, z. B. auf Java, besteht darin, daß durch Genuß von Opium bis zur Raserei Berauschte, mit einem Kris (Dolch) bewaffnet, sich auf die Straßen stürzen und jeden, dem sie begegnen, verwunden oder töten, bis sie selbst getötet oder doch überwältigt werden.

Amucu (Amicu), See in Britisch-Guayana in Südamerika, auf einem Plateau zwischen den Flüssen Rupununi und Tokutu, der in der Regenzeit weithin das Land überschwemmt, während der trocknen Jahreszeit aber auf einen sehr geringen Umfang zusammenschrumpft. Die Gegend, in welcher der See liegt, ist (nach R. Schomburgks Nachweisen) das mythische, zur Zeit der Königin Elisabeth von England berühmte und vielgesuchte "Eldorado" und der See selbst das für unermeßlich geltende "Mar del Dorado" (Laguna Parima), in dessen Nähe die goldene Stadt Manoa liegen sollte, welche Sir Walter Raleigh und seine Unglücksgefährten zu entdecken auszogen.

Amu Darja (bei den Arabern Gihon, Dscheihun, der Oxus der Alten), südlicher Hauptstrom von Russisch-Turkistan, entspringt auf den Hochplateaus der Pamir und hat zwei Hauptquellflüsse: Aksu oder Murghab, der aus dem Pamirchurdsee (3975 m hoch) kommt, und Pandscha, der wieder aus einem südlichen Quellfluß, dem Wakhan (Ursprung im Rücken des Pamirchurd), und einem nördlichen (in 4321 m Höhe aus dem Pamirkulan oder Victoriasee entspringend) zusammenfließt. Bei Kila Wamar (71 1/3° östl. L. v. Gr., 37° 50' nördl. Br.) in 2285 m Höhe vereinigen sich die beiden Flüsse und bilden von nun an den A. Links nimmt der A. aus Badachschan die Kokscha (Kutscha) auf, rechts vom Alaigebirge den wasserreichen Surchab und aus der Hissarkette den gleichnamigen Fluß und schlägt nun statt seiner bis hierher verfolgten südwestlichen Richtung eine nordwestliche ein, die er bis zur Einmündung in den Aralsee beibehält. In diesem Teil seines Laufs wird der A. durch Zuflüsse nicht mehr verstärkt. Bei Kadscha Sala, zwei Karawanenmärsche nordwestlich von Balch, beträgt die Breite des A. 752 m, die Tiefe 2-6 m. Von hier ab verändert der Fluß sehr häufig sein Bett; im Jahrhundert vor Mohammed begrub er eine Anzahl Städte, die an seinem Ufer lagen, unter seinen Fluten. Vor seiner Einmündung in den Aralsee spaltet er sich bei Nukus in mehrere miteinander verbundene Arme: Kuvansch Dscharma im O., Taldik im W., Tschan, später Ulkun Darja, in der Mitte. In diesem an 150 km langen Delta sind zahlreiche mit Schilf überwachsene Seen; ein Netzwerk kleiner Kanäle von geringer Tiefe verteilt seine Wasser zur Berieselung der Felder. Die Wassermasse des A. in seinem untersten Lauf beträgt 3000 cbm in der Sekunde (die des Rheins 2500, des Rhône 2800). Es sind noch deutliche Spuren vorhanden und liegen auch historische Beweise dafür vor, daß der Fluß sich früher (und zwar bis zum 16. Jahrh.) in das Kaspische Meer ergoß, und die eingehende Untersuchung aller ältern Nachrichten sowie der einheimischen Tradition und der orographischen Verhältnisse hat 1879 zu dem Ergebnis geführt, daß der Fluß durch menschliche Einwirkung vom Kaspisee abgelenkt worden ist und nicht durch eine Hebung der aralokaspischen Niederung. Es gilt jetzt russischerseits für möglich, den A. wieder ins Kaspische Meer zu leiten und damit für Rußland eine fahrbare Wasserstraße bis ins Herz seiner innerasiatischen Provinzen zu schaffen sowie die Turkmenensteppe längs des neuen Flußlaufs bewohnbar zu machen. Jetzt verteilen eine Anzahl künstlicher Kanäle die Fluten des A. zur Bewässerung über den überaus fruchtbaren Norden von Chiwa;